Die Parteikonferenz und was wir daraus lernen: Zusammenfassung von Rüdiger Frank auf 38 North

Rüdiger Frank hat auf 38 North das gemacht, was ich am Montag in Grundzügen auch versucht habe. Er hat die Ergebnisse der Parteikonferenz der vergangenen Woche analysiert, und daraus Schlüsse gezogen. Nur eben viel umfassender, professioneller und hintergründiger als ich. Aber das ist ja auch sein Job. Jedenfalls ist das Ganze sehr interessant zu lesen (was ich euch nur empfehlen kann) und hilft einen Überblick über die Entscheidungen zu gewinnen, die durch die Parteikonferenz offenbar wurden (getroffen dürften  sie schon früher worden sein). Außerdem entwickelt Frank aus den gewonnenen Erkenntnissen Einschätzungen über die Strategie des Regimes für die Machtweitergabe und die Struktur der Führung nach Kim Jong Il (wobei er der Idee, Kim Jong Un werde eine Führungsfigur gleich seinem Vater oder gar Großvater, weiterhin sehr skeptisch gegenübersteht). Franks Kernthese hinsichtlich der Pläne zur künftigen Führungslegitimation in Nordkorea, die er in seinem Beitrag entwickelt lautet wie folgt:

What seems most notable is the renewed emphasis on Kim Il Sung as the sole source of legitimacy in North Korea. Kim Jong Il is not going to replace him, which would have been a precondition for the perpetuation of the current system of leadership. Therefore, in a sense, Kim Jong Un and all those who come after him will be, like Kim Jong Il, successors of Kim Il Sung.

Eine weitere interessante Vermutung ist, dass das Regime von Kim Jong Ils Erkrankung im Jahr 2008 zwar kalt erwischt wurde, aber nicht unvorbereitet. Dementsprechend ist die jetzt ablaufende Vorgehensweise keine ad-hoc Panikreaktion sondern folgt durchaus einem Plan, der zumindest in groben Zügen schon vorher bestanden hat — nur läuft der jetzt in komprimierter Form ab. Da glücklicherweise (für das Regime) 2012, also Kim Il Sungs Hundertster, bald ansteht, hat man vermutlich die strategische Entscheidung getroffen, die Nachfolgeplanung auf dieses Jahr auszurichten (oder dieses Jahr zumindest als sehr wichtige Wegmarke zu nutzen). Das könnte, so Frank, im Rahmen eines Parteikongresses (was Anderes und grundsätzlich Bedeutenderes als die Parteikonferenz, trotzdem gab es den Letzten 1980) stattfinden, bei dem dann weitere Weichen gestellt würden.

Ein bisschen gefreut hat mich, dass er hinsichtlich des Sekretariats des Politbüros einen ähnlichen Schluss gezogen hat wie ich: Ri Yong Ho, das 68 jährige Küken unter Greisen könnte interessant werden. Außerdem wird gemunkelt, dass er mit Kim verwandt ist, was ihn nochmal interessanter machen würde. Den sollten wir also im Auge behalten.

Im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Phase der Veränderungen in Nordkorea habe ich außerdem noch eine interessante Analyse von Paul Carroll gelesen. Der dreht sich aber eher darum, wie die USA sich in dieser Phase verhalten sollten. (Naja ihr kennt mich ja:) Carroll warnt davor in Untätigkeit zu verharren und Chancen die sich in dieser Phase bieten verstreichen zu lassen. Durchaus lesenswert…

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