„Lips and Teeth reloaded“ — Die Freundschaft zwischen China und Nordkorea wird immer enger

Update (27.10.2010): Hm, waren tatsächlich nicht unhöflich die Nordkoreaner. Der junge Kim durfte scheinbar zu einigen Anlässen an den Treffen mit der chinesischen Delegation teilnehmen, wie hier aus dem Text zu ersehen ist und hier auf dem Bild. Dieses Foto finde ich ohnehin recht interessant. Einerseits ist der Ehrengast bzw. Delegationsleiter, Guo Boxiong, eingerahmt von den beiden Kims, scheinbar will man die Bedeutung des jungen Kims durch die prominente Platzierung fördern. Andererseits sitzt der Einzige nicht-Militär (jedenfalls ist er in Zivil) auf dem Foto zur rechten des jungen Kim. Erklärt der ihm was er zu tun hat? Weiterhin ist außer den Kims nur ein koreanischer Militär auf dem Foto zu sehen. Wenn ich mich nicht täusche Ri Yong-ho, aber da bin ich mir nicht hundert Prozent sicher (Das Foto hat ja nicht die beste Qualität). Hier gibt’s auch noch ein kleines Nachrichtenvideo auf dem u.a. auch Kim Jong Un, neben – na ratet mal wem – genau Ri zu sehen ist. Am schönsten finde ich allerdings das Foto auf der Startseite des neuen KCNA-Internetauftritts:

Erste Reihe v.l. Guo Boxiong, Kim Jong Il, Kim Jong Un, Ri Yong-ho

Kim Jong Il Meets Chinese High-level Military Delegation (Foto: KCNA) Erste Reihe v.l. Guo Boxiong, Kim Jong Il, Kim Jong Un, Ri Yong-ho

Warum mir das Foto so gut gefällt? Schaut euch mal an wo die Leute hingucken. Guckt mal wo die Leute so hinschauen. Was auch immer Kim Jong Il, Kim Jong Un und Guo Boxiong interessant finden, gefühlt glotzen eigentlich alle Anderen Kim Jong Un an. Kommt mir jedenfalls so vor.

Naja, auf jeden Fall konnte der junge Kim in den letzten Tagen ganschön was auf internationalem Parket lernen.

Ursprünglicher Beitrag (25.10.2010): In den letzten Wochen, vor allem seit Kim Jong Ils Überraschungsbesuch in China, gab es ja eine kaum überschaubare Zahl von bilateralen Kontakten zwischen China und Nordkorea (worauf übrigens auch chinesische Kommentatoren hinweisen). Besonders hervorzuheben sind dabei wohl der Besuch einer chinesischen Delegation um Zhou Yongkang (Nummer 9 der chinesischen Hierarchie) anlässlich des 65. Geburtstags der Partei der Arbeit Koreas Anfang des Monats, ein kurz darauf folgender Besuch einer nordkoreanischen Delegation, die aus den Chefs von elf Vorsitzenden der Parteigliederungen verschiedener Großstädte und Regionen bestand und der Besuch einer Delegation chinesischer Militärs, der momentan stattfindet.

Die Bedeutung des zweiten Besuchs beschrieb ein südkoreanischer Offizieller wie folgt:

The North Korean officials‘ visit to Beijing is equivalent to all 16 South Korean metropolitan mayors and provincial governors flying to Washington as a group to discuss exchange and cooperation with ruling-party lawmakers and state governors in the U.S.

Also durchaus ein interessanter Besuch und die interessante Erkenntnis, dass zumindest dieser südkoreanische Offizielle das Verhältnis Seouls zu Washington analog zu dem Pjöngjangs zu Pekings sieht (ich bezweifle allerdings, dass er das so freimütig sagen wollte).

Besonders interessant finde ich aber den Besuch der Militärdelegation. Schließlich wird die von Guo Boxiong, dem Vizevorsitzenden der zentralen Militärkommission der kommunistischen Partei Chinas, angeführt. Sollte euch der Name seines Amtes irgendwie bekannt vorkommen ist das kein Wunder. Schließlich bekleiden Kim Jong Un, sowie Ri Yong-ho, über den ich ja schon einiges geschrieben habe, denselben Posten in Nordkorea. Und da geht es auch schon weiter mit den Analogien. Ein weiterer Vizevorsitzender der zentralen Militärkommission Chinas ist nämlich Xi Jinping, der designierte Nachfolger Hu Jintaos an der Spitze Chinas. Das kennt man doch aus Nordkorea.

