Die perfekte Schlammkugel: Bloomberg wirft Rupert Murdoch Nordkorea an den Kopf!

In den USA schwappt gerade eine Art Skandälchen durch die Medien und Blogs, das ich eigentlich nicht so ganz nachvollziehen kann, aber schon irgendwie lustig finde. Grob gesagt geht es um den australischen Medienmogul Rupert Murdoch und sein Medienimperium News Corp, zu dessen Herzstücken 20th Century Fox und die Fox Broadcasting Company gehören. Nordkoreanische Computerspielentwickler sollen für die News Corp zwei Handyspielapplikationen entwickelt haben, die auf den Filmen „The Big Lebowski“ und „Men in black“ basieren. Grundsätzlich ist an diesem Sachverhalt zumindest rechtlich nichts auszusetzen, da solche Geschäfte nicht unter das bestehende Sanktionsregime gegenüber Nordkorea fallen. Was die Sache dann allerdings doch interessant macht ist die Tatsache, dass die Hauptrollen von Nordkorea und Rupert Murdoch gespielt werden. Dieser gilt als sehr konservativ und sein Sender Fox News tat sich beispielsweise vor und während des Irak Kriegs als Scharfmacher hervor und auch im Bezug auf Iran und Nordkorea kann man dort immer wieder Berichterstattung sehen, die (mehr oder weniger) böswillige Menschen leicht als Kriegstreiberei (oder zumindest als Vorstufe dazu) wahrnehmen könnten. Tja und dass eben dieser stramm konservative Murdoch Geschäfte mit einem Schurkenstaat wie Nordkorea machte führte zu einem Artikel von Bloomberg, der unter dem durchaus humorvollen (wer „The Big Lebowski“ gesehen hat weiß warum) Titel „Kim Bowled for Murdoch’s Dollars With Korean Games“  veröffentlicht wurde und beispielsweise bei der Huffington Post mit weniger humorvollem Titel aber dafür schön reißerisch („Rupert Murdoch Reportedly Funds North Korean Regime„) und einigem Hohn rezipiert wurde.

Die (kurze) Story

Die Story an sich ist schnell erzählt: Programmierer der nordkoreanischen General Federation of Science and Technology haben nach Aussagen zweier leitender Angestellter der Nosotek Joint Venture Company (ihr erinnert euch? Die wurde hier in anderem Zusammenhang schonmal erwähnt) im Jahr 2007 zwei Handygames für Murdochs News Corp programmiert. Das wars! Man weiß nichts über Details und natürlich nicht wieviel Geld geflossen ist (aber besonders viel, selbst für nordkoreanische Maßstäbe dürfte es wohl nicht gewesen sein).

…und ihre Untermalung

Da aber eine so kurze Story nicht besonders spektakulär ist, hat man das Ganze noch mit den üblichen Erzählungen über Cyber-Kriegführung (Durch erfolgreiche Tätigkeit auf dem Software-Markt verbessern sich die Fähigkeit nordkoreanischer Programmierer, die könnten dadurch bald auch als gefährliche Netz-Soldaten die USA und Südkorea angreifen. Ich kenne mich nicht so besonders gut aus, aber das hört sich für mich an, als würde man sagen, dass alle LKW-Fahrer bei Bedarf auch sofort eine Panzerarmee steuern könnten oder so) und darüber, dass jegliche Geschäfte mit Nordkorea Kims Regime am Leben erhalten würden, weil sie die Politik der US-Regierung unterlaufen. Ausgiebig wird in dem Artikel auch Volker Eloesser, der Gründer von Nosotek, zitiert. Der versucht aber eher Werbung für seine Firma und Investitionen in Nordkorea machen zu wollen.

Warum das Ganze?

Das alles ist ja schön und gut und irgendwie kann man es ja auch kurios finden, dass Geld aus den Kassen von Murdochs Imperium nach Nordkorea fließt. Aber da eine Story à la „wegen Rupert Murdoch überlebt Kims Regime und wird uns wohl bald mit einer hochgerüsteten Hackerbrigade (ich liebe dieses herrlich dämliche Wort) angreifen“ draus zu machen finde ich dann doch etwas naja, übertrieben. Um ein bisschen hinter diese zusammengeschusterte Geschichte zu gucken ist die Frage vielleicht angebracht, wo sie herkommt: Bloomberg, die Mediengruppe des Milliardärs und Bürgermeisters von New York, den man eher als progressiv beschreiben kann, ist einer der wichtigen Konkurrenten von Murdochs News Corp. Und was liegt da näher, die Konkurrenzfirma ein bisschen mit Hohn und Spott zu übergießen und zu schauen, ob man das konservative Image Murdochs nicht etwas beschädigen kann.

