Die Geschäftsführerin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen besuchte Nordkorea: Lage angespannt

Josette Sheeran, die Geschäftsführerin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, besuchte bis gestern Nordkorea. Ihre Visite fand in einer Phase statt, in der die Berichte über eine angespannte Nahrungsmittelsituation im Land zunehmen. Die Gefahr einer erneuten Hungersnot soll von einer schlechten Ernte aufgrund von Trockenheit und Überschwemmungen herrühren. Außerdem gab es seit dem Amtsantritt Lee Myung-baks als Präsident Südkoreas kaum noch Nahrungsmittelhilfen aus dem Süden (Die Lieferung von 5.000 Tonnen Nahrungsmitteln vor einigen Tagen war die Erste seit etwa drei Jahren und steht trotzdem in keinem Verhältnis zu den bis zu 500.000 Tonnen, die unter seinen Vorgängern jährlich geliefert wurden).

Sheeran traf in Pjöngjang mit hochrangigen Funktionären wie Kim Yong-nam, dem Vorsitzenden des Präsidiums der Obersten Volksversammlung und Außenminister Pak Ui-chun zusammen, bevor sie einige Anlagen und Institutionen besichtigte. Sie besuchte eine Nahrungsmittelfabrik, ein Waisenhaus und ein Krankenhaus, das Kinder behandelt, die an Unterernährung leiden. Zur Situation dieser Kinder sagte sie:

„I saw many children that are already losing the battle against malnutrition and their bodies and minds are stunted,“ she said, adding that „the need there for special fortified food for the children is very strong.“

Nach Angaben des Welternährungsprogramms ist etwa ein Drittel der Nordkoreaner unterernährt. Sheeran beklagte, dass die Finanzierung der Hilfen für Nordkorea momentan nicht sichergestellt sei.

Ich habe mir mal die Auflistung der Organisation zur Finanzierung angeschaut und muss sagen, da hat Frau Sheeran aber kräftig tiefgestapelt. Vom errechneten Finanzbedarf (der verteilt sich allerdings auf mehrere Jahre) des Projektes, der sich auf knapp 395 Millionen US-Dollar beläuft, wurde gerade mal zu 20 % gedeckt. Der Anteil staatlicher Unterstützungen lag bei nur gut 5 % des gesamten Bedarfs. Der größte Spender war die Schweiz, die knapp 7 Millionen US-Dollar beitrug. Deutschland trug sich gar nicht in die Spenderliste ein. Wenn man das so liest, scheint der Verdacht (den die englischen Parlamentarier in ihrem Papier geäußert haben, das ich gestern vorgestellt habe) dass es vielen schwer falle, zwischen den Menschen in Nordkorea und dem Regime in Pjöngjang zu unterscheiden, nicht besonders abwegig. In manchen Staaten scheint man noch nicht viel dazu gelernt zu haben (ich unterstelle einfach mal ein bisschen bösartiges politisches Kalkül, oder zumindest Desinteresse an dem Schurkenstaat und seinen Menschen). Es bringt niemandem etwas, wenn die Bevölkerung in Nordkorea verhungert. Außer vielleicht dem Regime in Pjöngjang. Denn wer ständig damit beschäftigt ist, Essen für sich und seine Kinder zu organisieren, der wird sich sicherlich keine Gedanken über eine gerechte politische Ordnung machen. Das war vor 15 Jahren nicht so und das wird jetzt nicht viel anders sein. Klar: Es wird viel Geld gebraucht. Aber gar nichts zu geben…

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