Handel zwischen China und Nordkorea weiter auf Wachstumskurs — auf Chinas Kosten

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres ist der Handel zwischen Nordkorea und China nach Angaben chinesischer Zollbehörden um 18 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gewachsen. In absoluten Zahlen heißt das, dass Nordkorea Waren im Wert von ca. 728 Mio. US-Dollar importierte und für etwa 257 Mio. US-Dollar nach China lieferte. Damit wuchsen die Importe Nordkoreas aus China um 29 Prozent während die Exporte um etwa fünf Prozent zurückgingen. Die Zunahme der Importe dürfte nicht zuletzt durch die verschlechterten Beziehungen zwischen Süd- und Nordkorea zu begründen sein. Hier scheint China als Handelspartner einzuspringen. Nichtsdestotrotz erwartet das (staatliche) südkoreanische „Korea Development Institute“ einen weiteren Rückgang der nordkoreanischen Wirtschaftsleistung, nachdem diese schon im vergangenen Jahr um 0,9 Prozent geschrumpft war. Diese Entwicklung wird nicht zuletzt den verschlechterten Beziehungen zwischen den Beiden Koreas zugeschrieben.

Aus diesen Zahlen lässt sich einiges herauslesen, einiges allerdings auch nicht:

  • Anders als im Falle Südkoreas sind die chinesischen Zahlen recht intransparent. Hilfen, die ohne Gegenleistung geliefert werden, sind nicht in den Zahlen beinhaltet. Außerdem dürfte der „kleine Grenzverkehr“, der die Entstehung des Graswurzel-Kapitalismus in Nordkorea befeuert, kaum vollständig erfasst werden.
  • Auch die Schätzungen aus Südkorea über das BIP Nordkoreas sind keinesfalls mehr als dies. Sie können nur ungefähre Annäherungen an die Kraft der Staatswirtschaft liefern, aber nicht die staatliche und individuelle Schattenwirtschaft mit einbeziehen.
  • China scheint bereit zu sein, viel Geld zur Stützung Nordkoreas zu investieren, denn zumindest die 500 Millionen US-Dollar Außenhandelsdefizit, die Nordkorea gegenüber China erwirtschaftete, dürften wohl nicht so bald zurückgezahlt werden. Praktisch handelt es sich hierbei also um Hilfen, von denen sich China nicht sicher sein kann, sie je wieder zu sehen.
  • Jedoch scheinen selbst die Hilfen Chinas nicht auszureichen, um der Wirtschaft Nordkoreas Dynamik zu verleihen (aber vermutlich ist das auch nicht das Ziel, sondern eher der Erhalt des Status quo (sonst würde Nordkorea möglicherweise noch selbstbewusster gegenüber China)).
  • Zurzeit gerät Pjöngjang zunehmend in die Abhängigkeit des großen Verbündeten und verliert damit die so hoch geschätzte und ideologisch verankerte Unabhängigkeit.

Kurzfristig gibt es für das Regime in Pjöngjang wohl keinen anderen Weg, die eigene Wirtschaft zumindest auf niedrigem Niveau zu stabilisieren. Allerdings dürfte das Regime, das allzu starken Einflüssen von außen sehr misstrauisch gegenübersteht langfristig versuchen, auch wieder mit anderen Partnern ins Geschäft zu kommen und so die einseitige Abhängigkeit gegenüber China abzuschwächen.

3 Antworten

  1. […] and that North Korea is, no surprise, running a fairly large trade deficit with the PRC.  [Danke Nordkorea.info fuer die Hinweis! Es macht mich ueberhaupt gerne, so eine guter nordkoreanische Blog am Netz zu finden.  […]

  2. Ich frage mich immer, ob der nordkoreanischen Führung überhaupt an umfangreichen Verbesserungen der wirtschaftlichen Situation gelegen ist? Oder ist es aus deren Sicht nicht viel sinnvoller, die eigene Bevölkerung dauerhaft am Rande der Armutsgrenze zu halten, um die Kontrolle übers Land zu behalten. Wirtschaftswachstum, welches auch den Menschen zu Gute kommt, wäre da ja nur kontraproduktiv, schätze ich mal.

    tollstoii

    • Wissen kann man das leider nie und ich bin auch der Ansicht, dass bei der großen Hungersnot in den 90ern der Gedanke eine gewisse Rolle gespielt hat, dass es besser für das Regime ist, die Leute so schwach zu halten, dass sie sich nicht mehr wehren können, weil sie voll und ganz mit dem Überleben beschäftigt sind. Allerdings glaube ich, dass die Situation heute anders ist. Das Regime weiß, dass dieses Vorgehen ein Spiel mit dem Feuer ist, denn die Leute werden immer nach Wegen suchen, ihre Situation zu verbessern. Und wenn das Regime solche Wege nicht bietet, dann geht es vielleicht über den Markt…
      Daher ist es meiner Meinung nach das Ziel des Regimes, das staatliche Verteilungssystem wieder zum Funktionieren zu bringen. Und das geht nur über eine Verbesserung der Wirtschaftsleistung (oder über Hilfen, aber die sind ja nicht so bald in großen Mengen zu erwarten).

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