Terminator vs Nummer 5 lebt: Südkorea erprobt Roboter zur Grenzverteidigung + Joseph Bermudezs KPA Journal Vol.1 No.6

Kürzlich habe ich bei Yonhap gelesen, dass Südkorea an der Demilitarisierten Zone Roboter testet, die langfristig bei der Überwachung der Grenze zum Norden als Ersatz für Soldaten dienen sollen. Ich dachte zuerst: „Spielerei und Quatsch“ und habe mich nicht weiter dafür interessiert. Dann habe ich aber noch ein bisschen mehr dazu nachgelesen und finde die Sache nun doch gleichermaßen erschreckend und berichtenswert.

Südkorea, eine der führenden Nationen bei der Herstellung von Robotern, hat bereits vor einigen Jahren ein Konsortium um Samsung Techwin (die Firma entwickelt und produziert unter anderem Überwachungstechnologie, aber auch Waffensysteme) damit beauftragt, einen Roboter zur Grenzverteidigung zu entwickeln. Die mit SGR-1 benannten Maschinen sollen dabei nicht nur die Grenze überwachen, sondern auch mit Maschinengewehren und 40-Millimeter Granatwerfern auf eventuelle Eindringlinge schießen können. Der Roboter soll mit seiner Überwachungstechnologie tagsüber Ziele in bis zu drei Kilometern Entfernung erfassen und identifizieren können und nachts bis zu 1,5 Kilometer weit „sehen“. Bisher sind stationäre Modelle vorgesehen, die durch Stimmerkennung und Tränengas vor Diebstahl geschützt sein sollen und von ihrem Äußeren her einer Radarfalle (hehe) recht nahe kommen. Gesteuert werden sollen die Geräte per Joystick aus einem Kontrollraum (ähnlich den Drohnen, die ja mittlerweile zu tausenden über den Regionen zu kreisen scheinen, in denen die USA und ihre verbündete Krieg führen). Ob SGR-1 auch autonom agieren kann ist zwar unklar, da aber Dohnen scheinbar mittlerweile autonome Angriffe durchführen, dürfte es kein Problem sein eine solche Funktion hinzuzufügen. Pro Stück sollen die Roboter zwischen 200.000 und 330.000 US-Dollar (hier gehen die Angaben auseinander, aber ist so oder so ganzschön günstig) kosten, aber sie befinden sich zurzeit wie gesagt noch in der Erprobungsphase. Die Roboter sollen nicht als Ersatz für menschliche Soldaten dienen, sondern als Ergänzung, einerseits weil sie permanent auf dem Posten sind, andererseits, weil sie sich nicht mit „menschlichen Problemen“ wie Angst oder Hemmungen zu töten herumschlagen müssen (was für Menschen spricht weiß ich nicht, aber vermutlich ist das dann in die Kategorie beschwichtigendes Gesülze einzuordnen).

Einerseits ist es nicht überraschend, dass ein Hochtechnologieland wie Südkorea seine Fähigkeiten auch zu militärischen Zwecken einsetzt, gerade in der Situation, in der sich das Land mit dem verfeindeten Bruder im Norden eben befindet. Andererseits empfinde ich den Einsatz solcher Systeme trotzdem als hoch bedenklich (einen interessanten Artikel gabs dazu kürzlich in der ZEIT). Warum, dass erklärt sich in großen Teilen von selbst. Wer stellt sich schon gerne vor, dass an jeder Ecke irgendwelche Maschinen rumstehen (oder irgendwann laufen), die im schlimmsten Fall auch noch selbst entscheiden, ob und auf wen sie schießen. Und selbst wenn irgendwo ein Mensch mit einem Joystick vor einem Bildschirm sitzt und entscheidet ist mir nicht wohl (da gibt’s ja auch psychologische Erklärungen warum die Hemmung zu töten da schnell abnimmt). Das sieht dann vermutlich so ähnlich aus:

nur dass die agierenden Personen noch weiter vom Geschehen entfernt sind als die Hubschrauberbesatzung in diesem Fall. Wollen wir das? — Aber können wir was dagegen tun? Hoffen wir mal dass sich die internationale Staatengemeinschaft da irgendwann selbst Grenzen auferlegt!

Achja, wo ich gerade bei dem (von mir gerne vernachlässigten Thema) Militär sind, möchte ich euch noch kurz auf die sechste Ausgabe des KPA Journals von Joseph Bermudez aufmerksam machen. Diesmal hat sie mir wirklich gar nicht zugesagt. Ist recht dünn ausgefallen, denn es gab eigentlich nur den Abschluss zur historischen Serie zu den nordkoreanischen Geheimdiensten, es gibt einige Strukturdiagramme und so, aber bisher konnte ich mich noch nicht dafür erwärmen. Außerdem gibts noch eine Ergänzung (die aber recht interessant ist) zu dem relativ neu entwickelten Panzer P’okpoong, den er in Vol.1 No.4 besprochen wurde. Wie immer könnt ihr euch zu den älteren Ausgaben hier entlang durchklicken und wie immer dauert der Download etwas.

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