Zum Empfang am Flughafen stand zwar Pak Jae-gyong, der Vize-Verteidigungs-/Armeeminister (Minister of the People‘s Armed Forces) bereit. Die Ehrenformation schritt Guo allerdings mit Ri Yong-ho, dem Shootingstar der nordkoreanischen Politelite ab. Ri wird wohl auch außenpolitisch schnell einige Erfahrungen sammeln. Weiterhin traf die Delegation mit Kim Yong-nam zusammen, der als protokollarischer Vertreter Kim Il Sungs ebenfalls eine herausgehobene Position im Staat innehat.

Interessant war weiterhin, was Guo laut KCNA so zu sagen hatte. Er holte nämlich die zwischenzeitlich fast vergessene „lips and teeth“ (Nordkorea und China sind sich so nahe wie Lippen und Zähne) Floskel wieder aus der Schublade und setzte damit auch ein verbales Zeichen für die Nähe die die Beziehungen beider Staaten in letzter Zeit haben. Abschließend nutzte er dann eine Formulierung die in letzter Zeit immer öfter zu hören ist:

It is my hope that the Sino-DPRK friendship will be handed down through generations and last forever.

Beide Staaten bereiten sich auf eine Machtübergabe vor und scheinbar ist China mit Nordkoreas Plänen zufrieden, denn die Weitergabe der Freundschaft durch die Generationen steht ja in direktem Zusammenhang mit der Weitergabe der Macht an eben jene jüngere Generation. Also die alten Generationen tun jedenfalls alles dafür, dass es da einiges weiterzugeben gibt, wenn man sich die letzte Zeit mal so anschaut.

Ich bin mal gespannt ob Guo auch noch mit seinem zweiten Gegenstück (als Vizevorsitzender der zentralen Militärkommission) zusammentreffen wird. Aber das Regime wäre schon ein recht unhöflicher Gastgeber, wenn das nicht so wäre, oder? Naja, wir werden sehen.

Ansonsten bleibt wohl festzuhalten, dass die Beziehungen zwischen China und Nordkorea seit Ende des Kalten Krieges wohl nie enger waren. Scheinbar hat man in Peking die strategische Entscheidung getroffen, dass Pjöngjang gehalten werden soll. Man hat sich zwar lange damit Zeit gelassen, aber nun scheint man bereit, einige Mühen auf sich zu nehmen, um das Regime weiterhin zu stützen. Was die Gegenleistung Pjöngjangs dabei ist weiß man allerdings leider nicht. Nichtsdestotrotz hat Pjöngjang damit kurz bis mittelfristig einen guten Wurf gelandet, denn China ist stark wie nie und hat einiges zu geben (langfristig muss man dann nur darauf achten nicht erdrückt zu werden). Ob es für China auch ein guter Deal war muss sich erst noch rausstellen, denn man hat sich eine Katze im Sack gekauft. Und sollte es erstmal im Gebälk krachen, dann wird es auch für einen starken Partner schwer die Ordnung aufrechtzuerhalten.

6 Antworten

  1. Kim Jong Un scheint jetzt wirklich in der Politik angekommen zu sein. Nach einem kurzen Artikel auf Yahoo-Chinesisch (http://news.cn.yahoo.com/ypen/20101027/63598.html), der sich allerdings auf eine japanische Meldung stützt, ist erstmals eine öffentliche Rede von Kim Jong Un bekannt geworden (auf einer Inspektionsreise, diese Tradition hat er auch schon übernommen). Auszüge: „Unser Land ist klein, die Bevölkerung ist nicht groß und wir haben wenig natürliche Resourcen. Aber wir haben den Segen des Führers (Kim Il-Sung) und des Generals (Kim Yong-Il). Die Kinder und Enkel werden diesen Segen empfangen“. Und vielleicht wichtiger noch diese Passage „Früher kamen wir ohne Getreide aus, aber nicht ohne Patronen, aber heute können wir ohne Patronen auskommen, aber nicht ohne Getreide“ – daraus kann man interpretieren, daß Kim Jong Un den Schwerpunkt auf wirtschaftlichen Aufbau legen will.
    Die Rede soll Ende letzten Monats gehalten worden sein und an die Kader innerhalb der Arbeiterpartei verteilt worden sein.

