Rechnung mit vielen Unbekannten: Experten versuchen sich an den Kosten für Koreas Wiedervereinigung

Eine Wiedervereinigung der beiden Koreas wird innerhalb der nächsten 30 Jahre stattfinden und wesentlich teurer werden, als die deutsche Einheit. Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage der Federation of Korean Industries (FKI), dem größten Interessenverband der südkoreanischen Wirtschaft, unter 20 Experten (leider steht in dem Artikel nicht  so genau, was das für Experten waren).

Yonhap zufolge sollen 63 Prozent der Experten (ich hab mich kurz gefragt, wie man bei 20 Experten auf 63 % der Antworten kommt, aber vermutlich war einer so souverän einzugestehen, dass die Frage nicht zu beantworten ist) sich dahingehend geäußert haben, dass sie die Kosten einer Wiedervereinigung der beiden Koreas auf etwa 3 Billionen US-Dollar (etwa 2,36 Billionen Euro) schätzen, die Kosten der deutschen Wiedervereinigung werden – wenn auch noch immer steigend – bei etwa 1,6 Billionen Euro taxiert. Keiner der Experten erwartet eine Wiedervereinigung innerhalb der nächsten 5 Jahre, aber 19 der 20 Fachleute rechnen noch vor 2040 mit einem solchen Ereignis.

Die Umfrage dürfte inspiriert worden sein von Lee Myung-baks Vorschlag, eine Vereinigungssteuer einzuführen. Während man die Beschäftigung mit einer Wiedervereinigung grundsätzlich keine schlechte Sache ist, hatte Lee seinen Vorschlag etwas unglücklich kommuniziert (ob gewollt oder ungewollt sei mal dahingestellt), so dass er hauptsächlich als Konfrontationszeichen an Nordkorea angesehen werden kann. Aber wie gesagt, es war lange an der Zeit, dass man in Südkorea eine ernsthafte Diskussion um ein mögliches Vorgehen bei einer Wiedervereinigung beginnt, denn wie schnell sowas gehen kann haben wir in Deutschland erlebt und dass die Kosten recht schnell explodieren, wenn man von einem solchen Ereignis unvorbereitet getroffen wird, ist auch zu erwarten. Ob die Einschätzung der Kosten durch die Experten so hinkommt ist fraglich, aber ich würde mal sagen, dass eine ernsthafte Abschätzung einfach unmöglich ist. Ein solch weitreichender Prozess wie die Vereinigung zweier Staaten wird zu so vielen unvorhersehbaren Entwicklungen führen, dass nur sehr sehr grobe Schätzungen möglich sein werden. Ich glaube, dass eine Wiedervereinigung für den Süden eine extreme Bürde wäre, bei der es fraglich ist, ob sie allein geschultert werden kann. Auch für die relativ junge Demokratie in Südkorea dürfte das für einige schwierige Jahre bedeuten. Aber wie gesagt: Seriöse Szenarien für eine Wiedervereinigung kann man kaum erstellen, weil die Zahl der Unbekannten sehr groß ist. Nur eins ist sicher: Das wird teuer!

3 Antworten

  1. Du schreibst:
    „(ich hab mich kurz gefragt, wie man bei 20 Experten auf 63 % der Antworten kommt, aber vermutlich war einer so souverän einzugestehen, dass die Frage nicht zu beantworten ist)“

    und beantwortest das selbst im Text:
    „19 der 20 Fachleute rechnen noch vor 2040 mit einem solchen Ereignis“

    Der eine glaubt wohl nicht daran, dass eine Wiedervereinigung in diesem Zeitraum möglich ist und sieht eine Kostenschätzung dann wohl als unseriös an.

  2. Eine grundlegende Frage ist doch auch, welches System der wiedervereinigte koreanische Staat haben soll. Im Falle von Deutschland war es klar, dass die DDR der BRD eingegliedert wird. Im Falle Korea, wenn ich es richtig ueberschaue, ist es doch der Norden, der eine Wiedervereinigung mit dem Sueden moechte – natuerlich unter Beibehaltung der fortschrittlichen Juche-Ideologie. Auch wenn das der Rest der Welt etwas anders sieht… und der Sueden das wirtschaftlich erfolgreichere System aufweist. Ich denke, eine Eingliederung des Nordens in den Sueden, vergleichbar der Eingliederung der DDR in die BRD, wird der Norden nicht so einfach mit sich machen lassen. Da muesste vorher das Regime gekippt werden, oder aber die Leute auf die Barrikaden gehen – was aber m.E. nicht passieren kann, da die Menschen dort auf Grund der Isolation tatsaechlich denken, ihr System sei das Bessere und Fortschrittlichere…. Bevor sich der Sueden den Norden „einverleiben“ kann, muss im Norden erstmal mit der Geschichte aufgeraeumt werden, den Menschen eine objektives Bild gegeben werden – und das sehe ich noch lange nicht.

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