Aus der Geschichte lernen — Wiedervereinigungstipps zum Tag der deutschen Einheit

Zum runden Jahrestag der Wiedervereinigung haben sich die deutschen Diplomaten nicht lumpen lassen und ließen Südkoreas Politiker an ihren reichen Erfahrungen bezüglich friedlichen Wiedervereinigungen teilhaben. Hans-Ulrich Seidt, der deutsche Botschafter in Seoul äußerte dabei Standpunkte, die der Eine oder Andere in Lee Myung-baks Regierungsteam (und vielleicht darüber hinaus) eher kritisch sehen dürfte.

Based on my own experience, I think certain situations make it more useful to offer cooperation, even if you aren’t compensated. I mean that under certain circumstances, it may be better to make such proposals, even if you know that the other side won’t do anything in return.

Für mich klingt das, als wäre Herr Seidt ein Verfechter der sunshine policy Kim Dae-jungs und seines Nachfolgers Roh Moo-hyuns, der die Politik unter anderem Namen weiterführte. Nicht zuletzt weil die südkoreanische Seite immer wieder Zugeständnisse machte ohne kompensiert zu werden wurde diese Politik kritisiert. Lee Myung-baks Ansatz steht in recht scharfem Gegensatz zu dem was Seidt vorschlug, denn Lees Idee ist, dass Leistungen nur gewährt werden sollen, wenn auch Gegenleistungen erbracht werden. Mich wundert es allerdings, von wie wenigen Medien die Aussagen Seidts über Zugeständnisse ohne (direkte) Kompensationen übernommen wurden, die in Deutschland zur Wiedervereinigung beigetragen hätten. Viel opportuner scheint es zu sein, die lobenden Worte zu erwähnen, die Seidt für die Idee einer Wiedervereinigungssteuer fand. Aber naja, wer will sich schon dem Zeitgeist wiedersetzen? Und der hat zurzeit nichts mit Geschenken am Hut…

Aber Seidts Anmerkungen zum Weg zu einer möglichen Einheit waren nicht die Einzige Art, wie die Bundesrepublik Südkorea an ihren Erfahrungen teilhaben lassen möchte. Am 01. Oktober unterzeichneten nämlich der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, Dr. Christoph Bergner und der stellvertretende Vereinigungsminister Südkoreas Kim Chun-sig einMemorandum of Undestanding zur künftigen Konsultation in Wiedervereinigungsfragen. Darin wird der Plan vereinbart ein Expertengremium zu errichten, das den Austausch von Informationen und wissenschaftlichen Erkenntnissen über den deutschen Vereinigungsprozess unterstützt und die Frage ihrer Nutzbarmachung für die koreanische Vereinigungspolitik erörtert. Dabei sollen seitens der Bundesrepublik unter anderem staatliche und andere historische Dokumente bereitgestellt werden.

Das ist zwar nicht besonders viel aber immerhin ein Anfang. Die Erfahrungen die die Bundesrepublik in den letzten 20 Jahren bezüglich ihrer Wiedervereinigung gemacht hat, können der südkoreanischen Seite sicherlich wichtige Anhaltspunkte für ein solches Ereignis im eigenen Land liefern, wenn sie auch mit genauso großer Sicherheit nicht als Blaupause dienen können. Diese nutzbar zu machen und den Dialog darüber zu institutionalisieren ist aber auf jeden Fall ein sinnvoller und zielführender Schritt bei der Vorbereitung Südkoreas auf eine mögliche Wiedervereinigung.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s