    Ebenfalls von Yahoo noch ein paar Bilder von einem Besuch von Kim Song-Il (und Kim Jong Un) am Heldenfriedhof der chinesischen Freiwilligen, gut 2 Autostunden von Pjönjang entfernt. Hier liegt auch der Sohn Mao Zedongs, Mao Anying begraben.
    http://news.cn.yahoo.com/newspic/news/9427/

    Chinesische Politiker oder Militärs waren beim dem Besuch offenbar nicht anwesend.

    • Hey Mi Fu,
      danke für die tollen Infos. Mit den japanischen Infos über das was in Nordkorea vorgeht ist das zwar immer so eine Sache, aber trotzdem hoch spannend, vor allem wenn es stimmen würde. Und die Bilder finde ich auch toll. Wenigstens hat der Filius ne ordentlich Jacke und nicht so ein schäbiges Ding wie der Papa. Also nochmal Danke für die tollen Links/bzw. die kurze Übersetzung…

  2. Nicht vergessen, heute ist der 60te Jahrestag, an dem die chinesische Freiwilligenarmee den Grenzfluß Yalu überschritt!
    Das war auch der Anlaß für den Besuch der chinesischen Militärdelegation in Korea.

    Vielleicht ein bißchen off-topic, aber ich finde es eine diplomatische Meisterleistung Chinas, mit Nordkorea sehr gute Beziehungen zu pflegen ohne die Beziehungen mit dem Süden zu belasten.
    Wenn man sieht, wie sehr Südkorea inzwischen in China engagiert ist (in Beijing gibt es kaum ein Taxi, daß nicht von Hyundai ist) sind China und Südkorea gewissermaßen zur Partnerschaft gezwungen.
    Und außenpolitisch/geschichtlich steht man sowieso auf einer Seite gegen Japan.

    Der Feind meines Freundes ist auch mein Freund — Wäre eigentlich nicht schlecht wenn Politik öfter mal so funktionieren könnte.

    • Die Freundschaft zwischen beiden Ländern wird zurzeit auch im Fernsehen der DVRK ungewöhnlich stark gefeiert.Es werden die beiden Flaggen eingeblendet, und anscheinend gibt es sogar einen „Freundschaftsmarsch“ (aber ich glaube in Nordkorea gibt es für so ziemlich alles einen eigenen Marsch)…

      Wie auch immer, aufgefallen ist mir da noch diese chinesische Serie (über den chinesischen Bürgerkrieg?) die im Moment zur „Primetime“ ausgestrahlt wird:

      http://sptv.co.kr/bbs/board.php?bo_table=01_02&wr_id=1760

      • Danke für den Link, ich (bzw. die die Sprache verstehen) bin immer dankbar für Hinweise auf koreanischsprachige Quellen. Wie gesagt: Aufgrund meiner Sprachdefizite kann ich da nicht wirklich suchen.

    • Natürlich sind die ganzen Besuche und Gegenbesuche nicht ohne Anlass passiert. Allerdings kann man da entweder eine solala Delegation schicken, oder man schickt Schwergewichte (oder nur einen Blumenstrauß). Und die Besuche in letzter Zeit wogen schwer. Daher finde ich das Ganze schon bemerkenswert.
      Was die diplomatische Meisterleistung Chinas angeht. Sie ist sicherlich respektabel, aber eigentlich nur das Ergebnis der ökonomischen und politischen Bedeutung, die China mittlerweile in Ost- und langsam auch in Südostasien hat. Da kommt man eben nicht mehr an China vorbei. Das wissen die Südkoreaner und was hilft ihnen Bündnisstreue zu den USA oder Feindschaft zu Nordkorea, wenn man damit im Endeffekt ökonomisch und politisch unter die Räder kommt.

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