Bös und bös gesellt sich gern — Machte Nordkorea Geschäfte mit al Qaida?

In den vergangenen Tagen hat der Coup von WikiLeaks, das irgendwie an rund 90.000 Lageberichte der US-Truppen in Afghanistan gekommen ist, weltweit für große Aufmerksamkeit gesorgt. Was dabei schwarz auf weiß öffentlich wurde konnte man sich ja in großen Teilen schon vorher denken: Der pakistanische Geheimdienst unterstützt die Taliban, die Sicherheitslage ist kritischer als gedacht und amerikanische Spezialtruppen/Killerkommandos machen weltweit Jagd auf feindliche Individuen. Wie gesagt, so weit so bekannt. Auch für Leute die an Nordkorea interessiert sind gab es unter den 90.000 Schriftstücken eins, das von größerem Interesse sein dürfte. Dieses berichtet nämlich, dass der berüchtigte Kriegsherr und ex-Regierungschef Gulbuddin Hekmatyar und ein Herr Amin, Finanzchef Osama bin Ladens, im November 2005 via Iran nach Nordkorea geflogen seien um dort Luftabwehrraketen zu erwerben. Diesen Bericht hat ein Autor der Washington Post ausgegraben und sich so seine Gedanken darüber gemacht. Ich konnte den Bericht irgendwie trotzdem nicht finden obwohl es auch so recht interessant war in den Lageberichten rumzustöbern, aber eben mit wenig Erfolg gekrönt. Allerdings hat der Autor den Text des Berichts online gestellt und ich glaube ihm einfach mal:

THREAT TO AIRCRAFT IN HELMEND PROVINCE
Organization(s) Involved: HEZB E ISLAMI GULBUDDIN
TEXT: on 19 november 2005, hezb-islami party leader, gulbuddin hekmartyr and dr. amin ((nln)), usama bin ladin,s financial advisor, both flew to north korea departing from an iran. they returned to helmand //geocoord: 3100n/06400e//, afghanistan on approximately 03 december 2005. while in north korea, the two confirmed a deal with the north korean government for remote controlled rockets for use against american and coalition aircraft. the deal was closed for an undetermined amount of money. the shipment of said weapons is expected shortly after the new year. nfi. upon return from north korea dr. amin stayed in helmand, and hekmartyr went to konar, nuristan province

Passend zu diesem Bericht hat der Autor dann noch einen Anderen gefunden, der etwa ein Jahr sechs Monate später den Abschuss eines Helikopters, der vermutlich mit einer Boden-Luft-Rakete (Typ MANPAD) durchgeführt wurde, beschreibt. Näheres über diese Waffe, zum Beispiel was der genaue Typ ist oder gar wo sie produziert wurde, gibt es nicht zu lesen.

Was sagt dieser Bericht nun über eine mögliche geschäftliche Beziehung zwischen Nordkorea und afghanischen Widerstandsgruppen einschließlich al Qaida aus? Meiner Meinung nach nicht besonders viel, besonders wenn man ihn in einem etwas breiteren Kontext betrachtet. Erstens gibt es neben diesem einen kurzen Schriftstück nichts weiteres, das auf Kontakte zwischen Nordkorea und afghanischen Widerstandstruppen hinweist. Darüber hinaus ist die enge Zusammenarbeit zwischen al Qaida und Hekmatyars Hezb-e-Islami alles andere als belegt. Zwar behauptete Hekmatyar Osama bin Laden im Jahr 2001 bei seiner Flucht aus der Bergfestung Tora Bora geholfen zu haben und wurde seitens der USA immer wieder beschuldigt mit Taliban und al qaida zusammenzuarbeiten. Andererseits haben aber die USA und Afghanistan erst vor kurzem versucht einen Gesprächsfaden mit Hekmatyar zu knüpfen. Hätte Hekmatyar seit 2005 so enge Verbindungen mit al qaida gepflegt, dass er sogar mit hochrangigen Mitgliedern der Terrororganisation auf (Waffen)shoppingtour ging, hätte man dies wohl eher nicht gemacht. Auch dass bisher nie Berichte über Kontakte zwischen Nordkorea und al Qaida an die Öffentlichkeit drangen lässt Rückschlüsse darauf zu, für wie glaubwürdig die USA diesen Bericht hielten.

Ausschließen möchte ich natürlich nichts (gerade wenn es um Waffenhandel und Nordkorea geht), aber das hier vorgelegte Indiz reicht bei weitem nicht aus, um einen solchen Kontakt zu belegen. Bis jetzt sieht der Artikel auf der Seite der Washington Post (wo sonst) für mich eher wie der Versuch aus, noch ein paar Verbindungen zwischen dem Achsen-Konstrukt und Osamas Terrortruppe herzustellen, macht sich ja nie schlecht um später dieses oder jenes Vorgehen gegen den Einen oder den Anderen rechtfertigen zu können. Mehr aber wohl nicht.

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