Überraschende Einladung und noch überraschenderer nicht-Besuch (UPDATE I)

Update (09.12.2010): Kaum schreibt man darüber, dass Dai Bingguo nicht nach Pjöngjang gefahren ist, schon tut er genau das. Im Rahmen des Besuchs traf er sich auch mit Kim Jong Il und man sprach über Themen von beidseitigem Interesse sowie über die Förderung der freundschaftlichen und kooperativen Beziehungen der beiden Staaten. Die Gespräche fanden in einer offenen und angenehmen Atmosphäre statt und man erreichte ein Einvernehmen. Das ist so ziemlich alles, was aus den Berichten der nordkoreanischen und chinesischen Staatsmedien hervorgeht. Allerdings kam Dai Bingguo nicht allein, sondern hatte noch einige Schwergewichte der chinesischen Außenpolitik dabei, unter anderem den Chefunterhändler bei den Sechs-Parteien-Gesprächen Wu Dawei und Vizeaußenminister Zhang Zhijun. Ob sich Kim und Dai nach dem Treffen noch ein gemeinsames Gläschen gegönnt haben ist leider nicht bekannt.

Ursprünglicher Beitrag (08.12.2010): Wie mehrere Medien melden, wird Bill Richardson, (noch) Gouverneur von New Mexico, in der kommenden Woche nach Nordkorea reisen. Der Besuch soll auf die Einladung von Personen hin zustande kommen, die mit Nordkoreas Nuklearprogramm verbunden sind. Richardson, der sich in der Vergangenheit schon öfter als Vermittler in Krisengebieten wie dem Sudan, Afghanistan und der Demokratischen Republik Kongo, aber eben auch Nordkorea hervorgetan hatte, wird aber keine offizielle Botschaft der US Regierung mitnehmen. Der Besuch wird rein „privater Natur“ sein.

Die Tatsache, dass die Einladung aus der Nuklearcommunity kommt, deutet darauf hin, dass die Reise wohl nichts mit den jüngsten Spannungen um Yonpyong zu tun haben wird. Allerdings stellt sich dann gleichzeitig die Frage, wozu man Richardson überhaupt einlädt, denn man sollte ja meinen, dass man nach der Offenbarung der Urananreicherungsanlage gegenüber Siegfried Hecker nicht mehr viel zu zeigen hat. Sollte man meinen! Die Einladung weist in eine andere Richtung und in Anbetracht der gegenwärtigen Lage, ist der Gedanke nicht völlig abwegig, dass man die Weltöffentlichkeit mit einer weiteren Offenbarung erschrecken wird. Alternativ könnte man die Welt aber auch mit einem interessanten Angebot überraschen. Ich würde allerdings eher ersteres erwarten.

Neben dieser überraschenden Einladung gab es der Chosun Ilbo zufolge aber auch einen überraschenden „Nicht-Besuch“. Dai Bingguo, der hochrangige chinesische Diplomat, der unmittelbar nach seinem Besuch in Südkorea Ende November nach Pjöngjang reisen wollte/sollte, hat dies scheinbar nicht getan. Man sollte ja denken, dass die Chinas Diplomaten, nachdem sie in den letzten Tagen Nordkorea mit allen Kräften den Rücken gestärkt haben, in Pjöngjang willkommen wären. Scheinbar nicht. Die Chosun Ilbo mutmaßt, dass der (bisher) ausgefallene Besuch, von Kim Jong Il nicht gewünscht gewesen sei, da Dai Bingguo unmittelbar vorher in Seoul war. Das ist möglich. Aber auch nicht völlig abwegig wäre, dass Kim Jong Il die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente gelesene hat und danach keine Lust mehr hatte, auf eine nette Kognakrunde oder überhaupt irgendein Treffen mit Dai Bingguo, vielleicht sogar mit chinesischen Diplomaten generell. Man weiß es nicht und das wird man vermutlich auch nie erfahren. Was wir aber erfahren werden ist, ob und wann ein Abgesandter Chinas nach Pjöngjang fährt und wer es ist. Das dürfte dann ein Zeichen sein, wie es um die Beziehungen der beiden steht.

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