Dokumentation über die Koguryo-Gräber

Die südkoreanische Abschreckung wirkt. Auf jeden Fall bei mir. Ich habe nämlich keine Lust mich mit jedem neuen Manöver zu beschäftigen und wende mich deshalb einem eher unkriegslüsternen Thema zu. Vor einiger Zeit habe ich auf einem dritten Programm eine interessante Dokumentation über Nordkoreas einziges Weltkulturerbe gesehen, die ich euch kurz vorstellen möchte. Dabei geht es um die Koguryo Gräber. Koguryo war eine mächtige Herrscherdynastie, die vom dritten Jahrhundert vor Christus bis zum siebten Jahrhundert nach Christus über den nördlichen Teil der Koreanischen Halbinsel und Teile der heutigen Mandschurei herrschten. Dieses Youtube Video beschäftigt sich mit der historischen Bedeutung, aber auch den technischen und kulturellen Errungenschaften dieser Zeit:

Kim Il Sung und damit auch Kim Jong Il beriefen und berufen sich in ihrer Herrschaftslegitimation auf eine angebliche Abstammung von dieser Dynastie und dementsprechend ist man in Pjöngjang auch mächtig stolz auf „sein“ UNESCO Weltkulturerbe.

Hier gibt es die viertelstündige Deutschsprachige Dokumentation „Koguryo Grabstätten — Kampfbereit bis in alle Ewigkeit“ zu sehen.

Auf der UNESCO Seite habe ich eine kleines englischsprachiges Filmchen zu den Grabstätten gefunden:

Mehr Informationen zu den Gräbern könnt ihr auch auf der Seite der UNESCO, die den Gräbern gewidmet ist, finden.

10 Antworten

  1. Das Koguryo-Volk muss in Nordkorea m.E. weniger für die Herrscherlegitimation der Kim-Familie herhalten, sondern dient als Vorbild der Militärkunst und des allgemeinen Kunstsinnes der Nordkoreaner.
    Als Schöpfer der Nation gilt auch in Nordkorea der Tangun (der Sohn eines Himmelsjünglings und einer Bärin), aber nicht als mythische Figur wie im Süden, sondern als reale Figur, wie nach Meinung der kcna Kim Il-Sung und sein Sohn Jong-Il eindrucksvoll nachgewiesen haben:

    http://www.kcna.co.jp/item/2010/201010/news03/20101003-07ee.html

    Die kcna-Berichte sind immer wieder unterhaltsam.
    So wird berichtet, dass der (reale) Tangun genau 5011 Jahre vor 1993 seinen Geburtstag hatte; die Geschichte Koreas ist also doch älter als 5000 Jahre!
    http://www.kcna.co.jp/item/2008/200810/news31/20081031-12ee.html

  2. Die meisten Historiker, unter denen ich lernen durfte, erklärten mir ohnehin, dass man vor der Koryo-Zeit ab 918 n.Chr. kaum von „einem Korea“ im Sinne einer sich homogenisierenden Kultur und Ethnie sprechen kann. Selbst das „reichseinende Shilla“ hat durch seinen schnellen Zerfall in die ursprünglichen Reiche eher bewiesen, dass sich die verscheidenen Völker dieser Zeit noch nicht als Einheit begriffen (ebenso, wie man die verschiedenen Stämme in „deutschen Landen“ in dieser Zeit kaum unter einen nationalistischen Hut bringen kann).

    Ungeachtet dessen, betreffend der vorchistlichen „koreanischen Geschichte“ sollte zumindest erwähnt werden, dass es vor den ersten chinesischen Randnotizen über die verstreuten „Barbarenvölker im Osten Chinas“, keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Geschehnisse auf der koreanischen Halbinsel gab. Das einzige, was die chinesischen Quellen aussagen, ist, dass Chinesen, darunter womöglich Gija und später Wiman, sich absetzten und dort kleine (anti-China) Reiche gründeten (lokale Stämme vereinten?), die dann im 1. Jahrhundert von China durch eingerichtete Kommandaturen so geschwächt wurden, dass sie sich (wieder) in kleineren Stämmen verstreuten und Stammstaaten bildeten, aus denen dann die Drei Reiche Koreas entstanden, Shilla, Koguryo und Paekche.

