Nicht alles Böse kommt aus Nordkorea: Nordkoreanische „Hackerbrigaden“ nicht für Cyberangriff im Jahr 2009 verantwortlich

Update (07.07.2010): Im Fall des Hacker-Angriffs aus dem vergangenen Jahr scheint zwischen den USA und Südkorea Uneinigkeit zu bestehen (was in der jüngeren Vergangenheit bezüglich Nordkoreas ja recht selten ist). Wie die Dong-a Ilbo berichtet, gehen IT-Verantwortliche der südkoreanischen Regierung weiterhin davon aus, dass der Angriff von Nordkorea ausging. Südkorea habe den Ursprung des Angriffs detailliert untersucht und eine IP-Adresse in China als Ausgangspunkt identifiziert, die vom nordkoreanischen Post- und Telekommunikationsministerium genutzt werde. Weitere Untersuchungen seien nicht möglich, da der Angriff vom Hoheitsgebiet Chinas ausging. Zwar könne man nicht hundert Prozent sicher sein, dass Nordkorea für den Angriff verantwortlich sei, allerdings deuteten alle Hinweise darauf.Da scheint es in der Kommunikation zwischen Nordkorea und den USA noch etwas zu hapern. Wie genau es bei einer scheinbar so eindeutigen Faktenlage dazu kommen konnte, dass sich die amerikanische Seite genau entgegensetzt äußert kann ich mir auch nicht erklären, allerdings scheint eine der beiden Seiten (bewusst oder unbewusst) auf dem Holzweg zu sein.

Ursprünglicher Beitrag (05.07.2010): Vor einem guten halben Jahr habe ich mich ja schonmal mit Nordkoreas IT-Fähigkeiten beschäftigt und dabei auch auf einen Angriff auf südkoreanische und US-amerikanische Regierungshompages verwiesen, der vor einem Jahr hohe mediale Wellen schlug und recht schnell nordkoreanischen Hackern zugeordnet wurde. Danach gab es in den Medien eine rech ausführliche Diskussion um Cyber-Kriegführung und vermutete nordkoreanische Hackerbrigaden, die aber nicht mehr Substanz hatte als ein McDonalds-Menü und hauptsächlich auf Vermutungen und Gerüchten aufbaute.

Am Wochenende kam dann die Meldung, dass Seitens der US-Regierung mittlerweile ausgeschlossen wird, dass der Angriff im Juli 2009 durch nordkoreanische Computerspezialisten durchgeführt wurde. Nach dem Angriff hätte es zwar viele Hinweise gegeben, die auf einen Angriff aus Nordkorea gedeutet hätten (wie z.B. koreanische Schriftzeichen), mittlerweile sei aber klar, dass nicht Nordkorea der Ursprung der Attacke sei. Gerüchteweise wurden auch südkoreanische Aktivisten als mögliche Verursacher gesehen, die so möglicherweise die Atmosphäre zwischen Süd- und Nordkorea verschlechtern wollten (Aber hier bewegt man sich auch auf dem Niveau von McD-Fraß). Was mir an dieser Story auffällt ist einerseits, dass sich bisher die wirklich großen Medien nicht dafür interessiert haben, vielleicht weil es nicht so gut ins eindimensionale Bild passt, wenn Nordkorea mal nicht für Schandtaten verantwortlich ist. Andererseits zeigt sich hier auch wieder, wie einfach es ist, Nordkorea für ein Verbrechen an den Pranger zu stellen, wenn andere Erklärungen schwer zu finden oder einfach nur unbequem sind.

Heißt das alles jetzt, dass Nordkorea zu solchen Attacken nicht in der Lage ist, oder sie nicht durchführen würde? Wohl kaum. In anderen Fällen deuten die Hinweise klar auf Nordkorea und dass man in dem Land zunehmendes Gewicht auf Computerisierung legt ist ja mittlerweile auch nicht mehr neu.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s