Unkonventionelles Marketing

Was Volker Eloesser in der ganzen Story zu suche hat ist mir ein bisschen schleierhaft, denn eigentlich widerspricht er in seinen Aussagen dem Grundtenor des Artikels. Für ihn ist das allerdings ne gute Sache, denn es gibt wohl kaum bessere Werbung für seine Firma, als bei Bloomberg genannt zu werden und damit bei potentiellen Geschäftsinteressenten bekannter zu werden und dazu gibt man vielleicht auch mal gerne ein paar Geschäftsgeheimnisse preis, die Murdoch sicher gerne für sich behalten hätte (obwohl er vermutlich von dem Geschäft garnichts wusste). Wohl eine Art Marketing auf Kosten Murdochs. Und Bloomberg musste ihn wohl zitieren, da die Infos ja aus seiner Firma kamen.

Ein Spiegel für Murdochs „Doppelmoral“

Und Nordkorea? Naja, Nordkorea hat eigentlich garnichts mit der Geschichte zu tun, außer dass es hier als die Ausgeburt des Bösen und als Spiegel für Murdochs „Doppelmoral“ dienen soll. Währen stattdessen Geschäfte zwischen News Corp und Iran oder Myanmar ans Licht gekommen, hätte der Artikel wohl ziemlich ähnlich ausgesehen. Grundsätzlich hat Nordkorea dieses Mal wohl nichts Falsches oder Schlechtes Getan, es wurde nur von Bloomberg als Schlammkugel genutzt, die man dem Konkurrenten an den Kopf schleuderte.

Von gedankenlosen Autoren und bedenklichem Subtext

Zum Abschluss möchte ich noch etwas erwähnen, dass mir aufgefallen ist, weil der Artikel es wie selbstverständlich im Subtext transportierte, ohne dass sich der Autor darüber Gedanken gemacht zu haben scheint. Die Art in der der Artikel aufgemacht ist sagt: „Es ist schlecht mit Nordkorea Geschäfte zu machen, auch wenn sie erlaubt sind.“ Zu einer Aussage wie „Any sort of transaction that gives cash to the North Korean government works against U.S. policy“ muss man eigentlich wohl nichts mehr mehr sagen. Wer Geschäfte mit dem Land macht ist unpatriotisch. Generell muss natürlich ein Weg gesucht werden, um Kims Regime ein Ende zu setzen. Aber dass das totale Zugrunderichten der Wirtschaft (und sich entwickelnder Zweige) in Form eines absoluten Wirtschaftsembargos (was der Text (wie gesagt vermutlich aus Gedankenlosigkeit und weil es dem Autor eigentlich nur um Murdoch geht) nicht unbedingt der beste (vermutlich sogar einer der Schlechtesten) Weg ist einem Regime ein Ende zu setzen und dass ein solches Vorgehen am Meisten die trifft, die nichts damit zu tun haben, das haben schon genug Beispiele belegt (Irak und Kuba beispielsweise). Denkt man die Aussagen weiter, so dürfte wohl keine US-Firma mehr Geschäfte mit Staaten machen, die unter irgendwelchen Sanktionen der USA stehen und es ergäbe sich ein feiner Automatismus. Ob sich andere Investoren von der Indiskretion Seites Nosotek oder dem Medienecho auf Murdochs Geschäfte werden abschrecken lassen ist bleibt offen, aber da es ja genug Firmen gibt, die sich selbst von UN-Sanktionen nicht abschrecken lassen, dürfte Nosotek, wenn künftig wieder diskreter, wohl auch in Zukunft gute Geschäfte machen.

Eine Antwort

  1. Die beiden Spiele sind von Ojom, einer Tochterfirma von Jamba veröffentlicht worden. Dämmert Euch bei dem Namen Jamba etwas?

    Das sind nämlich die, die auf den Musiksendern tagein tagaus Klingeltonwerbung spielen und Jugendlichen mit „Spar-Abos“ das Taschengeld von der Prepaid-Karte abluchsen.

    Wenn Herr Murdoch als unmoralischer Mensch dargestellt werden soll, könnte auch dieses als gutes Beispiel dienen.

    Was lernen wir? Bei einem guten Geschäft sind alle Mittel recht!

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