„Ich sag’s deiner Mama“: Die USA und Südkorea auf der Suche nach Strafmaßnahmen

Wenn man als Kind permanent von einem anderen, vielleicht stärkeren, vielleicht nur aggressiveren Kind geärgert wird, dann lautet die ultimative Drohung: „Ich sags deiner Mutter.“ Zu dieser greift man, wenn man durch Gespräche oder ähnliches mit dem stressigen Vogel nicht zurande  kommt und man auch nicht genug starke Freunde hat, die einem helfen dem Aggressor eine Abreibung zu verpassen. Von der Mutter-Drohung erhofft man sich, dass das andere Kind bestenfalls allein durch selbige von weiteren Würfen mit Matschklumpen etc. absieht, anderenfalls sagt man es eben tatsächlich der Mutter. Die wird den Rabauken schon zur Raison bringen und dann ist Ruhe im Karton. Dumm nur, wenn der Fremden Mutter ihr eigener Zögling näher ist, als das fremde Balg, dem man ohnehin nicht nur Gutes zutraut (und das man ohnehin unsympathisch findet).

In einer ähnlichen Situation steckt man gerade in Ostasien (mal wieder). Den USA und Südkorea fällt einfach nichts anderes mehr ein. Pjöngjang lässt sich durch keinen der (zugegeben nicht besonders einfallsreichen) strategischen Winkelzügen der beiden beeindrucken, sondern wird immer gemeiner. Also lässt man in Seoul und Washington alle Hoffnung fahren, dass man selbst Einfluss auf den Bösewicht nehmen könnte (wie gesagt, einen Mangel an Kreativität in beiden Hauptstädten kann man ja nicht erst seit vorgestern beobachten) und wendet sich an die Mutter. Eigentlich gibt es ja keinen Experten, der in den letzten Tagen nicht gesagt hat: „China hat den nötigen Einfluss.“ Und eigentlich wandte sich ja auch so ziemlich jeder Politiker an China, sogar unsere Kanzlerin. Nur ist China auch dieses Mal erstaunlicherweise nicht gewillt, dem kleinen  Nachbarn seinen Schutz zu entziehen. Wenn man sich in einer solchen Sache an China wendet erwartet man eine klare Stellungnahme. Aber es sieht so aus, als würde es den USA und Südkorea ergehen wie der erfolglosen Petze. „Zu einem Streit gehören immer Zwei. Ihr müsst euch eben beide etwas zurückhalten.“ Das oder ähnliches hab ich schon recht oft gehört und hm, es klingt (irgendwie) fast wie die wörtliche Übersetzung dessen, was Chinas Premier Wen Jiabao in Moskau zu sagen hatte:

China is firmly committed to maintaining the peace and stability of the Korean peninsula and opposes any provocative military acts

Nordkorea wurde nicht an den Pranger gestellt, nicht einmal genannt. Nordkorea ist zwar gemeint, aber genauso sind es Südkorea und die USA. Und das geplante Militärmanöver, das am Sonntag beginnen soll, kann man in die allgemein gehaltene Aussage Wens genauso mit einbeziehen, wie den Artilleriebeschuss von Yonpyong. Vielleicht wird man, wenn die Denunzianten verschwunden sind, seinem eigenen Spross mal ordentlich den Kopf waschen. Aber nicht in der Öffentlichkeit und das wäre das Einzige gewesen, was den USA und Südkorea eingefallen wäre, um den Norden zu bestrafen. Aber damit nicht genug: Manche Leute mögen keine Petzen. Manche finden das schleimig und anbiedernd und obwohl sie wissen, dass die Petze irgendwie im Recht ist, lassen sie die Petzen ihr Missfallen spüren (Im Falle Chinas könnte man das natürlich auch darin begründet sehen, dass man nicht gerne vor der Staatengemeinschaft bloßgestellt wird. Und das tun die USA und Südkorea ja irgendwie, weil sie China eine Mitschuld unterstellen, da es zu wenig Einfluss auf Nordkorea nimmt.). Erstaunlicherweise hatte Chinas Außenminister Yang Jiechi, kurz vor einer geplanten Reise nach Seoul am Freitag, plötzlich Terminprobleme und musste diese Absagen. Das ist deutlich. Außerdem äußerte man sich recht klar hinsichtlich des geplanten Seemanövers:

‚We have taken note of relevant reports and express concern,‘ foreign ministry spokesman Hong Lei told reporters, when asked about the planned exercises. ‚We oppose any act that undermines peace and stability on the (Korean) peninsula.‘

Da stellt China Seoul und Washington deutlicher an den Pranger als es das  im Falle Pjöngjangs getan hat.

Würde mich wundern, wenn China seine Position hier noch ändert und damit bringt es wiederum die USA und Südkorea unter zweifachen Zugzwang. Einerseits müssen diese bei ihrem sicherlich sehr imponierenden Militärmanöver (ich will gar nicht wissen wie oft ich gehört, gelesen und gesehen habe, dass die U.S.S. Washington über 6.000 Mann Besatzung hat) sehr vorsichtig sein, denn China hat klar gemacht, wem es eine weitere Eskalation in dessen Folge ankreiden würde (die Chance hat sich Pjöngjang übrigens nicht entgehen lassen und nochmal klar gemacht, wie schnell man sich von dem Militärmanöver provoziert fühlen wird. Dieses Mal über das Außenministerium). Naja und ein sehr vorsichtiges Militärmanöver ist dann gleich nicht mehr wirklich beeindruckend. Andererseits stehen Seoul und Washington aber weiterhin ohne tragfähige Strategie da. Ihr grandioser Plan-B: „Ich sags deiner Mama“ ist nach Hinten losgegangen und sie wissen immer noch nicht, was sie tun können/sollen.

So bitter es ist. Am Reden mit dem Feind kommt man wohl kaum vorbei, will man nicht die komplett entgegengesetzte Alternative, den Krieg, wählen. Und das ist in diesem Fall definitiv die letzte Option. Strategic Patience ist auf jeden Fall zu Ende. Außer man ist sehr geduldig. Denn Nordkorea wird solange weitermachen, bis etwas passiert.

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