Noch mehr Reiseberichte zu Nordkorea — oder: Wie sich die Wahrnehmungen unterscheiden

Wie sich die Eindrücke doch unterscheiden. Erstaunlicherweise wurde gestern nämlich ein weiterer Reisebericht ins Netz gestellt, der ebenfalls auf deutscher Sprache die Wahrnehmungen einer Touristin bei ihrem Besuch des Landes schildert. Nur hat die Frau die diesen Bericht verfasst hat nahezu alles ganz anders empfunden, als der Autor des Berichtes, den ich hier gestern hochgeladen habe. Vor allen Dingen interessant finde ich dabei, dass einige Vorgänge und Umstände von beiden beschrieben wurden, wie beispielsweise die Verbeugung vor der Statue Kim Il Sungs, oder die relativ leeren Straßen in Pjöngjang, und dass diese ganz unterschiedliche Gefühle und Gedanken in den Autoren ausgelöst haben. Wahrscheinlich ist es einfach unmöglich, dass zwei Menschen das Gleiche erleben…

Naja und weil ich schonmal dran bin mit Reisebericht möchte ich euch auch den sehr umfangreichen englischsprachigen Bericht des britischen klassischen Gitarristen Jason Carter nicht vorenthalten. Der Bericht ist zwar schon drei Jahre alt, ich habe ihn aber erst vor kurzem gefunden und er ist vor allem deshalb interessant, weil Carter nicht als Tourist, sondern als Künstler nach Nordkorea einreiste. So beschreibt er nicht nur die Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse auf der Reise, sondern auch den oft schwierigen, teilweise aber auch kuriosen Umgang mit den Behörden und Offiziellen des Landes im Zusammenhang mit seinem Auftritt beim Frühlingsfestival in Pjöngjang. Auch dieser Bericht zeichnet wieder ein etwas anderes Bild des Landes zwischen bürokratischen Mühlen und menschlichen Kontakten.

Es ist schon erstaunlich wie unterschiedlich das ist, was bei einer Reise nach Nordkorea wahrgenommen und empfunden wird. Aber diese Wahrnehmung hilft vermutlich auch etwas, sich dem Land anzunähern und es zu verstehen. Die eine Wahrheit gibt es wohl nicht. Alle Berichte die man so zu lesen bekommt sind Puzzelteile der Realität. Will man sich dieser annähern, muss man die Teile irgendwie zusammenbringen und sich ein möglichst umfassendes Bild machen. Denn eins ist klar. Sowohl Reiseberichte als auch Medienberichte sind durch mindestens einen Filter (die subjektive Wahrnehmung) gelaufen, der Details aus dem Bericht ausschließt und gewichtet.

Weitere Reiseberichte könnt ihr in der Kategorie „Reiseberichte“ finden.

5 Antworten

  1. Hallo Tobias,
    ich habe mir mal den Reisebericht von Volker Müller durchgelesen…
    Nun ja, auf der zweiten Seite hatte ich das Gefühl, diese Darstellung des Landes schon mal irgendwo gelesen zu haben. Das erinnert doch vom der Grundtendenz her, stark an Luise Rinser und die war, bezüglich ihrer Aussagen, auch schon schwer zu ertragen.

    http://www.flickr.com/groups/dprk/pool/

    oben rechts auf Diashow klicken, sich Zeit (und ein Glas Wein..) nehmen
    und sich ein Bild machen…
    Gruß Micha….

    ps. Deine Magisterarbeit lässt sich gut lesen, bin aber noch nicht durch…

    • Hier möchte ich auf Werners Kommentar oben verweisen: Natürlich sind die Reiseberichte die man zu lesen bekommt nur subjektive Meinungen, nicht mehr und nicht weniger. Allerdings war ich noch nicht dort und kann mir deswegen keinen eigenen Eindruck verschaffen. Da die Medien im Bezug auf Nordkorea definitiv nicht immer objektiv berichten (bzw. es oft noch nicht einmal versuchen) muss man (so sehe ich das jedenfalls) versuchen seine Infos aus möglichst vielen Quellen zu ziehen. Die versuche ich anzubieten und traue meinen Lesern zu, dass sie sich selbst ein Bild daraus zusammenbauen. Wahrheiten gibt es ja eigentlich nie, aber Annäherung und je breiter die Datenbasis wird, desto eher kann man sich nähern.
      Danke für den Link. Da gibts echt viele beeindruckende Bilder. Ich hab zwar gelegentlich bei Flickr geguckt, kannte aber diese Gruppe nicht. Vielleicht kann ich gelegentlich welche davon (wenn gut lizensiert) hier nutzen.

      Jaja, ich weiß, die Arbeit hat so ihre Längen, aber da kommt man eben nicht drumrum….

  2. Danke für den Kommentar und das verlinken und vergleichen der beiden Reiseberichte. Finden wir sehr gut und wichtig!

    • Da kann ich nur sage: Danke für den Bericht. Immer gut persönliche Eindrücke und Schilderungen aus Nordkorea zu finden, die verlinke ich immer gern.

      • Der eine ist fußballverrückt , der andere haßt diesen Sport; der eine liebt Opermusik, der andere kann dieses „Gejaule“ nicht hören, dem einen schlägt das Herz beim Anblick im Gleichschritt marschierender Kolonnen höher, dem anderen graut davor; der eine liebt Kimchi, der andere verschmäht diese Köstlichkeit …
        Meinungen und Geschmäcker sind verschieden — und das ist gut so !

        Bei beiden verlinkten Reiseberichten finde ich bedenklich, dass sie einem „mit der Wahrheit“ drohen:
        die Dame droht zu Beginn ihres Berichtes „mit der Wahrheit über den Koreakrieg“.

        Der männliche Nordkoreareisende schreibt gegen Ende seines Reiseberichtes: „Die Wahrheit über Korea zu berichten, … dazu dient auch dieser Bericht.“

        Aus privaten Meinungen und Überzeugungen die allgemeingültige Wahrheit zu konstruieren … ?

        Ich fasse beide Reiseberichte halt „nur“ als ihre persönlichen Erfahrungen, Meinungen und Einschätzungen auf und verzichte dabei auf die mitangebotene „Wahrheit“.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

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