Annäherung im Kleinen: US-Gruppe baut Häuser nahe Pjöngjang

Auf der politischen Ebene tut sich ja schon seit längerem nicht viel zwischen den USA und Nordkorea. Wie ich eben gelernt habe, ist das auf zivilgesellschaftlicher Ebene (zumindest von der Seite in der es sowas gibt) anders. Zufällig bin ich über einen PR-Artikel des „Fuller Center for Housing“ gestolpert und diese christliche Organisation ist zur Zeit dabei, in einem Baumschulen-Kollektiv (oder so) in Osun-ri nahe Pjöngjang, 50 Häuser für die Arbeiter dort zu errichten. Das Fuller Center for Housing bezeichnet sich selbst als ökumenische Organisation, die

faith-driven and Christ-centered, promotes collaborative and innovative partnerships with individuals and organizations in an unrelenting quest to provide adequate shelter for all people in need worldwide.

David Snell, der Präsident des Fuller Center schreibt in seinem Blog über seinen kürzlich erfolgten Besuch in Pjöngjang und die Veränderungen die er dort wahrnimmt. Scheinbar wird die ganze Stadt auf 2012 vorbereitet und dementsprechend aufgemöbelt. Gebäude und Straßen werden renoviert und sogar die Verkehrspolizistinnen, die oft in den Weiten des WWW für Belustigung sorgen, werden durch ganz gewöhnliche Ampeln ersetzt. Snell scheint neben der Vorbereitung des Projekts noch die Standardtour mitgemacht zu haben. Besonders schön finde ich seine Anmerkung zur E-Bibliothek in der Kim Il Sung Uni:

Students can do research ‘online’ accessing thousands of books on terminals in a number of study rooms. Very impressive.

Scheinbar will er seine Partner in Nordkorea auf keinen Fall vor den Kopf stoßen. Was er meint dürfte trotzdem klar sein, das Projekt scheint also nicht von irgendwelchen naiven Gutmenschen betrieben zu werden, sondern schon von realistischen Annahmen auszugehen. Auf der nordkoreanischen Seite scheint das „Asia-Pacific Peace Committee“ die Sache ins Rollen gebracht zu haben. Bei der konkreten Projektumsetzung ist die „Paektusan Academy of Architecture“ Partnerin des Fuller Center for Housing (kleine Anmerkung am Rande: Die Paektusan Academy of Architecture war auch bei der Umsetzung der Ausstellung „Blumen für Kim Il Sung“ in Wien einer der Partner. Da scheinen Leute drinzustecken, die ihre Scheu vor Fremden nach und nach ablegen). Die Gesamtkosten sollen sich auf etwa eine Million US-Dollar belaufen, wie man dann allerdings 50 Häuser die pro Haus ungefähr 25.000 US-Dollar kosten werden, bauen will, weiß ich nicht genau. (Aber es ist ja ne christliche Gruppe. Vielleicht funktioniert das wie mit den Broten und Fischen.) Das Fuller Center for Housing will nach eigenen Angaben die Gebäude in direkter Kooperation mit der nordkoreanischen Seite errichten. Neben dem Geld sollen auch freiwillige Helfer „beigesteuert“ werden, was zu dem interessanten Ergebnis führen könnte, dass Amerikaner und Nordkoreaner Seite an Seite Häuser bauen.

