Mehr Gesprächsbereitschaft aus den USA? Gouverneur Bill Richardsons Berater in Pjöngjang

Eine kleine Meldung vom Donnerstag hat meine Aufmerksamkeit erregt, weil sie einerseits schwer einzuordnen ist, andererseits aber als weiteres Signal für einen Wandel der US Politik gegenüber Nordkorea gesehen werden kann. Tony Namgoong (manchmal wird der Nachname auch Namboong oder Namkung geschrieben, man kann sich wohl was aussuchen) Topberater von Bill Richardson, dem Gouverneur des US Bundesstaats New Mexiko, ist einer Mitteilung von KCNA (via Yonhap, ich habs bei KCNA nicht gefunden) zufolge am Donnerstag in Pjöngjang eingetroffen. Was genau er dort tut wurde weder von KCNA noch aus dem Büro Richardsons erklärt.

Bekannt ist allerdings, dass Namgoong gute Kontakte nach Nordkorea hat. Von diesen profitierte auch Richardson, der in der Vergangenheit wiederholt als Vermittler in den Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea in Erscheinung trat. Zuletzt reiste er 2007 nach Nordkorea um über die Bergung und Überführung der sterblichen Überreste von im Koreakrieg gefallenen US-Soldaten in Nordkorea zu verhandeln. Auch als Vermittler im Fall der beiden Journalistinnen Ling und Lee bot er sich 2009 an, allerdings entschied sich die US Regierung damals ja bekanntlich für Bill Clinton, der als Ex-Präsident zwar eine höhere Bekanntheit hatte, gleichzeitig aber nicht mehr in der Politik aktiv war. Im Juli diesen Jahres soll die nordkoreanische Führung Richardson eingeladen haben um mit ihm über den Untergang der Cheonan zu sprechen. (Seine guten Kontakte nach Nordkorea machen ihn zu einer beliebten Hassfigur konservativer Blogger. „One Free Korea“ benennt ihn beispielsweise konsequent, aber durchaus witzig mit „Kim Jong Bill Richardson“). Jedenfalls ist Richardsons Berater nun nach Nordkorea geflogen und wie immer dürfte er das wohl kaum getan haben, ohne vorher ein Ok von ganz oben dafür bekommen zu haben. Bleibt wie gesagt nur noch die Frage, was er dort macht. Spektakulär wäre natürlich, wenn er tatsächlich eine Reise Richardsons vorbereiten würde. Fraglich ist allerdings, ob KCNA in diesem Fall seinen Besuch überhaupt melden würde. Eine andere Möglichkeit ist, dass Namgoong als Vermittler mit niedrigem Profil unterwegs ist. Dies würde auch recht gut mit Berichten zusammenpassen, nach denen Charles Pritchard, ein ehemaliger Sondergesandter der USA für Nordkorea, plant im Oktober dorthin zu reisen und Susan Shirk, eine ehemalige Mitarbeiterin des State Department (deputy assistant secretary), am Donnerstag von einer sechstägigen Reise aus Nordkorea zurückgekehrt ist. Das können natürlich auch Zufälle sein, aber es ist definitiv eine auffällige Häufung von Besuchen von Leuten mit guten Kontakten zur US-Regierung. Könnte also sein, dass da hinter den Kulissen etwas Größeres vorbereitet wird.

Unabhängig davon ob das der Fall ist oder nicht: Allein die Tatsache, dass Namgoong nach Pjöngjang reisen darf dürfte einen Wandel der US Politik hin zu mehr Gesprächsbereitschaft signalisieren und die unselige Zeit der „strategic patience“ (auf Deutsch: strategisches Nichtstun) beenden.

2 Antworten

  1. Betreffend der originalen KCNA-Quelle zu Namkungs Nordkorea-Reise: “ … ich habs bei KCNA nicht gefunden …“

    Die (englischsprachigen) KCNA-News berichteten schon über die Ankunft Namkungs in Pyongyang. und zwar etwas versteckt in den Nachrichten über den Besuch einer laotischen Delegation:

    http://www.kcna.co.jp/item/2010/201009/news23/20100923-08ee.html

    • Ah, Ok, ich hab tatsächlich nur die Überschriften nach „U.S. Figure here“ oder sowas durchgesehen. Danke für den Hinweis.

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