Immer für eine Überraschung gut! Kim Jong Il besucht erneut China

Immer wieder für eine Überraschung gut, das Regime in Pjöngjang. Medienberichten zufolge ist Kim Jong Il heute Morgen zu einem (wirklich überraschenden) Überraschungsbesuch in China eingetroffen (Zum zweiten Mal dieses Jahr). Leider gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wirklich mehr dazu zu sagen, da selbst diese Information sich auf eine (wie fast immer) ungenannte Quelle stützt. Spekulationen, dass Kim Jong Un, Kim Jong Ils mutmaßlicher Nachfolger, mit seinem Vater reisen könnte sind nicht mehr als solche, auch wenn dies nicht unwahrscheinlich ist. Für mehr Konkretes muss man wohl vorerst abwarten, aber es lassen sich bereits einige interessante Schlüsse ziehen (natürlich nur unter der Bedingung, dass sich die Berichte als zutreffend herausstellen):

Was man aus Kims Reise lernt

China wichtiger als schöne Fotos mit Carter

Kim Jong Il scheinen schöne Fotos mit Jimmy Carter nicht so wichtig zu sein, wie ein Besuch in China. Natürlich sind schöne Fotos nicht das Einzige, das Kim Jong Il durch die Lappen geht. Denn darüber hinaus lässt er auch die Chance links liegen, Carter für mögliche Verständigungsbemühungen einzuspannen. Dies dürfte, auch wenn Carter sich mit anderen hochrangigen Vertretern wie Kim Yong-nam trifft, ein eindeutiges Zeichen für die Präferenz Nordkoreas für eine enge Beziehung mit China vor einer möglichen Verständigung mit den USA. Auch kann die Reise als wichtiges Signal an China gelten, dass man die Beziehungen mit der Volksrepublik am höchsten schätzt. Ich hätte übrigens auch nicht im Geringsten damit gerechnet, dass Kim sich die Chance entgehen lässt. Aber man lernt halt immer dazu…

Deshalb war Wu Dawei in Pjöngjang

Kims Reise bietet auch eine sehr sinnvolle Erklärung für den kürzlich erfolgten Besuch Wu Daweis in Pjöngjang. Der hatte mich ja etwas vor Rätsel gestellt, weil es schwerfiel einen sinnvollen Anlass dafür zu ergründen. Der dürfte dann wohl nicht zuletzt die Vorbereitung von Kims Besuch gewesen sein – geschickt getarnt als Vermittlungsbesuch des Atomunterhändlers.

Chinas Regime hält zusammen und dicht

Das Regime in Pjöngjang ist noch immer in der Lage eine Reise Kim Jong Ils völlig unbemerkt vor den Augen der Welt vorzubereiten, das dürfte auch Rückschlüsse auf Kims Reise Anfang Mai zulassen. Denn dort waren die Medien schon im Vorhinein informiert und warteten auf den Aufbruch Kims. Dieses Mal gab es nicht die geringste „Vorwarnung“. Die relevanten Stellen in Nordkorea scheinen weiter zusammen- und dicht zu halten.

Vermutlich hats mit Kim Jong Un zu tun

In Anbetracht der Tatsache, dass die Reise so kurz vor dem heiß erwarteten Treffen des Politbüros der PdAK kommt, dürften hier Zusammenhänge bestehen. Spekulationen darum, dass Kim Jong Un seinen Vater begleitet halte ich nicht für abwegig. Was sonst könnte Kim zu einer Zeit, in der es auch in Pjöngjang einen wichtigen Gast zu unterhalten gälte in China wollen. Das einzige was eine solche Reise zu diesem Zeitpunkt rechtfertigen kann (mal abgesehen vom zusätzliche Überraschungsmoment) ist die sehr wichtige Aufgabe, den Führern des Patrons seinen Nachfolger vorzustellen.

Die Reihenfolge der politischen Präferenzen Nordkoreas

Insgesamt lassen sich hieraus die politischen Präferenzen Chinas sehr gut ableiten. An erster Stelle kommt die erfolgreiche Nachfolge. Vermutlich war ein Großteil der Aktionen des Regimes in Pjöngjang in den vergangenen Monaten (vielleicht sogar Jahren) mit diesem Faktor eng verknüpft. An zweiter Stelle kommt die erfolgreiche Fortführung und Verfestigung der Beziehungen mit China. Hier scheint man in der jüngsten Vergangenheit recht erfolgreich gewesen zu sein, wenn man beispielsweise die Haltung Chinas zum Untergang der Cheonan betrachtet. Auf diesem wichtigen Prozess scheint man aufbauen zu wollen, um so Zukunftsperspektiven für das Regime zu schaffen. Erst an dritter Stelle kommt eine Verbesserung der Atmosphäre mit den USA und Südkorea. Konkurriert diese Präferenz mit einer der Anderen, wird sie fallen gelassen. Sollte Nordkorea die Cheonan versenkt haben, wäre auch dies ein klarer Beleg für die These, da dies dann vermutlich vor dem Hintergrund der Nachfolge Kim Jong Uns gesehen werden muss. Natürlich sind das nicht alle Punkte die in Nordkorea Politik eine Rolle spielen, aber es sind drei wichtige, für die man Implikationen aus Kims Reise ziehen kann.

Gerade befindet sich das Regime in Pjöngjang in einer hochaktiven Phase und in einer Zeit des Umbruchs. Das bringt Gefahren für die Stabilität mit sich und stellt interessierte Beobachter gleichzeitig vor die Aufgabe, die Schritte des Regimes genauestens im Auge zu behalten.

4 Antworten

  1. Das man Carter dermaßen linksliegen lässt, auch medial, damit hätte ich jetzt auch nicht gerechnet.Nichtmal im nordkoreanischen Fernsehen wurde der Carter-Besuch erwähnt, stattdessen gab es mal wieder eine Vor-Ort Anleitung Kims zusehen.Und es wurde über den ICE-Unfall in Deutschland von letzter Woche berichtet.Wer weiss, in Nordkorea brauchen Meldungen ja bekanntlich immer etwas länger bis sie letztlich in den Äther gelangen.Vielleicht kommt ja noch in den nächsten Tagen etwas über den Carter-Besuch.

    • Mittlerweile hat KCNA Carters Besuch abgedeckt. Das war ja eigentlich recht schnell und auch folgerichtig, denn damit kann man ein bisschen Druck auf die US-Regierung machen. Ich bin gespannt was Carter später sagt, wenn er wieder daheim ist.

      • Ja das könnte noch interessant werden.Und auch das was der Gomes zu sagen haben wird.Obwohl ich mir hierbei gut vorstellen kann das man in diesem Zusammenhang eine „Schweigefrist“ vereinbart hat.

        • Das stimmt allerdings. Wenn ichs mir so recht überlege wird wohl ohnehin keiner was wirkliches sagen, ehe nicht die Regierung die Informationen ausgewertet und ihr OK gegeben hat.

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