WHO vs Amnesty: Wer hat Recht? Beide! — Nur dass die Aussagen gegensätzlich sind…

Vorgestern habe ich ja über den Bericht von Amnesty International geschrieben, der ein nordkoreanisches Gesundheitssystem darstellt, das kaum noch zu funktionieren scheint. Dabei sind mir auch deutliche Unterschiede zu den Aussagen aufgefallen, die die Chefin der World Health Organization (WHO) Margaret Chan vor drei Monaten hinsichtlich des nordkoreanischen Gesundheitssystems getroffen hat. Diese Unterschiede scheinen nicht nur mir, sondern auch der WHO aufgefallen zu sein. Ein Sprecher der Organisation griff nämlich gestern den Bericht von Amnesty als auf hören-sagen beruhend, teilweise auf alten Fakten beruhend und unwissenschaftlich an (auch wenn er festgehalten haben wollte, dass es sich nicht um Kritik handle fällt mir dazu kein anderes Wort ein). Er verteidigte nochmal deutlich die Position von Frau Chan und sagte, diese werden durch alle Berichte von Mitarbeitern in Nordkorea untermauert. Deutliche Unterschiede zwischen beiden Seiten bestanden u.a hinsichtlich der Frag, ob medizinische Versorgung kostenfrei zugänglich sei und ob die medizinische Infrastruktur ausreichend sei (hier waren die Differenzen wirklich gravierend. Während Chan das Netz der Krankenhäuser in hohen Tönen lobte ist im Amnesty Bericht von zweistündigen Wegen bis zum nächsten Arzt die Rede). Auch Amnesty blieb bei der Position, dass der eigene Bericht die Realität richtig beschreibe. Außerdem verlautete auch von dieser Seite, dass man die Aussagen der WHO nicht als Kritik sehe (mal ganz ehrlich: Was ist denn dann Kritik. Muss da der Ausdruck „unwissenschaftlich“ durch irgendwelches fäkal-Vokabular ersetzt werden?). Von der WHO verlautete außerdem, dass der Amnesty Bericht als Ergänzung zu den kritischen Anmerkungen zu lesen sei, die Chan gemacht hatte.

Kuriose Situation: Die WHO verteidigt Nordkoreas Gesundheitssystem. Amnesty und WHO habe teilweise gegensätzliche Aussagen gemacht, beharren auf ihren eigenen Standpunkten und greifen die Anderen an, wollen dass alles aber nicht als gegenseitige Kritik gesehen wissen. Gebracht hat es im Endeffekt niemandem etwas, denn welcher Institution man am Ende glauben soll weiß man nicht. Beide haben ihre Gründe die Wahrheit ein bisschen zu dehnen. Eine kleine Kritik an Amnesty möchte ich aber noch anbringen: Warum wurden die positiven Bemerkungen Chans – obwohl bekannt – vollkommen außer Acht gelassen. Der Bericht wäre auch mit Einbeziehung dieser nicht weniger allarmierend gewesen. Allerdings wäre er dann etwas ausgewogener dahergekommen und hätte nicht an der Glaubwürdigkeit von Frau Chan und damit der gesamten WHO gekratzt. So war eigentlich klar, dass die WHO das so nicht stehen lassen kann. Und am Ende stehen beide Organisationen mit einer beschädigten Glaubwürdigkeit hinsichtlich Nordkorea da und niemandem (besonders nicht den Menschen, denen beide Organisationen helfen wollen) ist geholfen.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s