Zwei Teams – Eine Strategie: Allenthalben nur Patience

Kim Kye-gwan, der ja erst kürzlich zum Vize-Außenminister aufgestiegen ist und vorher als Chefunterhändler Nordkoreas bei den Sechs-Parteien-Gesprächen um die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel fungierte, hat sich kürzlich nochmal zur nordkoreanischen Position zur Wiederaufnahme der Verhandlungen geäußert. Sein Statement zeichnet sich dabei – betrachtet man es im Gesamtkontext dessen, was in den letzten Tagen aus Nordkorea drang – mal wieder durch das aus, was nicht zuletzt zu der erfolgreichen Performance des nordkoreanischen Verhandlungsteams bei den Gesprächen beigetragen hat. Durch eine unglaubliche Ambivalenz. Während er äußerte:

The DPRK is ready for the resumption of the above-said talks but decided not to go hasty but to make ceaseless patient efforts now that the U.S. and some other participating countries are not ready for them.
The DPRK remains unchanged in its will to implement the September 19 joint statement adopted at the six-party talks for denuclearizing the whole Korean Peninsula.

wurden in den nordkoreanischen Medien gleichzeitig die üblichen Drohungen kultiviert. Dass diese Drohungen nicht besonders ernst gemeint sein können erklärt schon die reine Logik: Denn woher soll ein Land, dass gegenwärtig zwischen einem Viertel und einem Drittel des Staatshaushalts in sein Militär steckt, selbiges um das „100 oder 1000 Fache“ ausbauen? Da muss sich vorher wohl noch einiges auf der Einnahmeseite tun.

Zwei Teams – Eine Strategie

Naja, was diese Aussagen aber schön vor Augen führen ist eine Art der Strategie, die die USA schon seit Jahren mit unterschiedlicher Intensität (recht erfolglos) in den Verhandlungen einsetzen möchten: Zuckerbrot und Peitsche. Das ist und bleibt keine schlechte Idee, nur hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass sich die Nordkoreaner das Zuckerbrot schmecken lassen, und die Peitsche ihnen nicht sonderlich wehzutun scheint (vielleicht auch, weil die Chinesen der Hand die die Peitsche führt oft die Kraft nehmen).

Umgekehrt war es bisher anders. Die Zuckerbrote die die Nordkoreaner zu bieten hatten sahen zwar gut aus, aber am Ende stand meist weder Zucker noch Brot. Dafür zeigten sich die Verhandlungsgegner häufig umso empfindlicher, wenn Nordkorea die Peitsche kreisen ließ.

Was man da machen kann? Wenn ich das wüsste wäre ich ganzschön schlau und vielleicht auch gefragt. Aber es ist leider nur eine Beobachtung ohne weiterführende Schlussfolgerungen. Aber wenn das Regime den Mann, der diese Strategie seit Jahren meisterlich zu beherrschen scheint, in ein höheres Amt hebt, dann dürfte klar sein, was uns in den nächsten Jahren so erwartet.

Strategic Patience? Kann Nordkorea auch!

Aber Kim Kye-gwan ist aber nicht nur ein Meister des Zuckerbrotens und Peitschens, er ist scheinbar auch ein Spaßvogel. Für mich klingt es jedenfalls nach einer gesalzenen Prise Sarkasmus, wenn er in seinem Statement von „patient efforts“ spricht, mit denen die DVRK die USA und den Anderen, die nicht bereit sind, an den Verhandlungstisch zurückbringen will. Warum? Darin könnte man (ich tue es) eine (leicht höhnische) Bezugnahme auf die „strategic patience“ der USA sehen. Eigentlich könnte genau dasselbe Statement auch von einem Vertreter der USA gekommen sein. Man müsste nur DPRK und USA tauschen. Was Kim eigentlich sagt: „Ha! Strategic Patience können wir auch! Wir haben auch Zeit und wir lachen über eure Strategie. Wir warten bis eure patience um ist und dann werdet ihr euch schon bewegen.“

Defensivspiel geht weiter

Naja, vielleicht habe ich da auch mal wieder zu viel reininterpretiert, aber so oder so zeigt das Ganze, dass sich noch viel tun muss, bis die Verhandlungen fortgesetzt werden können. Unterdessen schwenken beide Seiten weiter wild mit ihren Peitschen, ohne jedoch den jeweils anderen beeindrucken zu können und erzählen, dass sie irgendwo auch ein Zuckerbrot haben, ohne es jedoch vorzeigen zu wollen. (Ist halt wie oft beim Fußball: Zwei Mannschaften mit den gleichen defensiven Strategien und ohne Ideen garantieren für langweilige Spiele.) Vorerst also weiter trübe Aussichten…

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