Nordkorea baut beim Yongbyon-Reaktor? Was denn wohl?

Update: (07.10.2010): Wie ich gehofft hatte beschäftigt sich Joshua Pollack auf Arms Control Wonk mit den Baumaßnahmen auf dem Gelände des zerstörten Kühlturmes beim Yongbyon Reaktor. Er sieht zwei mögliche Hintergründe für die Aktivitäten, die sich nicht gegenseitig ausschließen. Entweder es wird ein neuer Kühlturm errichtet oder es ist ein  eindeutiges Signal an die USA und Südkorea, wieder Gespräche aufzunehmen. Das schließt sich nicht aus, weil es ja auch ein Signal sein kann, wenn man anfängt einen neuen Kühlturm zu bauen. Was Pollack weitestgehend ausschließt ist, dass dort etwas anderes als ein Kühlturm gebaut werden könnte. Dies begründet er mit technisch-praktischen Erwägungen. So müsste man, würde man den Reaktor irgendwann wieder in Betrieb nehmen wollen, den gesamten Kühlwasserkreislauf verlegen, wenn am Ort des alten Turms ein anderes Gebäude stände. Abschließend sieht Pollack aus diesen Entwicklungen die Gefahr entstehen, dass sich die „strategic patience“ der Obama Administration ganz anders „auszahlen“ könnte als erhofft und fordert daher eine Rückkehr zu Verhandlungen. Da ist nicht viel hinzuzufügen…

Ursprünglicher Beitrag (05.10.2010): Eine Analyse von Satellitenbildern, die das Institute for Science and International Security (ISIS) durchgeführt hat zeigt, dass an dem Ort, an dem der Kühlturm des Reaktors in Yongbyon stand, Baumaßnahmen angelaufen sind. Der Reaktor mit fünf Megawatt Leistung war die Quelle des Plutoniums, mit dem Nordkorea seine Atomtests durchführte und lieferte spaltbares Material für bis zu acht Nuklearwaffen. Die Sprengung des Kühlturms in Yongbyon am 27. Juni 2008 wurde als Meilenstein bei der Denuklearisierung Nordkoreas (oder zumindest beim Rückbau des Nuklearprogramms) gesehen. Noch vor einem Jahr war auf Satellitenfotos keine Aktivität auf dem Gelände des ehemaligen Kühlturms zu sehen. Die ausgewerteten Fotos zeigen allerdings nicht eindeutig, dass der Kühlturm von Yongbyon wieder aufgebaut wird, sondern es sind nur Baumaschinen und Veränderungen des Erdreiches zu sehen. Außerdem umfassen die Maßnahmen ein größeres Gelände, als es für den Wiederaufbau für den Wiederaufbau des Kühlturms nötig ist.

Um näheres zu erfahren, muss man wohl einige Zeit abwarten. Vermutlich schießen diverse Satelliten zurzeit noch fleißiger Fotos von dem Gelände, als es „normalerweise“ schon der Fall ist. Daher bin ich mir sicher, dass es bald mehr dazu gibt.

Aber, um mal ganz zu blöd zu fragen: Was sollte man in direkter Nachbarschaft zu einem Nuklearreaktor denn sonst bauen als einen Kühlturm? Eine Villa für Kim? Einen Golfplatz? Mir fällt da nicht viel ein. Aber wenn es doch anders sein sollte, lasse ich mich gern eines Besseren belehren.

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4 Antworten

  1. Man sollte wirklich vorsichtig mit Spekulationen sein. Ich glaube aber, das demnächst Kim jr. einen großen Erfolg bei den Verhandlungen über Lebensmittelhilfen erreichen wird 😉

  2. Ein Gefangenenlager könnte in der Nähe des Reaktor errichtet werden. http://english.chosun.com/site/data/html_dir/2009/06/03/2009060300829.html
    Als Quelle für Arbeitskräfte oder auch diverse Versuche. Aber man sollte bei solchen Spekulation wie immer sehr vorsichtig sein. Ich denke für soetwas würde noch viel mehr Platz benötigt.

    • Naja, wenn alles stimmen würde was der Chosun Ilbo schreibt… Wenn ich ein Gefangenenlager planen würde, würde ich es auf jeden Fall nicht an einen Ort pflanzen, der permanent unter internationaler Beobachtung steht.
      Aber das mit den Arbeitskräften könnte ja auch ohne Gefangenenlager hinhauen.

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