Pjöngjang geht gegen die private Nutzung von Automobilen vor

Wie man kürzlich auf North Korean Economy Watch lesen konnte, hat das IFES einen interessanten NK Brief  (ein Newsletter mit dem IFES regelmäßig über vor allem über wirtschaftliche Entwicklungen in Nordkorea informiert) veröffentlicht, in dem beschrieben wird, dass Pjöngjang die private Nutzung von PKW und LKW stark eingeschränkt hat.

Im Detail bedeutet das, dass gegen die Praxis, eigene Autos als inoffizielle Transportmittel kommerziell anzubieten, vorgegangen wird. Das schärfere Gangart ist auf einen Erlass des Ministeriums für Volkssicherheit (Ministry of People’s Security) zurückzuführen, in dem bestimmt wird, dass Fahrzeuge die genutzt werden um privates Einkommen zu erzielen, konfisziert werden. In der Folge wurde die Nutzung von privaten Fahrzeugen deutlich verschärft.

Der Transport von Menschen und Gütern mit solchen privaten „service cars“ ist in den vergangenen Jahren das primäre Transportmittel im Land geworden, nachdem aufgrund des Energiemangels der öffentliche Verkehr immer mehr an Zuverlässigkeit verloren hatte.

IFES führt das strengere Vorgehen der Behörden unter anderem darauf zurück, dass die Generierung privaten Einkommens mit Fahrzeugen, die sich per Definition in Volkseigentum befinden, gegen die Grundlagen einer sozialistischen Wirtschaft verstößt. Vor allen Dingen scheinen aber die damit verbundenen Gesetzesverstöße wie Urkundefälschung und Bestechung ein so großes Maß erreicht zu haben, dass das Regime glaubt, dagegen vorgehen zu müssen.

Allerdings hat ein Vorgehen gegen die entstandenen Strukturen privat organisierten Transports auch weitere Folgen. Durch die gesunkenen Transportkapazitäten kann die Produktion sinken und außerdem ist ein Rückgang des Lebensstandards zu erwarten, da Menschen, die ihr Einkommen mit Handel verdienen diesem Geschäft nur noch eingeschränkt nachgehen können und auch weniger Waren ins Land kommen.

Und an dieser Stelle möchte ich etwas hinzufügen, das nicht in dem Bericht von IFES steht. Dieses Vorgehen des Regimes zielt offensichtlich auf die gleichen Menschen, auf die unter anderem auch die Währungsreform vor etwa einem Jahr zielte. Händler, die eine neu entstandene Mittelschicht bilden und deren Einkommen mehr und mehr von der Staatswirtschaft unabhängig wird. Man könnte die Maßnahme auch als einen weiteren Nadelstich gegen die privatwirtschaftlichen Strukturen sehen, die sich im Land mehr und mehr breit machen. Das würde zur großen Linie der Wirtschaftspolitik des Landes passen.

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