Nordkorea: Aus Müllhalde wird Wertstoffexporteur?

Eben habe ich bei People’s Daily einen Bericht gelesen, den ich zwar interessant fand, der mich aber vor allen Dingen verwirrt hat. Dort wird mitgeteilt, dass die chinesischen Behörden planen, in der Stadt Hunchun, die sich im Dreiländereck China-Russland-Nordkorea (Provinz Jilin) befindet, eine riesige Recycling-Anlage zu errichten. Diese soll auf einem Grundstück von 135 Hektar einen Gebäudekomplex mit der Gesamtgröße von 500.000 Quadratmetern berherrbergen und 10.000 Arbeitsplätze schaffen. Das eigentlich interessante an der Sache ist aber, dass dort Abfälle wie z.B. Kabel, Plastikabfälle, Fahrzeuge, Batterien und andere Abfälle [sic!] aus Russland und Nordkorea verwertet werden sollen.

Warum mich das wundert? Bisher war immer relativ klar wie es weitergeht, wenn „Nordkorea“ und „Abfälle“ in einem Satz genannt wurden. Wie andere Entwicklungsländer bot sich Nordkorea als Empfängerland für toxische und schwer zu verarbeitende Abfälle aller Art an. Und wenn ich aller Art sage, meine ich aller Art. Das reichte nämlich von normalem Elektroschrott über Nuklearabfälle aus Taiwan (der Vertrag war 1996 schon unterzeichnet, Taiwan blies das Geschäft dann aber auf internationalen Druck hin ab) bis hin zur  Brent Spar (ihr erinnert euch sicherlch noch an die monströse Kampagne die GreenPeace damals losgetreten hat und da dachten sich Nordkoreas Behörden: „Nehmen wir das Ding eben“ (Jedoch wollte Shell sein Image nicht weiter schädigen und entschied sich für eine andere Lösung)). Es bestanden schon immer (wohl berechtigte) Zweifel, dass die nach Nordkorea gelieferten Abfälle sachgerecht behandelt würden (wenn das überhaupt möglich ist), aber darum muss man sich dann wohl jetzt keine Sorgen mehr machen, wenn die Chinesen das Recycling nordkoreanischer Abfälle in die Hand nehmen wollen.

Das führt mich nun allerdings zur eigentlichen Frage. Wie kommt es, dass Nordkorea als Exportland für Elektro- und Industrieschrott auftreten kann? Da die nordkoreanische Wirtschaft ja nicht unbedingt brummt und die Erneuerung der Maschinen und Anlagen des Landes selbst vermutlich hauptsächlich auf Recyclingmethoden beruht, während Elektrogeräte nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung zugänglich sein dürften, ist die Frage ja durchaus legitim, wo das Zeug herkommen soll. Was mir da an möglichen Erklärungen einfällt:

  • Nordkorea reimportiert den Abfall, den es in den letzten Jahren aus China aufgenommen hat. Allerdings spricht dagegen, dass die Werthaltigen Teile vermutlich schon in China ausgeschlachtet wurden und nur der Restmüll überhaupt nach Nordkorea geliefert wurde.
  • Die Behauptung, dass Abfall aus Nordkorea wiederverwertet werden soll entsprach schlicht nicht der Wahrheit. Man musste den Bau dieser Fabrik an der absoluten Peripherie rechtfertigen und erklärte daher, dass man Abfälle aus Russland und Nordkorea erwarte. Aber warum sollte man das tun.
  • Man erwartet Abfälle aus Nordkorea, nur dass dieses Land nur als Transitland fungieren wird. Der Müll wird in nordkoreanischen Häfen an Land gebracht und dann über die Grenze nach China geliefert. Vielleicht kann man so Regularien in China umgehen. Klingt auch nicht so richtig Stichhaltig.
  • Nordkorea hat tatsächlich mehr Schrott als man erwartet. Vermutlich würde man hierzulande annähernd den Kompletten Bestand an Maschienen und Anlagen als Schrott bezeichnen. Vielleicht hofft man dadurch, dass die Teile davon die zu gar nichts mehr zu gebrauchen sind noch ein paar Kröten einbringen. Nicht abwegig, aber andererseits kann man die meisten Sachen noch mal irgendwie wiederverwerten.
  • Man glaubt in China das der geplante wirtschaftliche Aufschwung Nordkoreas Wirklichkeit wird. Dann werden die alten Gerätschaften durch Neue ersetzt und es fallen tatsächlich Abfälle an. Aber kann man das wirklich glauben?

Naja, alles solala aber mir fällt wirklich nichts besseres ein. Wir werden dann wohl in Zukunft sehen, ob in Hunchun tatsächlich im Jahr aus drei Millionen Tonnen Müll über zwei Milliarden Dollar erwirtschaftet werden und vor allem, ob es auch einen nordkoreanischen Beitrag zu diesem schmutzigen Gewerbe geben wird.

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