Kim vor Ahmadinedschad, aber hinter Chavez: Nordkorea modernisiert seine Netzpropaganda

Update (18.08.2010): Der Propagandist mit (Nick-)Namen „uriminzokkiri“ scheint nicht nur bei YouTube, sondern auch bei Twitter aktiv zu sein und hat auch schon ein paar für mich nicht leserliche Nachrichten ins Netz gezwitschert. Das Ganze hat eine ganzschöne mediale Aufmerksamkeit generiert und auch Südkoreas Regierung macht sich schon Gedanken. Allerdings sei es hier wesentlich schwieriger die Inhalte zu sperren wie bei den etwa 65 unliebsamen Webseiten, die die südkoreanische Regierung bereits blockiert. Allerdings muss man sich mit YouTube und Twitter wohl eher in Gesprächen einigen, die auch bereits aufgenommen wurden. Da bin ich mal gespannt, wie lange uriminzokkiri noch ungestört sein Propaganda-Gepfeife ins WWW absondern kann…

Ursprünglicher Beitrag (12.08.2010): Ich war einige Tage unterwegs (wie ihr vielleicht gemerkt habt) und bin erst gestern wieder nach Hause gekommen. Daher konnte ich nicht über die mutmaßlichen und definitiven Provokationen, die es aus Nordkorea in den letzten Tagen gab, berichten. Ist aber auch nicht so schlimm, denn eingeordnet in die Kategorie „mutmaßliche und definitive“ Provokationen, ist zu den Aktionen des Regimes eigentlich auch nicht vielmehr zu sagen.

Was mein Interesse  mehr erregt hat, waren Berichte über Kims neuesten Propagandacoup. Nachdem ja schon einige Seiten im Netz bekannt sind, die mehr oder weniger (aber immer) plump Werbung für das Regime machen und hin und wieder auch schonmal ein Lobpreisungsvideo auf YouTube aufgetaucht ist, scheint das Regime einen Schritt in Richtung des modernen Netzmarketings gemacht zu haben. Wie man seit vorgestern in einigen Medien lesen konnte, scheint das Regime einen seiner Leute dafür abgestellt zu haben, seit einigen Wochen Propagandavideos unter dem Usernamen „uriminzokkiri“ zu veröffentlichen. Zuerst dachte ich, dass es sich hier mal wieder um eine der irregeleiteten Seelen handeln würde, die es sich von Zeit zu Zeit zur Aufgabe machen, völlig kritik- und vermutlich auch hirnfrei Propaganda für Kims Regime zu verbreiten, quasi als Hobby. Also hab ich ein bisschen über uriminzokkiri nachgeforscht und gesehen, dass dies auch der Name einer Website ist (unter com domain und in Shenyang gehostet), auf der seit 2003 Propaganda für Nordkorea gemacht wird (leider nur in koreanischer Sprache, das englischsprachige Projekt wurde allem Anschein nach recht schnell wieder fallengelassen, ist aber immernoch hier einzusehen). Nun gut, dachte ich, dann hängen der YouTube Channel und die Seite wohl zusammen (vor allem weil der Channel in der koreanischsprachigen Version verlinkt ist), aber vielleicht ist es eben ein wirrer Typ mit sehr viel Zeit, der eine Website unterhält und ansonsten das Netz nach nordkoreanischer Propaganda durchforstet. Dann bin ich allerdings auf einen Artikel bei KCNA aus dem Jahr 2003 gestoßen, der Werbung für die Seite macht (allerdings erst drei Monate nachdem die Seite ans ins Netz gegangen war (lustigerweise hat es der Autor, der damit eine recht hohe Netzinkompetenz nachweist, geschafft, den URL der Seite mit „http://www.uriminzokkiri-com“ anzugeben (Wahrscheinlich hat der auch noch nie die Weiten des WWW erkundet, sonst hätte er gewusst, dass statt einem „-“ eher ein „.“ angebracht gewesen wäre))). Ich weiß es nicht genau, aber ich vermute mal, dass man schon den einen oder anderen Kontakt braucht, damit KCNA Werbung für seine Seite macht, daher ist eine direkte Verbindung zum Regime in Pjöngjang wohl sehr wahrscheinlich (Was ich in dem Zusammenhang noch interessant finde ist die Herkunft der Leser der Seite: Ein sehr großer Teil der Leser sitzt in China, außerdem scheint es in Australien, den USA, Deutschland und Thailand einige Leute zu geben, die sich für die Seite interessieren). Auch fällt auf, dass die veröffentlichten Propagandavideos auch noch hochaktuell sind und sich beispielsweise mit dem Untergang der Cheonan oder der aktuellen Politik der USA und Südkoreas beschäftigen. Die Videos scheinen dem nordkoreanischen Fernsehprogramm entnommen zu sein (daher leider nur koreanisch)

