Schwere Überschwemmungen am Yalu: War eine Dammöffnung die Ursache?

Ich habe ja kürzlich schonmal über die Überschwemmungen berichtet, die in mehreren Regionen Nordkoreas schwere Schäden angerichtet haben. Nun ist es am Yalu (Amnok) rund um die Grenzstadt Sinuiju erneut zu einer Flutwelle gekommen. Starke Regenfälle im Nordosten Chinas hatten den Fluss am Samstag extrem anschwelle lassen, so dass in der chinesischen Stadt Dandong ein Wasserstand von über sieben Metern erreicht wurde (normal sind etwa 4,5 Meter). Mittlerweile scheint der Fluss wieder einen annähernd normalen Pegel erreicht zu haben. Während auf der chinesischen Seite über 250.000 Menschen ihre Häuser verlassen mussten wurden Berichten zufolge nur über 5.000 Nordkoreaner evakuiert. Aus Nordkorea wurden bisher keine Todesopfer gemeldet, allerdings seien schwere Schäden an der Infrastruktur festzustellen, der Verkehr in Sinuiju zusammengebrochen und Sinuiju sowie einige umliegende Regionen von der Umgebung abgeschnitten gewesen. Nordkorea (oder der geliebte Führer, wie KCNA schreibt) habe umgehend Notmaßnahmen ergriffen und Militär in die Katastrophenregion entsandt. Chinesischen Angaben zufolge sind Bahn und Straßenverbindungen beider Länder aber weiterhin intakt, auch wenn der Verkehr gedrosselt werden musste.

Dammöffnung als Ursache?

Ausgelöst wurde die Flut laut KCNA dadurch dass:

5,300 cubic meters of water rushed into the River Amnok per second from a river of China, causing the water level of the river to rise suddenly from 0:00 on August 21. As a result, the river swelled in a minute, leaving even Sinuiju City inundated. This paralyzed traffic and did damage to many objects.

In einem Bericht vom Tag zuvor teilte KCNA weiterhin mit, dass die schweren Regenfälle das Gebiet um den Suphung-See getroffen hätten. Der See befindet sich am Mittellauf des Yalu und wurde durch einen Damm aufgestaut, der zur Stromerzeugung dient (hier via GoogleEarth). North Korean Economy Watch schreibt, dass der Damm von Nordkorea und China gemeinsam betrieben wird, das weiß ich aber nicht genau, weil ich sonst dazu nichts gefunden habe. Die Kombination aus den Tatsachen, dass die Regenfälle eine Region trafen, in der sich ein Staudamm befindet und dem plötzlichen An- und Abschwellen des Flusses (und das der Autor des Artikels so ganz genau wusste, wie viel Wasser um Punkt 0:00 Uhr aus dem „Fluss“ in China kam) lassen vermuten, dass die Verantwortlichen (daher wäre es sehr interessant zu wissen, ob beide, oder nur eine Seite verantwortlich ist) gezwungen waren den Damm zu öffnen und damit die Überflutungen am Unterlauf verursacht haben.

Mögliche Folgeschäden

Im Zusammenhang mit den Überflutungen weist Yonhap auf einen interessanten und weiterreichenden Aspekt hin: Im Februar unterzeichneten Nordkorea und China Verträge (immerhin 800 Millionen US-Dollar) über die Entwicklung einer Sonderwirtschaftszone (SWZ) auf den Inseln Wihwa und Hwanggeumpyong, die bei Sinuiju im Yalu liegen. Bisher sei die Entwicklung aber wegen des Misstrauens chinesischer Investoren in die Verlässlichkeit der nordkoreanischen Wirtschaftspolitik kaum voran gekommen (nicht ganz unbegründet wenn man die multiplen Versuche zur Entwicklung der SWZ in Sinuiju betrachtet). Nun würfen die Überschwemmungen einen neuen Schatten auf die SWZ. Die Investoren seien sich hierdurch neuer Risiken für Investitionen auf den Inseln bewusst geworden und dies würde die Chancen auf einen Erfolg der Sinuiju-SWZ erheblich mindern. Die Fluten haben also nicht nur einen direkten, sondern auch einen indirekten Einfluss auf die nordkoreanische Wirtschaft.

Mehr als „nur“ eine Flut

Mal ganz abgesehen von dem menschlichen Leid, dass die Fluten verursachen, steckt in diesem Fall da also noch einiges mehr hinter. Einerseits scheinen die Hydroenergie-Projekte am Oberlauf des Flusses ein beträchtliches Risiko für die wichtigen chinesischen und nordkoreanischen Städte Dandong und Sinuiju darzustellen. Werden die Dämme am Yalu nicht gemeinsam betrieben könnte das einiges Konfliktpotential bergen. Allerdings war zumindest in der China Daily nichts von einem Damm zu lesen, während man in den Nachrichten von KCNA zwischen den Zeilen recht deutlich erkennen konnte, dass nur die Öffnung eines Dammes zu dem plötzlichen Ansteigen und Absinken des Pegels hat führen können ((mäßig) verdeckte Kritik oder Unbedacht des Redakteurs?). Weiterhin könnten diese Fluten neben den kurzfristigen Schäden auch zu Folgeschäden, nämlich einem erneuten Scheitern der Sinuiju-SWZ führen. Aber wie gesagt, im Mittelpunkt stehen erstmal die menschlichen Opfer und da kann ich den Zahlen Nordkoreas nicht so recht trauen, da sie in keiner Relation zu denen Chinas stehen.

Advertisements

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s