Zweifelhafte Ehre für Guido Westerwelle: Stichwortgeber nordkoreanischer Propaganda

Normalerweise ist es für einen Außenminister ja immer ein Erfolg, wenn ihn ausländischen Medien (lobend) erwähnen und Aussagen von ihm als Aufhänger für eine Beitrag nutzen. Einen irgendwie (sehr extrem) faden Beigeschmack bekommt das Ganze allerdings, wenn diese Bezugnahme aus einem Schurkenstaat kommt. So richtig unangenehm dürfte es sein, wenn man als Außenminister, der das (durchaus hehre) Ziel der weltweiten nuklearen Abrüstung verfolgt, in dieser Frage gerade von einem nordkoreanischen Presseorgan zitiert wird. Ebendies ist im Falle Guido Westerwelles geschehen. KCNA hat gestern einen Artikel der Minju Joson, dem Organ des nordkoreanischen Kabinetts, veröffentlicht der folgendermaßen eingeleitet wird:

Some days ago, the foreign minister of Germany called for the complete dismantlement of U.S. nuclear weapons deployed in Europe.

Auf welchen Anlass sich KCNA genau beruft bleibt zwar im Dunkeln, aber vor ein „paar Tagen“ (am 6. August) hatte Westerwelle tatsächlich gefordert:

Wir müssen alles daran setzen, damit eine Welt ohne Atomwaffen nicht nur Vision bleibt, sondern Wirklichkeit wird.

Der letzte Vorstoß hinsichtlich eines Abzuges der US-Atomwaffen aus Deutschland und einer Reduzierung derjenigen in Europa ist schon etwas länger her (wenn man das „Tage“ aus „vor einigen Tagen“ durch „Monate“ ersetzt kommts hin). Aber so genau nimmt mans bei der nordkoreanischen Propaganda mit der Wahrheit ja selten.

Im Weiteren bezieht sich der Artikel dann allerdings nicht mehr auf Westerwelle sondern nimmt die üblichen Formen nordkoreanischer „Berichterstattung“ an. Beispiele:

The nuclear arms race is escalating and the danger of a nuclear war still looming worldwide. This is entirely attributable to the consequences entailed by the U.S. nuclear policy.

U.S. is making a nuclear blackmail.

The U.S. has never given up its wild ambition to stifle the DPRK with nukes.

Bemerkenswert – wenn auch nicht so sehr wie die Einleitung – fand ich den Schluss des Artikels. Was gibt es schöneres, als ausgelutschte aber wohlklingende Phrasen des diplomatischen Sprechs auszupacken? Und „Actions speak louder than words“ ist eine meiner Liebsten (und ist auf ihre Art auch wirksam, denn sie zeigt immer recht deutlich, wenn ein Differenz zwischen Anspruch und Realität besteht).

Da tuen sich ja ganz neue Perspektiven auf für die deutsche Außenpolitik. Glaubt man dem Artikel, liegen die Positionen Nordkoreas und Deutschlands in Bezug auf die nukleare Abrüstung wohl näher zusammen, als die Deutschlands und der USA. Nichtsdestotrotz halte ich eine gemeinsame Initiative für den Rückzug amerikanischer Nuklearwaffen aus Europa und von der Koreanischen Halbinsel vorerst für eher unwahrscheinlich. Einerseits gibt es ja böse Zungen die behaupten, Nordkorea habe ein irgendwie gespaltenes Verhältnis zur Denuklearisierung. Und andererseits stehen auf der Agenda der FDP bzw. der Bundesregierung ja außer Denuklearisierung noch andere Themen. Und dass man sich beispielsweise bei Menschenrechtsfragen ähnlich nahe käme, ist wohl bis auf Weiteres auszuschließen.

Ob sich her Westerwelle nun über seine (unfreiwillige) Funktion als Stichwortgeber nordkoreanischer Propaganda freut oder ärgert dürfte sein Geheimnis bleiben. Jedenfalls ist ihm damit eine „Ehre“ zuteil geworden, die nicht wohl nur wenige westliche Außenminister bisher erlangten.

P.S. Vielleicht habe ich mich über die Wendung „Actions speak louder than words“ auch nur gefreut, weil sie mich an diesen hervorragenden Song erinnert hat, den ich seit Jahren nicht mehr gehört habe (Keine Angst, ich werde jetzt nicht ständig Musik posten, aber in diesem Fall kann ich einfach nicht anders):

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