Rüdiger Frank zur Parteikonferenz und der möglichen Position Kim Jong Uns im nordkoreanischen Regime

Gestern Abend habe ich zufällig ein sehr interessantes Interview der Deutschen Welle mit Rüdiger Frank gehört (Das Interview fängt im Podcast etwa bei 4 Minuten und 10 Sekunden an). Dabei ging es hauptsächlich um die bevorstehende (oder gerade stattfindenden) Parteikonferenz der PdAK (zu dem Begriff und seiner Abgrenzung gab es kürzlich einen sehr informativen Artikel von Andrei Lankov in der Korea Times) in dessen Zuge viele Beobachter erwarten, dass Kim Jong Un, der vermutete Nachfolger Kim Jong Ils ans Licht der Öffentlichkeit tritt. Professor Frank hat bei dem Interview einige meiner Meinung nach sehr interessante Punkte in die Diskussion eingeführt, die vor lauter Kim Jong Un Gerede und Spekuliererei kaum beachtet wurden (auch von mir nicht).

Er stellt die Frage nach der „Funktion“, die Kim Jong Un in Nordkoreas Ideologie und Propaganda einnehmen könnten. Während vor allem Kim Il Sung und Kim Jong Il (aber auch Kim Jong Suk) feste Positionen in der Ideologie einnähmen, wäre für Kim Jong Un kaum ein Platz vorstellbar, so dass Rüdiger Frank aus Sicht des Regimes eher eine kollektive Führung als rational sähe, die zwar eine Führungsfigur haben könnte, aber eben keine ideologisch erhöhte. Auch ansonsten liefert das Interview einige interessante Standpunkte, aber am besten ihr hört es euch selbst an (ihr könnt es auch nachlesen, aber beim Durchlesen ist mir aufgefallen, dass bei der Transkription einiges verloren ging. Zum Beispiel die schöne Bezeichnung „Kim Il Sung und sein Prophet Kim Jong Il, die er später nochmal näher ausführt.).

Bei der Suche nach dem Interview hab ich auch noch ein aktuelles Gespräch mit dem internationalen Sender Russlands gefunden, dass einen eher allgemeinen Ausblick auf die aktuelle Situation Nordkoreas gibt und das – auch wenn es nicht viel Neues gibt – trotzdem interessant anzuschauen ist.

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6 Antworten

  1. Die Medien-Sterndeuter glauben ja auch nicht, dass ein eventueller Kim III, sofort zum Generalsekretär der Partei der Arbeit ernannt wurde. Aber eine offizielle Verkündung der Verleihung des Titels eines alternierenden Mitgliedes des Politbüros oder der Posten eines Vize-Abteilungsleiters im Sicherheitsministerium würde manchen vielleicht doch an Ähnlichkeiten mit der Karriere von Kim II. erinnern. Man würde dann Kim III. sicher auch zwei Dezennien zur Erlernung des Führerhandwerks zugestehen.
    Eine Frage noch:
    Welche Aufgabe(n) könnten(n) das sein, (du schreibst oben): „… das lebenswerk (von Kim Il Sung) zu vollenden …“ ?

  2. ..also es ist schon frappierend mit welcher sicherheit westl. medien davon ausgehen, dass kim jung un der „nachfolger“ von kim jong il sein wird. Bisher gibt es ( wenn man sich die mühe der objektivität macht ) keinerlei hinweise NKs,dass es eine „erbliche“ nachfolgeregelung geben wird. Ich lehn mich hier mal gern ein bisschen weit aus dem fenster und sag mal: es wird einen dritten Großen Führer nicht geben ! Das kollidiert zwar mit der Nk theorie von der „rolle des Führers in der revolution“ aber: kim jong Il ist nur deshalb nachfolger Kim Il sungs geworden, weil kim Il sung unter ganz konkreten historischen bedingungen davon überzeugt war, dass sein sohn am besten geeignet sei, sein „lebenswerk“ zu vollenden. Wenn es es eine rote dynastische erbfolge gäbe, wäre wohl der halodri kim Jong Nam eigentl ja wohl erster kandidant. Aber so bescheuert ist Kim jong il nun nicht, um zu sehen , dass es mit dem nun wirkl nicht geht : also nix da von wegen roter dynastie.
    Ich sag nicht, dass kim jong un es nun von vornherein nicht wird – aber wenn, dann nur, weil er die absoluten fähigkeiten dazu mit brächte – davon ist im moment aber null komma nix zu sehn… -und so einfach ist es nun auch wieder nicht der NK bevölkerung einfach mal so aus dem nichts eine neuen „führer“ aufs auge zu drücken. Wer sich in der Nk geschichte ein bisschen aus kennt, der weiss das es über 20 jahre gebraucht hat, kim jong il als 2. „Führer“ aufzubauen – also von wegen mal nen parteikongress einberufen und den neuen Führer verkünden… – ich glaub’s nicht….

