Cheonan und kein Ende: Pjöngjang fischt in der Untersuchungssuppe

Das Regime in Pjöngjang scheint sich bisher nicht damit zufrieden geben zu wollen, dass es für die Versenkung der Cheonan verantwortlich gemacht wird. Das geht jedenfalls aus einer offiziellen Verlautbarung der Nationalen Verteidigungskommission hervor, die man bei KCNA nachlesen kann. In dem für KCNA-Verhältnisse extrem langen Artikel werden alle Punkte nochmal aufgegriffen, die nach Ansicht der Autoren dafür sprechen, dass es sich bei dem Bericht der internationalen Untersuchungskommission zum Untergang der Cheonan um eine

sheer fabrication and conspirational farce

gehandelt habe.

Enthalten sind dabei einige technische Kritikpunkte wie die Herkunft des Torpedos. In Nordkorea produzierte Torpedos seien

Juche-based torpedos made of steel alloy material

während der gefundene Torpedo aus Aluminium gemacht sei. Toll fand ich auch den Hinweis darauf, dass Nordkorea

possesses torpedos with such tremendous striking power that the world can hardly imagine

den man sich wohl trotz aller Unschuldsbeteuerungen nicht verkneifen konnte.

Auch die Streitigkeiten um das Antriebselement, welches nicht verbogen, dafür aber korrodiert und darüber hinaus mit Tinte mit dem Schriftzug „No.1“ (in Hangul) markiert sei, wurde wieder aufgegriffen. Weiterhin wird die Präsentation der Ergebnisse kritisiert und auf Ungereimtheiten bei Zeugenaussagen etc. hingewiesen. Insgesamt haben die Autoren des Beitrages dreizehn Haare in der Untersuchungssuppe (das Wort finde ich irgendwie treffend, denn dadurch, dass die Untersuchungskommission anfänglich sehr intransparent agierte und in der Kommunikation einige Fehler gemacht hat, machte sie die ganze Geschichte zu einem undurchsichtigen Brei, in dem sich leicht das Eine oder Andere Haar findet) gefunden.

Was den Artikel ein bisschen schwer zu lesen macht ist die übertriebene Anzahl von Beschimpfungen, die bei jeder Möglichkeit hinzugefügt wurden. Ich weiß nicht genau, ob mir das nur aufgefallen ist, weil der Artikel so lang ist und die hundertste Nennung von „US imperialists“ und der „group of traitors“ dann irgendwann doch nervt, aber es kam mir so vor, als hätte man hier sogar für KCNA Verhältnisse dick aufgetragen. Am besten ihr lest selbst und macht euch einen Eindruck von dem, was Pjöngjang zu verlautbaren hat.

Was mir in der Gesamtschau auffällt, ist die Vehemenz, mit der Pjöngjang auch Monate nach der Versenkung auf dem Thema rumreitet. Ich meine, die Koreas befinden sich gerade in einer Phase, in der die Zeichen eher auf Kooperation stehen und in der man beginnt die Cheonan-Geschichte etwas zu verdrängen. Warum holt Pjöngjang das denn gerade jetzt wieder aus der Kiste, obwohl eigentlich klar ist, dass einerseits keine wirklich schlimmen Konsequenzen daraus entstanden sind und andererseits eine Aufwärmung der Geschichte eher kontraproduktiv sein dürfte. Ich muss sagen, da bin ich relativ ratlos…

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