Herbstliches Harmoniebedürfnis: Seoul lässt Forderung nach Entschuldigung Nordkoreas für Cheonan fallen!

Update (09.11.2010): Was die NY Times geschrieben hat scheint zu stimmen. Jedenfalls sind heute Yonhap und Xinhua mit ähnlichen Meldungen nachgezogen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch diese Information, nach der Lee Myung-bak das Thema Nordkorea (Sechs-Parteien-Gespräche) am Rande des G-20 Gipfels, mit den anderen involvierten Parteien besprechen möchte.

Ursprünglicher Beitrag (08.11.2010): Wie ich eben in der New York Times gelesen habe, hat die Regierung Südkoreas ihr Beharren auf einer formellen Entschuldigung Nordkoreas, für die Versenkung der Cheonan, derer das Regime in Pjöngjang im Rahmen einer internationalen Untersuchung (die aber noch immer etwas umstritten ist) für schuldig befunden worden war, heimlich still und leise fallen gelassen!

Der Bericht (leider kann man den nur abrufen, wenn man sich bei der NY Times registriert) beruft sich auf ein Interview mit Lee, das bereits am Samstag geführt wurde, sowie die Aussagen von Vertrauten Lees. Lee habe auf zweimalige Nachfrage hin nicht sagen wollen, dass eine Entschuldigung Pjöngjangs weiterhin die Voraussetzung für Gespräche sei. Vielmehr nutzte er die Formulierung:

For the resumption of dialogue in any form, North Korea has to show genuine interest and sincere behavior.

Die gleiche Phrase wurde später auch von einem hochrangigen Mitglied der Lee-Administration genutzt. Ein enger Vertrauter Lees habe einen Politikwechsel bestätigt und gesagt, dass eine Entschuldigung Nordkoreas nun nicht mehr die Vorbedingung für Gespräche sei.

Sollten sich diese Vermutungen als richtig herausstellen (ich bin noch ein bisschen misstrauisch, nicht zuletzt weil die Joong Ang Daily das gleiche Interview so auslegt, dass Lee das Beharren auf einer Entschuldigung bekräftigt habe), würde sich damit die Tür für neue Gespräche weit öffnen und man könnte in den nächsten Tagen und Wochen mit einer weiteren Entspannung der Situation bis hin zur Vorbereitung von Verhandlungen rechnen. Auch vom Timing her wäre ein solcher Schritt recht passend, denn immerhin werden sich alle Beteiligten außer Nordkorea noch in dieser Woche in Seoul treffen. Da könnte man doch schonmal was abmachen… Und auch wenn die USA bis zuletzt auf einer Entschuldigung Pjöngjangs beharrten, so ist ja bekannt, dass man Seoul die „Richtlinienkompetenz“ hinsichtlich der Nordkorea Politik überlassen hat. Und wenn Seoul sagt es geht ohne Entschuldigung, dann wird Washington wohl folgen. Ob die Reihenfolge hinter den Kulissen allerdings so eindeutig war, möchte ich fast bezweifeln.

Naja, fast wie vor einem Jahr, wenn die Blätter fallen und es draußen Kalt wird, hat man allenthalben das Bedürfnis nach Harmonie und einer (mehr oder weniger) kuschligen Sechserrunde…

2 Antworten

  1. Hmm.. interessant, hätte ich dem konservativen Lee nicht zugetraut.
    Aber durchaus beängstigend, dass Nordkorea 46 südkoreanische Seeleute ermorden kann und man im Namen des Friedens darüber einfach hinwegzusehen scheint ohne zumindest eine Entschuldigung zu verlangen. Daraus zieht Pjöngjang doch den Schluss, dass derartige Aktionen ungesühnt bleiben und sogar den Dialog fördern. Im Endeffekt sitzt der Norden wieder am längeren Hebel.

    • Naja, Lee weiß wohl, dass er warten könnte bis er abgewählt wird, wenn er sich eine Entschuldigung erhoffte. Für mich zeigt das Ganze vielmehr den Mangel einer vernünftigen Strategie Südkoreas und der USA. Das Regime weiß, dass da keine Strategie ist und nutzt das aus. Nichts was Washington und Seoul in den letzten zwanzig Jahren versprachen oder androhten (beides gleichermaßen) hatte Bestand. Das gibt Spielräume. Solange man sich keine langfristige Strategie einfallen lässt, führt Pjöngjang die beiden vor. Das Problem ist nur, dass niemand weiß was eine Strategie sein könnte. Da das Angebot an gescheiterten Vorgehensweisen aber zunimmt, kann man immerhin nach Ausschlussverfahren vorgehen (das sollte man aber auch und nicht alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen).
      Und was die Sühne für die Cheonan angeht: Da muss man sich wohl damit zurechtfinden, die auf die Zeit nach der Wiedervereinigung zu verschieben. Wenn man jeglichen Dialog blockierte, bis sich Nordkorea entschuldigte, würde man sich vermutlich auch noch hinsichtlich künftiger Opfer schuldig machen. Moralisch bedenklich, aber Moral hat bei realpolitischen Überlegungen eben auch bestenfalls einen Platz als schwaches Argument. Schlimm aber wahr.

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