Da muss jetzt was kommen! – Pjöngjang ist am Zug

Ich habe ja kürzlich über hoffnungsvolle Signale geschrieben, die vor allem von Südkorea ausgingen und die neue Perspektiven für eine Entspannung der Situation auf der Koreanischen Halbinsel boten, vielleicht sogar die Tür für neue Verhandlungen einen Spalt weit öffneten. Die Signale mehren sich, aber wird das reichen?

Russland und Südkorea: Gespräche wiederbeleben

In die Kategorie „positive Signale“ passen wohl auch Aussagen, dass Russland und Südkorea gemeinsam versuchen wollen, die Sechs-Parteien-Gespräche um die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel wiederzubeleben. Diese gemeinsame Position wurde auf einer Pressekonferenz des russischen Präsidenten Dmitry Medvedev und seines südkoreanischen Kollegen Lee Myung-bak bekanntgegeben. Weiterhin sagte Medvedev:

As room for conflict remains in Northeast Asia and Asia Pacific region, I believe that countries have no choice but to hold dialogue and cooperate.

Während die Haltung Russlands keine Überraschung ist, bestätigen die Berichte, dass sich Seoul nun aktiv um einen Dialog bemühen will.

USA, wenig visionär, aber Lee führt

Weniger Visionär zeigte sich US Präsident Barack Obama. Bei einer Ansprache vor US Soldaten in Seoul vertrat er nur wohlbekannten amerikanischen Standpunkte, als er sagte:

If they choose to fulfill their international obligations and commitments to the international community, they will have the chance to offer their people lives of growing opportunity instead of crushing poverty — a future of greater security and greater respect; a future that includes the prosperity and opportunity available to citizens on this end of the Korean Peninsula

Auf einer Pressekonferenz mit Lee Myung-bak wiederholte er dann noch weitere Standardfloskeln. Er

urged North Korea to address South Korea’s concerns over the March 26 sinking of a South Korean warship and end its belligerent behavior.

Nordkorea solle seinen Verpflichtungen nachkommen und aufhören andere zu bedrohen. Die USA hätten an einer Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche nur Interesse, wenn man sich davon auch konkrete Ergebnisse versprechen könne. Lee fügte dann noch seine neue Lieblingssprachregelung hinzu, die aber inhaltlich weiter geht, als alles was Obama sagte:

President Obama and I reconfirmed that North Korea’s (move) to take a responsible attitude toward the Cheonan incident will be the starting point for the substantial development of South-North relations.

Eine „responsible attitude“ Nordkoreas hinsichtlich des Cheonan-Untergangs ist also gefragt. Ein angenehm dehnbarer Begriff, genau wie die US Forderung nach Erfüllung der internationalen Verpflichtungen und nach „Ernsthaftigkeit“ hinsichtlich der Sechs-Parteien-Gespräche.

Von den Schwierigkeiten ein Geschäft zu machen, ohne die Preise zu kennnen

Diese Dehnbarkeit der Begriffe stellt eine Chance, aber auch eine Herausforderung für das Regime in Pjöngjang dar. Die Chance ist die Zusage, dass man bei Erbringung einer Leistung eine Gegenleistung zu erwarten hat. Die Herausforderung besteht darin, herauszufinden was die Leistung sein soll, also wie hoch der Preis ist. Das bringt Pjöngjang in die unangenehme Situation, vor der jeder steht, der auf dem Markt etwas kaufen will, für das kein Preis ausgeschrieben ist. Der Händler kennt seinen Preis, nennt ihn aber nicht. Als Käufer läuft man Gefahr zu hoch oder zu niedrig anzusetzen und versucht Informationen über den Preis des Verkäufers zu bekommen. Gelingt das nicht, läuft man sehr große Gefahr, ein schlechtes oder gar kein Geschäft zu machen. In dieser unkomfortablen Situation findet sich Pjöngjang gerade wieder und versucht den Preis auszuloten.

Pjöngjang in einer neuen und schwierigen Situation

Nichtsdestotrotz wird aus Pjöngjang bald irgendwas kommen müssen, sonst könnte der Deal (ein bisschen viel gesagt, aber in diesem Fall ist der Deal, dass man wieder spricht) platzt. Die Frage ist nur was wird Nordkorea bieten? Das ist vor allem daher interessant, weil es bisher eigentlich immer gereicht hat, seine bloße Anwesenheit anzubieten. Und die Information, dass das diesmal nicht ausreichen wird, reiben Seoul und Washington dem Regime bei jeder Gelegenheit unter die Nase. Also eine neue und nicht eben leicht zu lösende Situation für Pjöngjang. Ich bin gespannt ob es einen Handel gibt und wer dabei besser abschneidet…

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