Lee Jae-oh: Ein neuer Name in den innerkoreanischen Beziehungen

Bei der heutigen Anhörung der Minister, die Präsident Lee Myung-bak nach seiner Kabinettsumbildung vom 8. August wurde unter anderem Lee Jae-oh, des Präsidenten neuer „Minister for special affairs“ (wohl ein Euphemismus für „ohne Ressort“) befragt. Schon im Vorfeld hatte es Vermutungen gegeben, Lee Jae-oh könnte eine wichtige Rolle in den innerkoreanischen Beziehungen einnehmen. Dies bestätigte sich während der Befragung als er zu Protokoll gab, er sei bereit eine „inoffizielle“ Rolle bei der Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen zu spielen, ohne jedoch „abnormale“ Kontakte entstehen zu lassen oder außerhalb seiner gesetzlichen Kompetenzen zu agieren. Lee gilt als enger Vertrauter des Präsidenten und soll einen großen Anteil am Sieg bei den Präsidentschaftswahlen gehabt haben, für die er die Wahlkampagne leitete. Wie sich die Arbeit des neuen Ministers (ich vermute einfach mal, dass er angenommen wird) für besondere Angelegenheiten auswirken wird bleibt abzuwarten, allerdings hat der Präsident mit ihm und Hyun In-thaek, dem Vereinigungsminister, nun zwei Köche am Kabinettstisch sitzen, die im gleichen Brei rühren. Ob dies wirklich zu einer Verbesserung der Beziehungen führen kann bleibt fraglich. Allerdings wäre eine Verbesserung bei der harten Linie des Vereinigungsministeriums gegenüber Nordkorea auch nicht zu erwarten. Möglicherweise ist ja auch eine Art „good-cop-bad-cop-Strategie“ möglich. Darauf könnte auch eine Aussage des neuen Ministers hindeuten, die er während der heutigen Anhörung machte. Hier plädierte er nämlich für eine Prüfung der Möglichkeit, die Reislieferung nach Nordkorea wieder aufzunehmen, die seit Amtsantritt Lee Myung-baks ruhten. Damit nahm er eine Position ein, die der der Vereinigungsministeriums widerspricht. Dieses ließ verlauten, dass keine Planungen vorlägen, die Reislieferungen nach Nordkorea wieder aufzunehmen. Scheinbar hat Südkorea sich durch das Ende der Reislieferungen an Nordkorea in eine Art Zwickmühle manövriert. Die Lager sind voller als nötig, damit steigen die Kosten und bald steht auch noch der jährliche Reisankauf des Staates an. Der Vorschlag ist daher nicht gänzlich selbstlos, allerdings widerspricht er wie gesagt der bisherigen Linie der Regierung.

Ob sich mit der Berufung Lee Jae-ohs tatsächlich etwas in den innerkoreanischen Beziehungen bewegen wird bleibt erst einmal offen. Aber den eher versöhnlichen Aussagen des neuen Ministers wird vermutlich auch in Pjöngjang aufmerksam gelauscht. Auch gespannt bin ich, ob es am Ende eine ausgeklügelte Strategie, ein arbeitsteiliges Vorgehen oder eine inkohärente Politik der beiden mit Nordkorea befassten Minister und ihrer Mitarbeiter geben wird. Generell scheint es mir jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung, nicht völlig auf der harten Haltung der letzten Zeit zu beharren.

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