Pjöngjang will Gespräche mit den USA: Mehr US-Experten reisen nach Nordkorea

Vor gut drei Wochen habe ich mir ja Gedanken über die ungewöhnliche Häufung von Reisen US-amerikanischer Experten nach Nordkorea gemacht, die in den letzten Monaten festzustellen war. Ich habe da einen Wandel in der Politik der USA gegenüber Nordkorea reininterpretiert. Ein Artikel in der Chosun Ilbo, den ich gestern bei NK Economy Watch gesehen habe, hat mich Teilweise in meiner Vermutung bestätigt, teilweise aber auch wiederlegt.

Kein Zufall

Der Artikel der sich auf einen Bericht von Voice of America, dem offiziellen Auslandssender der USA beruft (obwohl ich bei VOA nichts dazu finden konnten, aber auch wenn die Chosun Ilbo öfter mal undursichtige Quellen als Referenzen nennt, wird sie wohl keine Berichte von VOA erfinden), bestätigt mich in meiner Vermutung, dass die Reisen der US-Experten kein Zufall sind. Neben den von mir genannten Reisen von Tony Namkoong und Susan Shirk und der geplanten von Jack Pritchard, seien auch noch Besuche von Joel Witt und Siegfried Hecker geplant. Diese rege Reisetätigkeit sei jedoch keiner Initiative aus den USA geschuldet, sondern passiere auf Einladung Nordkoreas.

Eine Initiative Nordkoreas

Und damit sind wir auch schon bei meiner Fehleinschätzung. Nicht die USA suchen den Dialog, sondern Nordkorea. Die Experten, die man nach Pjöngjang bittet, sollen diese Botschaft nach Washington bringen und die US-Regierung davon überzeugen, Gespräche aufzunehmen. Was genau die Führung in Pjöngjang zu sagen hat ist leider nicht bekannt, aber  natürlich sehr wichtig um einzuschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass sich aus diesem Vorgehen tatsächlich Gespräche entwickeln.

Nordkorea möchte Gespräche und machen sich bereit. Die USA bremsen

Nichtsdestotrotz sieht man danach etwas klarer. Einerseits wird deutlich, dass Maßnahmen wie die Beförderungen von Diplomaten, die Erfahrung im Umgang mit den USA haben sehrwohl als mögliche Vorbereitung (oder auch als Wink mit dem Zaunpfahl) für Gespräche mit den USA gesehen werden können. Andererseits sieht man, wer Momentan der Aufnahme von Gesprächen im Weg steht. Die USA! Natürlich wäre die Aufnahme von Gesprächen entgegen der „strategic patience“, der Strategie (die vorerst abwarten will, wie sich die Dinge in Pjöngjang entwickeln, um dann zu reagieren, wenn man etwas klarer sieht) wenn man sich jetzt Hals über Kopf an den Verhandlungstisch springen würde. Aber andererseits sollte man auch gut überlegen, ob man eine Möglichkeit, einen Dialog aufzunehmen einfach so verstreichen lassen will. Tut man das, könnte die Chance vorüberziehen, sich mit den teilweise neu konstituierten Führungsstrukturen bekannt zu machen und Vertrauen mit dem neuen Personal aufzubauen.

Das “Window of Opportunity” bleibt offen. Noch!

Da noch ein paar Reisen geplant sind, ist das Möglichkeitsfenster noch offen. Solange die Initiative Nordkoreas andauert kann es gut sein, dass auch andere Signale gesandt werden. Zeigen sich die USA aber unnachgiebig und unbeweglich, dürfte das für einige Frustration in Pjöngjang sorgen. Tja, und was die Vertreter des Regimes zu tun im Stande sind, wenn sie frustriert sind, konnte man ja vermutlich Ende März sehen. (Ich weiß, es ist blöd Drohungen nachzugeben, aber es ist eben auch blöd ausgestreckte Hände wegzuschlagen, wenn man weiß, dass die Situation dadurch definitiv schlechter wird.)

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