Der traut sich was! Selig S. Harrisons Vorschlag zur Verlegung der NLL

Leider habe ich nicht viel Zeit, aber auf diesen Artikel in der Ney York Times möchte ich euch trotzdem noch schnell aufmerksam machen. Darin macht Selig S. Harrison, ein Experte der oft sehr liberale Positionen vertritt und sich daher mitunter Angriffen konservativer ausgesetzt sieht, einen Vorschlag, wie die Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel etwas gelockert werden können. Normalerweise kommen mir solche Begriffe nicht schnell über die Lippen (oder in diesem Fall auf den Bildschirm), aber hier fällt mir nichts anderes ein als: Appeasementpolitik in Reinform.

Harrison schlägt vor, man möge die Northern Limit Line (NLL), die umstrittene Seegrenze westlich der Koreanischen Halbinsel etwas nach Süden (also zugunsten Nordkoreas) verlegen um so eine Grundursache für die jüngsten militärischen Zwischenfälle und einen generellen Grundkonflikt zwischen den Koreas zu beseitigen. Wenn man die Lage der NLL tatsächlich als zugrunde liegende Ursache für das um-sich-Schlagen des Regimes in Pjöngjang sehen würde, dann könnte es natürlich tatsächlich funktionieren, wie sich Harrison das vorstellt: Pjöngjang fühlt sich danach fair behandelt, es gibt Friedensverhandlungen und dann denuklearisiert sich Nordkorea und alle werden Freunde. Allerdings dürfte Harrison mit der Idee, die NLL sei eine (Grund-)Ursache, relativ allein dastehen. Die Grenze im Westmeer ist ein Aufhänger. Und wenn der keinen Grund für Aggressionen liefert, dann wird man schon andere Aufhänger finden. Durch eine Verlegung der NLL würden die USA wohl nicht viel mehr bewirken, als dass die Allianz mit Südkorea davon nachhaltigen Schaden nehmen könnte und sich der Norden in seinem aggressiven Handeln bestätigt fühlt. Wie man auf so eine Idee kommen kann und vor allem in der momentanen Situation, ist mir relativ schleierhaft. Sollte es irgendwann nochmal zu ernsthaften Verhandlungen kommen, dann wäre eine Verlegung der NLL sicherlich ein interessanter Anreiz, den man in ein Paket packen könnte (obwohl ich selbst da Zweifel an der Praktikabiliät habe), aber ein Verlegung quasi als Belohnung für die Aggressionen der jüngsten Zeit halte ich nicht für besonders sinnvoll.

Auch interessant im Zusammenhang mit diesem kontroversen Artikel ist folgender Fakt: Als ich ihn gestern gelesen habe standen da zwei Namen drüber: Selig S. Harrison und John H.Cushman, ein pensionierter Leutnant der US-Armee, der unter anderem in Korea gedient hatte. Heute steht nur noch Harrisons Name drüber und drunter steht eine Anmerkung der Redaktion, dass Cushman seinen Namen eigentlich nicht über dem Artikel lesen wollte (hm?!), das aber im Veröffentlichungsprozess verschütt gegangen sei. Peinlich, peinlich. Und was bitte soll es helfen, wenn man dann noch dazu schreibt, dass der Autor seinen Namen nicht in Verbindung mit dem Artikel sehen wollte? Besser macht das es jedenfalls nicht…

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