  3. Die Frage stellte ich mir nämlich, weil über Un’s „Funktion“ spekuliert wird. Ich könnte mir vorstellen das Kim Jong Un jetzt ins Licht gestellt wird und für die Bevölkerung jetzt die Zeit der „Wundermeldungen“ über Kim Jong Un angebrochen ist. Fragen wird eh kaum jemand stellen. Diejenigen die fragen könnten, oder/und eine höhere Position in der Partei einnehmen, werden nicht fragen, um ihre Position nicht zu gefährden (oder um nicht in einen „Autounfall verwickelt zu werden…).
    Blöd wenn Kim Jong Il stirbt, bevor der Sohn aufgebaut ist…
    Dann wird es spannend. Ansonsten rechne ich nicht mit Spannungen…

    • Ich habe eben versucht mich ein bisschen da reinzulesen, ich hatte das zwar schonal irgendwo gesehen, aber wusste es nicht mehr genau. In die Politik eingeführt wurde Kim Jong Il 1980, als er beim sechsten Parteikongress der PdAK erstmals in Erscheinung trat. In den 80ern hat er scheinbar die Alltagsregierungsgeschäfte geführt und 1990 wurde er zum Vizevorsitzenden der nationalen Verteidigungskommission, die ja dann später zu einem entscheidenden Vehikel seiner Machtausübung wurde. Scheinbar fand er in den 1980er Jahren auch schon Erwähnung in den nordkoreanischen Medien (1992 scheint er auch schon seinen „Kosenamen“ „Dear Leader“ gehabt zu haben. Außerdem wurde er in den frühen Jahren seiner Vorbereitung scheinbar oft in den Medien als „Zentrum der Partei“, ohne dass er direkt benannt wurde, bezeichnet), aber es fand noch keine intensive Legendenbildung und kein Personenkult um ihn statt. Dadurch waren sich auch Beobachter nicht wirklich klar ob er sich die Legitimität aufbauen könnte um die Macht zu übernehmen. Nach dem Tod seines Vaters begann er aber sehr schnell das nachzuholen und es wurden die entsprechenden Legenden entwickelt. Er entwickelte durch seine Songun-Politik die Juche-Ideologie weiter und bekam auch so weiteres ideologisches Gewicht. Wenn sich die Dinge also Synonym entwickeln würden, was ich aber nicht glaube, da Kim Jong Un weniger Zeit hat sich vorzubereiten, würde es vorerst keine Legendenbildung geben. Allerdings kann ich mir aus dem genannten Grund vorstellen, dass es noch zu Lebzeiten Kim Jong Ils zu einer propagandistischen Erhöhung des Jungen kommen könnte, aber wissen kann man es nie.
      Zwei interessante Texte: Kongdan Oh: North Korea in the 1990s: Implications for the Future of the US-South Korea Security Alliance, 1992 Die Phase als Oh den Text geschrieben hat war sehr ähnlich der heutigen in Nordkorea. Der alte Führer hatte nicht mehr lange und der Junge stand zwar in den Startlöchern, aber man wusste nicht wirklich was kommen würde. Die Diskussion um Kims Legitimität ähnelt sehr derjenigen heute. Wirklich sehr empfehlenswert und natürlich gibts auch einige Infos zu Kim Jong Ils Werdegang.
      Alexandre Y. Manourov: In search of an new Identity: Revival of transitional politics and modernisation in Post Kim Il Sung North Korea, 1995 Auch eine interessante Zeit, denn auch 1995 war alles andere als klar, ob Kim Jong Il es schaffen würde auf seinen Vater zu folgen. Allerdings war klar, dass er daran arbeitete. Hier finde ich die Diskussion um die Möglichkeit einer kollektiven Führung sehr interessant, dass hört man heute ja auch wieder sehr oft. Außerdem interessant mehr über den Hintergrund Hwang Jang-jops zu erfahren. Der scheint sich in dieser Zeit Kim Jong Ils Nachfolge in Teilen entgegengestellt zu haben und für eine unveränderte Fortführung der Juche Ideologie Kim Il Sungs plädiert zu haben.

      In beiden Texten lassen sich wirklich jede Menge Parallelen zur heutigen Situation finden und sie sind deshalb wirklich sehr lesenswert.

  4. würde mich auch mal interessieren. so wie ich das verstanden habe, ging die glorifizierung seiner person erst los als klar war, dass er seinen vater beerben wird.

  5. Hallo zusammen,
    da ich es wirklich nicht genau weiß, frage ich doch mal nach der Rolle Kim Jong Il’s als sein Vater noch lebte. Als Kim Jong Il noch am Anfang seiner Laufbahn war. War er, bevor er ein Amt übernahm, schon präsent? Wusste die Öffentlichkeit schon von seiner Herrlichkeit und Glorie oder wurden die Legenden um ihn erst gesponnen als er im politischen Bewusstsein der Bevölkerung auftauchte?

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