Südkoreanische Geheimdienste wussten seit August von Angriffsvorbereitungen Nordkoreas

Eigentlich wollte ich es für heute gut sein lassen aber was ich gerade gesehen habe will ich euch nicht vorenthalten. So langsam wirds nämlich echt peinlich für Lee Myung-bak und seine Leute. Wie man bei Forbes nachlesen kann, hatte der südkoreanische Geheimdienst Ende August Informationen darüber bekommen, dass Nordkorea sich auf einen Angriff auf eine oder mehrere der südkoreanischen Inseln nahe dem nordkoreanischen Festland vorbereite:

Won told lawmakers in a private briefing Wednesday that South Korea had intercepted North Korean military communications in August that indicated Pyongyang was preparing to attack Yeonpyeong and other front-line islands.

Allerdings nahm man die Berichte nicht ernst sondern hielt sie für eine „Standarddrohung“

Won didn’t expect that attack to be on civilian areas and considered it a „routine threat,“ according to the office of lawmaker Choi Jae-sung who attended the closed-door session.

Auch die Aussagen des südkoreanischen Generalstabs, die die neuen Erkenntnisse entschärfen sollten, finde ich nicht besonders entschärfend:

South Korea’s Joint Chiefs of Staff tried to play down Won’s comments, saying the intelligence was that North Korea ordered its troops to prepare to return fire should South Korea conduct artillery drills.

Aha, Ok, man dachte nur Artillerieübungen würden eine Reaktion des Nordens auslösen. Da war es ja nur Folgerichtig, dass Schießübungen mit Schiffen unmöglich etwas Ähnliches bewirken konnten. Wie könnte man dann auch auf den Gedanken kommen, die eigenen Leute zumindest darauf vorzubereiten, dass etwas passieren könnte.

Da ist etwas in der Kommunikation gehörig schief gelaufen, oder die südkoreanischen Dienste sind gegenüber den Drohungen des Nordens mittlerweile so abgestumpft, dass diese von vorne herein nicht ernst genommen werden. Erinnert mich irgendwie an das, was vor gut neun Jahren beim großen Verbündeten Südkoreas passiert ist. Vielleicht sollte man alle Geheimdaten in einer riesigen Datenbank für fast jedermann zugänglich sammeln, hat den USA ja auch nur Gutes gebracht.

Aber mal ab davon. Lee Myung-baks Politik wird zunehmend unglaubwürdig. Das Problem ist, dass sich Anspruch und Realität gegenüber Nordkorea oft nicht decken. Wer verbal auf Hardliner macht, der muss auch in seiner Politik so agieren und in der Lage sein die Konsequenzen abzuwehren. Lees Politik bewirkt in Teilen ein aggressives Vorgehen Nordkoreas, damit muss man in Seoul spätestens nach der Versenkung der Cheonan rechnen. Gleichzeitig scheint die Politik aber nicht zu bewirken, dass Armee und Geheimdienste auf dieses Aggressive Vorgehen vorbereitet sind. Da gibt es schwere Fehler in der strategischen Planung die sich der Präsident teilweise selbst ankreiden muss.

Alternativ kann es natürlich auch sein, dass die Lee Administration Nordkorea einfach nicht ernst nahm und nimmt. Die Nordkoreapolitik Lees, die seit seinem Amtsantritt sehr konsistent war bot genau drei Optionen, wie sich die Beziehungen zum Norden entwickeln könnten:

  1. Nordkorea erfüllt die Forderungen Lees, dann ist eine Verbesserung möglich.
  2. Nordkorea tut es nicht und darbt weiter still vor sich hin, bis Lee das Problem seinem Nachfolger übergeben kann.
  3. Das Regime in Pjöngjang kollabiert, dann wird über kurz oder lang alles besser.
  4. Alternative vier, das Regime geht zunehmend in die Offensive und wird vom armen sehr seltsamen Nachbarn wieder zur echten Bedrohung, hatte Lee einfach nicht auf der Karte.

Wenn dies der Fall ist, dann steht Lee vor dem großen Problem, dass Alternative vier nicht durch stoisches Beharren auf der eigenen Position zu handhaben ist.

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