Amnesty International veröffentlicht Bericht zur Lage des nordkoreanischen Gesundheitssystems

Amnesty International hat einen Bericht veröffentlicht (knapp 40 Seiten), in dem die aktuellen Zustände im Gesundheitssystem sowie der Nahrungsversorgung Nordkoreas näher beschrieben werden. „The crumbling state of health care in North Korea“ geht näher auf die Historie der Misere, die nun schon seit fast zwei Jahrzehnten im nordkoreanischen Gesundheitssystem und der Nahrungsmittelversorgung herrscht ein und greift dabei auf eine Vielzahl relevanter Dokumente der UN und anderer Hilfsorganisationen zurück. Zur Beschreibung der aktuellen Situation nutzt Amnesty eine Methode, die bereits bei anderen Berichten vor allem zur Menschenrechtssituation in Nordkorea angewandt wurden. Es werden Menschen befragt, die in den letzten Jahren aus Nordkorea geflohen sind. Zu stärken und schwächen dieser Methode habe ich mich ja bereits geäußert. Zwar liefert sie ein sehr Lebensnahes Bild der Situation, allerdings ist die Stichprobe (in diesem Fall 40 Personen) bei weitem zu klein, um auch nur annähernd repräsentativ zu sein. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass die befragten Personen aufgrund ihrer Eingruppierung o.ä. besonders schlecht behandelt wurden, bzw. dem Regime besonders feindselig gegenüberstehen, was objektive Aussagen schwieriger macht. Nichtsdestotrotz ist diese Methode zurzeit definitiv der beste und transparenteste Weg um an erste Hand Informationen aus Nordkorea zu gelangen, nur sollte man gewisse Einschränkungen vor allem bei der Repräsentativität eben immer bedenken. Während Informationen über die Nahrungsmittelversorgung ja öfter mal ihren Weg in die Medien finden, ist über das Gesundheitssystem in Nordkorea seltener etwas zu lesen. Daher ist dieser Bericht besonders in diesem Bereich eine willkommene Ergänzung zu dem, was bisher bekannt ist. Generell wird ein recht düsteres Bild des nordkoreanischen Gesundheitssystems gezeichnet. Die Menschen in Nordkorea sind schlecht über die Notwendigkeit einer guten Gesundheitsvorsorge und medizinischen Begleitung aufgeklärt und können diese oft nicht in Anspruch nehmen, da sie dem medizinischen Personal (widerrechtlich) Geld bezahlen müssen, um behandelt zu werden. Das Personal wiederum wird vom Staat oft nicht bezahlt, ist nicht auf dem neuesten Stand der Ausbildung und kann nur begrenzt auf Geräte und notwendige Medikamente zurückgreifen. Dies alles sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass das Regime einen viel zu niedrigen Betrag pro Kopf in das Gesundheitssystem investiere und dabei auch weit hinter Ländern mit einem ähnlichen wirtschaftlichen Entwicklungsstand zurückbleibe. Alles in allem habe sich die medizinische Versorgung vor allem zu Beginn der 1990er Jahre deutlich verschlechtert und sich seitdem (auch nicht nach dem Ende der akuten Krise Ende der 1990er Jahre) nicht wieder verbessert.

Das letzte Mal, dass man was über das nordkoreanische Gesundheitssystem gehört hat war, soweit ich mich erinnere, als World Health Organisation (WHO) Chefin Margaret Chan Nordkorea einen Besuch abstattete. In Teilen war ihre Bewertung der Umstände im Land anders als die von Amnesty International. Die lobte die Fähigkeiten von und die Zahl an medizinischem Personal, Projekte zur Tuberkulose und Malariabekämpfung und die Mutter-Kind Vorsorge (Jedoch dürfte, wie ich bereits damals anmerkte, Schwierigkeiten gehabt haben, die tatsächlichen Umstände genau zu ergründen und sah mit Pjöngjang einen ganz anderen Ausschnitt als den, den die Meisten der 40 Flüchtlinge gesehen haben dürften). Allerdings erkannte auch Chan, dass vor allem bei der medizinischen Ausstattung Investitionen nötig seien und dass eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung essentiell sei. Hier liegt sie mit Amnesty weitgehend auf einer Linie.

Die Unterschiede in den Berichten Margaret Chans und von Amnesty dürften daher rühren, dass beide unterschiedliche Methoden nutzten, um die Situation in Nordkorea zu ergründen. Da ich nicht davon ausgehe, dass eine der Parteien bewusst gelogen oder die Wahrheit verheimlicht hat, glaube ich, dass in beiden Berichten ein Stück Wahrheit steckt und dass die Realität sich, wie eigentlich immer, irgendwo in der Mitte bewegt. Dass könnte darin begründet sein, dass die WHO und Amnesty auf unterschiedliche Notwendigkeiten bzw. Ziele Rücksicht nehmen müssen. Amnesty will vor allen Dingen aufmerksam machen und bewirken, dass sich Menschen und vielleicht auch Staaten engagieren. Das geht am besten, je düsterer das gezeichnete Bild ist (Was der Grund dafür sein könnte, dass die positiveren Kommentare aus Frau Chans Kommentar zu ihrer Reise im Amnesty Bericht nicht enthalten sind). Die WHO hat es etwas schwieriger. Sie will zwar auch die Situation der Menschen in Nordkorea verbessern, aber dazu den Kontakt mit dem Regime in Pjöngjang aufrecht erhalten. Daher darf man die Entscheidungsträger nicht vor den Kopf stoßen und nicht nur (scharfe) Kritik anbringen.

Aber wie gesagt. Gut dass es Organisationen wie Amnesty und die WHO gibt, die Themen wie die Menschenrechtslage in Nordkorea immer wieder auf die internationale (Medien-)agenda setzen, bzw. im Land präsent sind, um die Situation der Menschen dort zu verbessern.

Weitere Links zum Thema „Menschenrechte“ könnt ihr in der entsprechenden Linksammlung finden.

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