Halbzeitanalyse: Yonhap lässt Lee Myung-baks erste zweieinhalb Jahre im Bezug auf Nordkorea bewerten

Eben habe ich einen sehr interessanten Artikel gelesen, den Yonhap anlässlich Lee Myung-baks Amtshalbzeit am 25. August veröffentlicht hat. Hierzu wurden sechs Kenner der Materie über ihre Meinungen zu Lee Myung-baks bisheriger Nordkorea-Politik befragt. Yonhap schreibt zusammenfassend, die Meinungen seien geteilt. Dem kann ich nach Lektüre des Artikels allerdings nur teilweise zustimmen.

Einig waren die Experten nämlich darin, dass es unter Lee bisher nur zu einer beständigen Verschlechterung der Beziehungen beider Länder gekommen sei (allerdings sahen einige die Gründe dafür hüben, andere drüben). Irgendwie positiv klingen einzig die Aussagen zweier Experten. Der Publizisten Michael Breen meint, Lee habe einen gesunden Realismus, fast könnte man sagen Zynismus (also die Kombination aus „Gesund“ und“ Zynismus“ muss mir auch erstmal einer erklären) in seiner Wahrnehmung Nordkoreas. Brian Myers nennt Lees Politik zwar eine große Verbesserung gegenüber der seiner Vorgänger, fordert aber auch, dass Südkorea sich an der Ost-Politik der Bundesrepublik Deutschland orientieren solle und Zugeständnisse und Hilfen zwar an Konditionen knüpfen solle, aber im Verborgenen, so dass die Gegenseite ihr Gesicht wahren könne (dass Lee die Gesichtswahrung von Kims Regime irgendwie ins Kalkül gezogen hätte, kann man ihm zumindest bisher allerdings wirklich nicht nachsagen…), was trotz des Vorhandenseins von Konditionalitäten ein grundsätzliches Umschwenken in Lees Politik verlangen würde. Mehrfach wird kritisch angemerkt, dass Südkorea ein Möglichkeitsfenster ungenutzt verstreichen habe lassen, als Pjöngjang im Zuge der Beerdigung Kim Dae-jungs eindeutig Interesse an hochrangigen Gesprächen signalisiert hatte. Andrei Lankov stellt hier einen Zusammenhang zwischen der Frustration über das offen gezeigte Desinteresse Südkoreas und der Versenkung der Cheonan durch Nordkorea (er scheint sich sicher zu sein, dass das so war) her. Generell wird Lees Regierung stark dafür kritisiert, dass Versöhnung komplett von der Agenda verschwunden sei und dass man scheinbar damit rechne, dass Kims Regime sich bald (wirklich bald) von selbst abwickeln würde (wie nachhaltig solche Kalkulationen sind zeigt die Vergangenheit, als man in Südkorea und den USA etwas ähnliches erwarte und sich daher weitergehende strategische Planungen fast komplett sparte (Das ist ja fast das was ich als dumm definieren würde: Es ist nicht dumm einen Fehler zu machen; Dumm ist es ihn zu wiederholen. Aber naja…)). Achja, was die Perspektiven angeht, so sind die Einschätzungen der Experten recht eindeutig: Die zweite Halbzeit dürfte kaum besser werden als die Erste. Na dann mal Prost Mahlzeit…

P.S. Wenn man trotzdem was Positives an den letzten Zweieinhalb Jahren Süd-Nord-Beziehungen finden will, muss man es wohl mit Michael Breen halten. Der sucht danach einfach eher im Bereich der Verfahrensweise, nicht der Ergebnisse:

„When you’re doing something in a relationship, you should not be attached to the outcome.“ he said. „You should just act out of your values, express what you want and let the other party have the freedom to respond. That’s all that can be done.“

„Wen interessieren schon die Ergebnisse, Hauptsache wir haben unseren Werten entsprechend gehandelt unseren Willen ausgedrückt und der anderen Seite die Möglichkeit zum Reagieren gelassen.“ Wenn sein Buch „The Koreans“ mit ähnlich tiefgründigen Weisheiten gefüllt ist, weiß ich was ich in den nächsten hundert Jahren nicht lesen werde!

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