Ein Stück Nordkorea kommt nach Deutschland: VfL Bochum holt Jong Tae-se

Einige von euch werden sich sicherlich noch an Jong Tae-se erinnern, den nordkoreanischen Stürmer, der aufgrund seines emotionalen Auftritts beim Absingen der nordkoreanischen Hymne vor dem Spiel gegen Brasilien einen prominenten Platz in meiner Berichterstattung über dieses Spiel bekommen hat. Eben jenen Jong  wird man im nächsten Jahr wohl öfter mal im deutschen Fernsehen bestaunen können, denn er hat vor ein paar Tagen (ich weiß, die Nachricht ist nicht brandaktuell, aber bisher empfand ich andere als wichtiger, aber ein nordkoreanischer Fußballer in Deutschland: Das gehört definitiv hierher) einen Vertrag beim VfL Bochum unterschrieben. Damit wechselt der erste nordkoreanische Spieler (und auch der Auffälligste des WM Teams) in eins der großen europäischen Fußballländer, wenn auch nur in die zweite Liga. Jong unterschrieb einen Zweijahresvertrag mit Option für ein weiteres Jahr. Ob Bochum diese Option zieht wird vermutlich auch davon abhängen, ob er seine Torgefährlichkeit im neuen Umfeld unter Beweis stellen kann, denn die ließ während der WM meiner Meinung nach zu wünschen übrig. Allerdings hat er es in der zweiten Liga ja auch nicht mit solch hochkarätigen Gegenspielern wie beispielsweise Lucio zu tun und wird daher vielleicht weniger überhastet agieren wie bei der WM.

Wie ich bereits vor der WM schrieb, ist Jong ein nordkoreanischer Sonderfall. Zwar hat er einen nordkoreanischen Pass und spielt für die nordkoreanische Nationalmannschaft (und war soweit ich mich erinnere der einzige Spieler, der während dem Absingen der Hymne Rotz und Wasser heulte), allerdings hat er ansonsten nicht wirklich viel mit Nordkorea zu tun. Er wurde in Japan (wo es eine große Gruppe koreanisch-stämmiger Menschen gibt, die teilweise enge Verbindungen zu Nordkorea pflegen) geboren und verbrachte (schaut man sich die Stationen seiner bisherigen Karriere an) seine Jugend in Südkorea, bevor er wieder nach Japan und dort zum Kawasaki Frontale (schöner Name) zurückkehrte. Er ist also nicht in Nordkorea sozialisiert worden und sollte man ihn mal im Interview oder so sehen, stellt er nicht den „typischen Nordkoreaner“ dar. Trotzdem ist er gerade wegen dieser Besonderheiten ein interessanter Typ, denn es bleibt für mich nach wie vor schwer verständlich, wie man in freien Gesellschaften, die Südkorea und Japan ja zweifelsfrei sind leben und sich trotzdem den Realitäten, was die Herrschaft und die Situation in Nordkorea angeht, so gänzlich verschließen kann (die Entscheidung für Nord- und nicht für Südkorea aufzulaufen kann nicht nur sportlich motiviert sein, wenn man sich seine Tränen ins Gedächtnis ruft). Vielleicht wird man im Laufe der Zeit mehr darüber erfahren. Einen ersten Eindruck seiner Person kann man durch ein kleines Interview gewinnen, das auf der Internetseite des VfL Bochum zu finden ist. Über Deutschland sagt er dort:

Hier wird alles immer sehr korrekt geklärt. Alles hat seine Ordnung, man kann sich auf Zusagen verlassen. Das gefällt mir sehr gut.

Fand ich irgendwie schön (die guten alten Klischees), aber auch bezeichnend. Zucht und Ordnung scheinen für ihn an erster Stelle zu stehen (nach dem Tore schießen natürlich, an dem er weiter arbeiten will (und muss)), ob das allerdings von seiner Erziehung herrührt oder daher, dass man sich anderswo nicht immer auf Zusagen verlassen kann (wie gesagt weiß ich nicht wie das im Sport ist, aber in der Politik haben die Oberen in Pjöngjang damit ja gelegentlich ihre Schwierigkeiten). Naja, wie sich Jong sportlich bewährt, das werden wir in den nächsten Monaten ja vielleicht beobachten können und vielleicht gibt es ja auch irgendwann noch mehr über seine Person zu lesen bis dahin habt ihr aber dann wirklich eure Ruhe vor dem Fußball.

Achja, weils so schön war…

Fußballspielen kann er auch, bei der WM zwar glücklos aber mit guten Ansätzen…

aber es geht auch besser, gegen Griechenland fast in Robben-Manier…

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