Generell muss ich sagen, dass ich an dem Projekt kaum was auszusetzen habe, außer dem „Rechenfehler“ (aber vielleicht werden die 25.000 US-Dollar auch in Form von Freiwilligen realisiert). Was mich im Gesamtzusammenhang besonders freut ist, dass ich mal was Gutes über christliche Organisationen und ihre Arbeit in Nordkorea schreiben kann. Kein dämliches, unsinniges und gefährliches Missionieren, keine Bibeln für die armen Heidenmenschen, keine halbwahr bis sehr fragwürdigen „Informationen“ mit dem Ziel Spenden einzutreiben und auch keine Briefe für Kim Jong Il. Einfache und praktische Hilfe, die sich nicht zuletzt dem Ziel verschreibt, Brücken zwischen Menschen zu bauen. Da werden die Nordkoreaner die in dem Projekt arbeiten vermutlich staunen, wenn die imperialistischen Amis weder Bajonette noch Napalm dabei haben und auch nicht versuchen ihre Kinder zu verspeisen. Solche Projekte im Kleinen können neben der praktischen Hilfe die sie mit sich bringen auch zu einem besseren Verständnis der beiden Seiten führen. Klingt nicht nach besonders viel, aber ein Nordkoreaner der mit einem Amerikaner zusammen ein Haus gebaut hat wird danach vermutlich nicht mehr davon ausgehen, dass der morgen mit einem Bajonett in der Hand vor seiner Tür steht, seine Frau schänden, die Kinder essen und ihn umbringen will. Wenn er das dann das nächste Mal von der Propaganda vermittelt bekommt, wird er hinterfragen und vielleicht nicht nur die xenophoben Stereotypen, die vermittelt werden, sondern vielleicht auch Anderes. Solche Projekte können helfen Gedanken in Köpfe zu pflanzen.

Achja, sollte hier jemand mitlesen, der eher für dämliches, unsinniges und gefährliches Missionieren, Bibeln für die armen Heidenmenschen, für halbwahre bis sehr fragwürdige „Informationen“ mit dem Ziel Spenden einzutreiben oder für Briefe für Kim Jong Il ist:

Vielleicht pflanz das Video, das David Snell in der protestantischen Bongsu Kirche in Pjöngjang aufgenommen hat ja mal einen Gedanken in euren Kopf vielleicht stimmt ja nicht alles, was christliche Propagandaagenturen so in die Welt schleudern. Aber ich weiß ja „Alles Schauspieler“… (Wie immer kurz dazugesagt: Meine Worte sollen nicht Aussagen, dass ich Menschenrechtverletzungen und die nur sehr begrenzt gegebene Religionsfreiheit in Nordkorea verteidige oder gutheiße. Aber: Ich heiße eben auch keine Desinformationskampagnen zwielichtiger Weltverbesserer gut!)

3 Antworten

  1. @tolstoi: Sie scheinen noch nicht richtig zu bauen, aber den symbolischen Spatenstich kann man sich auf der Seite angucken. Und, sie sind eben nicht da um zu missionieren, aber ich habe irgendwo auf der Seite auch gelesen, dass das scheinbar Teil des Deals ist, dass die Westler nicht mit de Koreanern zusammen beten etc.. Aber es gibt wie gesagt duchaus staatlich anerkannte Christen im Land die, zumindest wenn man dem ehemaligen EKD Vorsitzenden Huber glauben darf, keine Schauspieler sind (irgendwo im Archiv findest du was dazu). Und wie Stefan schon richtig sagt. Das Regime hat grundsätzlich kein Problem mit religiösen Gruppen zusammenzuarbeiten.

    @ Stefan: Ich meinte auch nicht, dass 25.000 $ pro Haus zu hoch veranschlagt ist. Aber wenn man sie veranschlagt verstehe ich nicht wie man bei 50 Häusern mit einer Million $ rauskommen will. Da fände ich 1.250.000 schon passender…

  2. Also die 25.000 Dollar pro Haus scheinen mir eher zu hoch als zu niedrig, sieht man die Loehne in Nordkorea. Dafuer kann man sicher etwas Stattliches hinzaubern, und hat noch genug Geld uebrig fuer „Verschoenerungen“.

    Das man sie gewaehren laesst ist auch denkbar, schliesslich hat die Moon Sekte auch so maches Business (Autofabrik, Potoggang Hotel, das Haus daneben)…

  3. Bauen die schon oder ist das ein Vorhaben? Ich glaube das erst, wenn ich das sehe.
    Eigentlich sagen die Berichte, die man so aus Nordkorea hört aus, dass die Menschen dort mit schwerwiegenden Bestrafungen rechnen müssen, sollten sie dabei erwischt werden, wie sie den christlichen Glauben praktizieren.
    Für mich ergibt das alles irgendwie keinen Sinn. Kann ja sein, dass sich die nordkoreansiche Führung so lange wartet, bis die Häuser finanziert und gebaut sind, um dann die Geldgeber rauszuschmeißen.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s