Vom Manövrieren und Reagieren: Wu Daweis Besuch in Pjöngjang

Scheinbar hat China einen neuen Versuch gestartet, Nordkorea an den Tisch der Sechs-Parteien-Gespräche um die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel zurückzuholen. Anders lässt sich der Besuch des chinesischen Topunterhändlers bei diesen Gesprächen, Wu Dawei, in Pjöngjang jedenfalls eigentlich nicht erklären. Wu besuchte Nordkorea vom vergangenen Montag bis Mittwoch und den Berichten von KCNA und Xinhua zufolge ging es um die Sechs-Parteien-Gespräche. In den Zwischentönen klingen die beiden Berichte allerdings etwas unterschiedlich. Von dem „full consensus“ in allen diskutierten Bereichen ist jedenfalls bei Xinhua nichts zu lesen. Aber selbst wenn: Vielmehr als nichts heißt der „full consenus“ ohnehin nicht. Grundsätzliche Bereitschaft zu den Gesprächen zurückzukehren hat Nordkorea ja schon des Öfteren geäußert, nur wurde erwartet, dass die andere Seite zuvor Bedingungen erfüllt. Allerdings dürfte das den Chinesen vorher auch schon bewusst gewesen sein, denn das Nordkorea gerade unter einer aufgebauten Drohkulisse (sowohl Manöver als auch Sanktionsdrohungen) einknicken würde, davon dürfte in Peking niemand ernsthaft ausgegangen sein.

Warum, frage ich mich da, schickte man allerdings dann mit dem Chefunterhändler und Vizeaußenminister einen so hochrangigen Vertreter nach Pjöngjang? So richtig erklären kann ich mir das ehrlich gesagt nicht, aber man könnte es als Signal der Ratlosigkeit Pekings werten. Dort setzt man noch immer auf eine Stabilisierung der Region durch Gespräche und sieht dazu das eigene Baby, die Sechs-Parteien-Gespräche als ideales Vehikel an. Allerdings scheint mindestens Vier der Sechs Parteien die Lust am Reden vergangen zu sein (zumindest in so unübersichtlicher Runde). Wenn Wus Reise also tatsächlich das Ziel gehabt hat, die Sechs-Parteien-Gespräche wieder zum Laufen zu bringen, dann war dies von vorne herein eine Himmelfahrtsmission. Denn während Pjöngjangs Unterhändler vermutlich nichts Neues zu sagen hatten, hat man an der anderen Seite des (ohnehin im Nebel der Erinnerung verschwindenden) Tisches wieder kräftig an dessen Beinen gesägt, sich fürs nächste Manöver bereit gemacht (die müssen ja auch mal übe die Jungs…) und Pjöngjang per reunification-tax-Vorschlag ganz eindeutig signalisiert, dass eine Wiedervereinigung eher einer Übernahme gleichkommen wird. Allerdings dürfte all dies nicht besonders überraschend für Peking gewesen sein, weshalb die Tour vielleicht doch einen tieferliegenden Hintergrund hat. Und da ich mir schlicht und einfach nichts Anderes vorstellen kann schließe ich mich Anderen, dass die Reise auch ein Signal der Unterstützung an Pjöngjang, aber mehr noch ein Zeichen des Missfallens an Seoul und Washington darstellt. China geht das Manövrieren (im fast wahrsten Sinne, besser wäre aber vermutlich „Manövern“, aber das würde wohl nicht Aspekte der Genervtheit wiederspiegeln) der Beiden nämlich auch zunehmend auf die Nerven. Naja und was liegt da näher als die „Freundschaft“ mit Kim und Co. nochmal etwas aufzuwärmen. Denn das zeigt ja nicht nur, dass man Nordkorea weiter wirtschaftlich unterstützen kann, sondern deutet auch auf den ganzen Rattenschwanz von ins-Leere-laufenden-Sanktionen und damit vermutlich scheiternder „strategic patience“ harte-Hand-Politik, der sich aus einer weiteren Annäherung zwischen China und Nordkorea ergeben würde.

Wu Daweis Besuch in Pjöngjang kann man also (muss aber noch lange nicht) als ein unmissverständliches Signal gegenüber den USA und Südkorea sehen, aufzuhören zu nerven und wieder eine konstruktivere Politik einzuschlagen. Was man von Nordkorea zu erwarten hat wusste man wohl schon vorher.

2 Antworten

  1. Ich denke der Dialog wird erst wieder nach dem Ende der Amtszeit der Regierung unter Lee Myung-bak eine Chance haben.Also demnach wohl nicht vor 2013.

    • Erstaunlich, da haben sie den Artikel von Yonhap, über den ich gerade geschrieben habe um einen Tag vorweggenommen. Da steht nämlich in etwas anderen Worten ungefähr das Gleiche drin. Andererseits möchte ich zu bedenken geben: Wer hätte Mitte der 1980er Jahre wohl gedacht, dass Helmut Kohl „Kanzler der Wiedervereinigung“ hätte werden können (Was natürlich nicht unbedingt auf Dialog zurückzuführen war).

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