Ob die neue Propagandamaßnahme direkt vom Regime gesteuert wird oder nur in enger Abstimmung mit Pjöngjang stattfindet, weiß ich nicht genau. Dafür spräche, dass die Videos wie gesagt sehr aktuell sind und eine sehr gute Qualität haben, also nicht beispielsweise vom Fernsehen abgefilmt sind. Was mich etwas stutzig macht, ist die Tatsache, dass der User uriminzokkiri als Land „USA“ angegeben hat (sowie die Domain der HP). Allerdings könnte er damit auch versucht haben eine Sperrung des Nutzers durch YouTube zu vermeiden. Was unstrittig ist, ist die Tatsache, dass ihn die mediale Aufmerksamkeit sehr motiviert zu haben scheint. So hat er in den letzten 24 Stunden elf Videos hochgeladen. Aber ist ja auch irgendwie klar. Wenn Nordkorea bis 2012 eine „starke und erfolgreiche Nation“ sein will, heißt das wohl auch, seine Position im Netz an diese Forderungen anzupassen.

Mit dem neuesten Vorstoß im Netz ist Kim Jong Il auch unter Seinesgleichen in guter Gesellschaft. Während es für westliche Staats- und Regierungschefs mittlerweile Usus ist, ständig und auf den verschiedensten Kommunikationswegen Infos ins Netz zu bringen, hat sich auch der eine oder andere Autokrat schon mit den modernen Zeiten befasst. Vor einigen Jahren versuchte sich Mahmud Ahmadinedschad als Blogger, hat es aber mittlerweile leider wieder aufgegeben (ich fand seine Ausführungen, die es auch in Englisch gab, nämlich durchaus unterhaltsam, aber die Seite scheint weg zu sein (besonders schön fand ich die Rubrik „answers to letters of mothers of US-Soldiers“ oder so ähnlich)), vielleicht auch, weil die progressiveren Netznutzer in Iran eher nicht zu seinen Anhängern zählen und es dazu noch Angriffe israelischer Hacker gab (Das Blog ist zwar noch auf der offiziellen Präsidenten Homepage verlinkt, aber nichtmehr zu erreichen). Wesentlich professioneller und sehr zeitgemäß präsentiert sich dagegen Hugo Chavez im Netz. Sein Blog ist mit YouTube und twitter verknüpft und er konnte auch noch einen recht prominenten Gastblogger an Land ziehen, seinen Buddy und Mentor Fidel. Naja, bis zu Hugos ausgefeilter Medienstrategie ist es für die nordkoreanischen PR-Menschen noch ein Stück. Allerdings ist aufgrund ideologischer Unterschiede ein ähnlich personalisiertes Auftreten Kims wohl nicht zu erwarten, schließlich wird er eher als „irgendwie höheres Wesen“ vermarktet und nicht wie Chavez als „einer aus dem Volk“. Naja, ich bin mal gespannt, was sich Kims PR Leute noch so Feines einfallen lassen und wann man sich auf Facebook mit ihm „anfreunden“ kann.

Achja, eh ich es vergesse: In den nächsten Tagen bin ich auch schon wieder weg (Muss Musik hören, wenns geht dieses Mal ohne Regen! (Sieht aber schlecht aus)). Daher bleibt zu hoffen, dass es nichts Wichtiges gibt und bis nächste Woche müsst ihr aktuelle Infos wohl oder übel aus anderen Quellen beziehen.

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