Versucht Nordkorea seine Kreditwürdigkeit aufzupolieren? Mögliche Rückzahlungen an Tschechien und Ungarn

Als vor ein paar Wochen die Meldung publik wurde, Nordkorea wolle einen Teil seiner 10 Millionen US-Dollar schweren bilateralen Schulden mit Tschechien auf dem Wege eines Tauschhandels – mit dem Tauschgut Ginseng – tilgen, da dachte ich, es handle sich mal wieder um eine skurrile aber unbedeutende Episode. Als aber gestern berichtet wurde, dass Nordkorea auch in Ungarn angefragt habe, ob die alten Schulden gegen Zahlung von 10 % der offenen Summe nicht abgeschrieben werden könnten, da dachte ich, dass vielleicht doch etwas mehr dahinter stecken könnte. Zwar liegen die beiden Anfragen zeitlich etwas auseinander, denn diejenige in Ungarn liegt bereits knapp zwei Jahre zurück, allerdings scheint hier ein gewisser Wille Pjöngjangs sichtbar zu werden, sich seiner alten Schulden bei den ehemaligen kommunistischen Bruderstaaten zu entledigen.

Was den möglichen Handel mit Tschechien angeht, besteht in dem Medien noch einige Verwirrung über die Menge zu lieferenden Ginsengs, aber scheinbar hatte Nordkorea ursprünglich angeboten, die gesamten Schulden mit Ginseng auszugleichen. Allerdings hätten 400 Tonnen Ginseng die tschechischen Konsumenten vermutlich allzusehr überfordert, denn der Jahresverbrauch des Landes liegt gerade einmal bei 1,4 Tonnen (Ginseng hilft gegen Lethargie, Impotenz und Senilität: Vielleicht gäbe es einen überraschenden und unglaublichen Produktions- (und Bevölkerungszuwachs) in Tschechien, wenn man versuchen würde das ganze Zeug zu konsumieren…). Möglicherweise hat man sich daraufhin auf die realistischere Menge von 20 Tonnen, oder 5 % der Schulden geeinigt und sucht nach einem adäquaten Tauschgut für die restlichen Schulden, wofür die tschechische Seite Zink vorgeschlagen haben soll (Die Berichte sind hier recht uneinheitlich, aber das ist der sinnvolle Reim, den ich mir darauf gemacht habe). Was den Schuldendienst im Falle Ungarns angeht, so wurde scheinbar eine Barzahlung von 10 % Prozent der Schulden, die noch in Transferrubel bestehen (29,6 Millionen), angeboten. Die Verhandlungen um die Rückzahlung seien weiterhin im Gange, allerdings stelle unter anderem die Umrechnung der (toten) Handelswährung der ehemaligen Ostblockstaaten, noch ein Problem dar.

Ob es sich in den Fällen Tschechiens und Ungarns tatsächlich um den Teil eines Trends handelt, oder ob die Rückzahlung der vergleichsweise geringen Schulden (im Verhältnis zur Gesamtverschuldung von etwa 12 Milliarden US-Dollar) aus anderen Gründen in Angriff genommen wird, ist natürlich nicht vollkommen klar. Allerdings tendiere ich zu ersterer Erklärung und könnte mir gut vorstellen, dass Nordkorea auch an andere „kleinere“ Gläubiger ähnliche „Angebote“ gemacht hat. Die Tilgung einiger weniger Schuldenposten dürften Nordkorea wenig einbringen, außer der Tatsache, dass man weniger Geld (oder Ginseng) zur Verfügung hat und mit dem guten Gewissen ins Bett gehen kann, eine alte Schuld beglichen zu haben. Da es aber mit dem Gewissen bei den Oberen in Pjöngjang vermutlich nicht sehr weit her ist, muss es da noch was Anderes geben. Und da fällt mir nur eins ein: Nordkorea hat Mitte der 1970er Jahre aufgehört, seine Schulden regelgerecht zurückzuzahlen und konnte damit auch keine Neuen mehr aufnehmen. Nach Marcus Noland leistete das Land seit 1990 zwar noch etwa 70 Millionen US-Dollar Schuldendienst im Jahr, bei Gesamtschulden von etwa 12 Milliarden US-Dollar, dürfte das aber noch nicht einmal für die Zinsen ausreichen. Nordkorea könnte jetzt versuchen, seinen Schuldenberg nach und nach abzutragen um so die Möglichkeit zu haben, vielleicht irgendwann wieder Kredite aufzunehmen. Dies könnte nicht zuletzt mit dem großen Jahr zusammenhängen das Nordkorea 2012 bevorsteht. Vielleicht gehört auch dieses Vorgehen zum Versuch der eigenen Wirtschaft wieder Schwung zu verleihen, ähnlich wie die Bemühungen ausländische Investoren an Land zu ziehen und einem möglichen Strategiewechsel hin zu einer „Wirtschaft-zuerst-Politik“.

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