Neues Gesicht auf dem „ersten außenpolitischen Gleis“: Choe Son-huis Aufstieg signalisiert Vorbereitung auf Interaktion

Gestern habe ich die Nachricht bei Yonhap, dass Choe Son-hui, eine Frau, die in der Vergangenheit vor allem als Chef-Übersetzerin der nordkoreanischen Delegation bei den Sechs-Parteien-Gesprächen in Erscheinung getreten ist, zur stellvertretenden Direktorin des Außenministeriums (ich weiß nicht genau wie das einzuordnen ist, aber ich interpretiere es einfach mal so, dass sie stellvertretende Chefin der Bürokratie des Ministeriums ist) befördert wurde, mit einiger Verwunderung aufgenommen. Diese kam daher, dass ich mich gefragt habe, was an dieser Information „nachrichtenwert“ ist. Allerdings hatte sich im außenpolitischen Stab ja erst vor kurzem einiges getan und daher dachte ich, dass ich mir den Artikel doch noch etwas genauer anschaue und fand Frau Choe zunehmend interessanter.

Familiär vernetzt und interessante Vita

Sie ist mit 46 Jahren noch recht jung und hat darüber hinaus spannende Familienbindungen. Sie ist nämlich die Adoptivtochter von Choe Yong-rim, der erst im Juni zum Premierminister und auf der Parteikonferenz auch zum „alternate-member“ des Politbüros ernannt wurde. Außerdem hat sie eine, für nordkoreanische Funktionäre recht ungewöhnliche Vita, denn sie studierte im Ausland, um genauer zu sein in Österreich, Malta und China. Damit dürfte die Dame über Auslandserfahrungen verfügen, die ihr einen weiteren Blick erlauben, als das bei Funktionsträgern zu erwarten ist, die vielleicht mal (wenn überhaupt) ein Zeitchen in China verbracht haben. Neben ihrer Tätigkeit bei den Sechs-Parteien-Gesprächen (bei denen sie eine Rolle gespielt haben soll, die über das reine Übersetzen hinausgeht) war sie wohl auch dabei als Bill Clinton in Pjöngjang war, um Laura Ling und Euna Lee nach Hause zu bringen, auch das ein Zeichen dafür, dass man ihr einiges zutraut.

Von der Teilnehmerin bei hochrangig besetzten (Track-II) Gesprächen 2006

Das Frau Choe nicht „nur“ Fremdsprachensekretärin ist, wurde nach etwas weitergehender Recherche recht schnell deutlich. Sie war nämlich bei diversen Track-II-Gesprächen (Gespräche, bei denen sich nicht Politiker, sondern Forscher aus verschiedenen Ländern treffen, um ein Thema zu diskutieren, die aber trotz der nicht vorhandenen politischen Entscheidungsbefugnisse der Teilnehmer oft das Fundament späterer politischer Entscheidungen bilden) über die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel dabei, die teilweise auch echt hochrangig besetzt waren.  Beim 17. Treffen desNortheast Asia Cooperation Dialogue des Institute in Global Conflict and Cooperation (IGCC) der Berkley Universität im Jahr 2006 nahm Frau Choi als „Senior Researcher“ für Nordkorea an dem Treffen teil. Ansonsten waren dort Leute wie Kim Kye-gwan, Nordkoreas Chefunterhändler bei den Sechs-Parteien-Gesprächen, Chris Hill, sein amerikanisches Gegenstück, Victor Cha, ein wichtiger Berater der Bush Administration vor allem im Bereich Ostasien und Susan Shirk (deren Namen einem ja in letzter Zeit öfter mal begegnet, weil sich Hillary Clinton wohl Ratschläge von ihr holt), als Chefin des IGCC. Hier dürfte wohl einiges interessantes besprochen und spannende Bekanntschaften geschlossen worden sein (Im Tagungsbericht steht was von „plenty of socializing“ und viel „interaction“ von nordkoreanischer Seite. Vor allem wird Frau Choe hier aber nicht mehr als Übersetzerin, sondern als Forscherin geführt.

…zur Delegationsleiterin 2010

Aber auch in jüngster Zeit hat sich die Dame weiter in der Track-II-Diplomatie betätigt. Im Vorfeld (am 3. und 4. Juli) des diesjährigen ASEAN Regional Forums (ARF), das in hohem Maße Track-II-Diplomatie fördert und auf diese baut (nicht zuletzt weil man in dieser schwierigen Region (erweitertes Südostasien) oft nicht mehr hinkriegt), vertrat Choe Son-hui die Position Nordkoreas in der Study Group on Countering the Proliferation of Weapons of Mass Destruction in Asia Pacific des Council of Security Cooperation in the Asia Pacific (CSCAP). Sie trug die Position ihres Landes hinsichtlich der Denuklearsierung vor ((S. 7) was scheinbar nicht viel Neues brachte, nur die üblichen Anschuldigungen und die Forderung nach einem Friedensvertrag mit den USA), was wohl heißt, dass sie die Delegationsleiterin ihres Landes war. Sicherlich kein Spaß, denn aus dem Tagungsbericht geht ziemlich klar hervor, dass es vor allem um den Cheonan-Zwischenfall heftige Diskussionen gab (in dem Zusammenhang interessant zu lesen, dass die nordkoreanische Delegation wohl nicht alleine mit Zweifeln an den Hintergründen der Katastrophe war und dass mehrere Delegationen eine Untersuchung durch nordkoreanische Experten vorgeschlagen haben). Naja, auf jeden Fall scheint sie schon damals einiges Vertrauen besessen und ihre Sache so gut gemacht zu haben, dass sie mit einem Posten belohnt wurde.

Die Zeichen verdichten sich: Nordkorea macht sich bereit — Nur für was?

Jedenfalls scheint ihre Arbeit so gut gewesen zu sein und ihre Erfahrung so groß, dass sie vom Regime nun aufs erste Track gesetzt wurde. Damit ist das nordkoreanische Außenministerium um eine weitere sehr interessante Person reicher, die über einige Auslandserfahrung verfügt, im Regime durch familiäre Bindungen nicht schlecht vernetzt sein dürfte und auch darüber hinaus mit wichtigen Personen, die oft noch wichtigere Personen beraten, Bekanntschaften schließen konnte. Das kann man in zwei Richtungen deuten. Es passt einerseits natürlich bestens zu meiner Vermutung, dass Nordkoreas Regime sein außenpolitisches Team fit macht, für eine weitere Runde der Interaktion, vor allem mit den USA und das daher Leute in höhere Ämter gehoben werden, die in diesem Bereich schon Erfahrungen sammeln konnten. Andererseits könnte es aber auch eine Vorbereitung strategischer Natur sein, um bei einer neuen Runde der Sechs-Parteien-Gespräche erneut größtmögliche Zugeständnisse rauszuholen (Schließlich kommt der gute alte Sun Tsu ja auch aus der Ecke und schon der wusste, wie gut es ist seinen Feind zu kennen. Dass sich das Regime selbst kennt, da habe ich wenig Zweifel).

Alles in Allem sieht es jedenfalls so aus, als würde man in  Nordkorea eine Phase der Interaktion vorbereiten. Mit welchem Ziel ist zwar offen, die Mittel stehen jedenfalls bereit. Das dürfte man auch in den USA, Südkorea und wo es sonst noch von Interesse ist, registriert haben…

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