    Dass die nordkoreanischen Nationalisten behaupten können, es hätte ein koreanisches Reich um 5.000 vor Christus gegeben, geht auf Interpretationen von Schriften aus dem 13. bzw. 15. Jahrhundert zurück.

    • Koreanische „Nationalisten“ geben sich meist mit einer 5000-jährigen Geschichte (ab heute gerechnet, nicht 5000 vor Chr.) Koreas zufrieden, alleine deshalb schon, weil die von dir angeführten Schriften aus dem 13. und 15. Jhdt. (Samguk Yusa und Dongguk Tonggam?) die mythologische Gründung eines ersten koreanischen Reiches durch Tangun mit 2333 v. Chr. angeben.

      • Moment, hier muss klar zwischen Nord- und Südkorea unterschieden werden, denn Nordkorea rechnet ca. 5000 vor Christus während Südkorea die genannten 2333 angibt.
        Der einzige Grund, warum Nordkorea ca. 5000 Jahre vor Christus in die Daten von Samguk Yusa und Dongguk Tonggam hineininterpretiert, ist, damit „Korea“ eine ältere Gründungs-Geschichte hat, als China.

        • Achja, und die Daten in Samguk Yusa und Dongguk Ton wiedersprechen sich übrigends, was die ganze Mythen-Datierung ohnehin schwierig macht.

        • Könntest Du bitte für Nordkoreas Angaben, die Geschichte Koreas begänne schon 5000 v. Chr., eine nordkoreanische Quelle anführen;

          in einem KCNA- Artikel vom 16. Nov 2010, wo Japan verbal attackiert wird, steht auch nur etwas über die „5000-jährige“ Geschichte Koreas:

          „…They (Anm.: die Japaner) worked hard to implant into the minds of the Koreans the samurai spirit in a bid to „Japanize“ in decades the Korean nation with a history spanning 5,000 years. …“

          • Ok, da hab ich mich wohl etwas mitreißen lassen, hatte nur noch in Erinnerung, dass Nordkorea es anders datiert, als Südkorea, um China eins auzuwischen.

            Die Angaben zum Mythos sind also wie folgt:
            Südkorea 2333 v.Chr.
            Nordkorea 3000 v.Chr. (nach KCNA-Angaben)
            (weil China 2850 v.Chr. angibt)
            sorry für die Verwirrung.

            Das mit den 5000 Jahren Kulturgeschichte benutzen einige Südkoreaner allerdings auch, wohl weils praktischer ist (selbst wenn die 656 Jahre noch etwas hin wären…aber wär zählt schon).

  3. Sorry für die Kleinkariertheit, es ist nicht das „dritten Jahrhundert vor Christus“ sondern „dreisig vor Christus“. Und naja, das Youtube-Video ist mehr als populistisch und nationalistisch aufgeladen ^^ Gleich zu Beginn z.B. fällt der Begriff des Reichs „Ko-Chosŏn“, eine mythische Dynastie, die wohl nie so exisitiert hat… außer natürlich in koreanischen Geschichtsbüchern (wohl vor allem auch im Norden).

    • Ganz im Gegenteil. Danke für die Kleinkariertheit, ich finde zusätzlich Informationen und Korrekturen wichtig und hilfreich. Ich bin kein Historiker und die Geschichte Asiens wird in deutschen Schulen ja weitgehend ignoriert, daher muss ich das glauben was ich sehe/lese. Naja, und was die Dauer des Koguryo-Reichs angeht hab ich mich auf die Infos der UNESCO gestützt, die haben es im 3. Jhd. vor Christus angesetzt.
      Was (vermutlich den ersten) Schnipsel von Youtube angeht, hast du vermutlich recht (wie gesagt, ich kann das schlecht einschätzen), ich fands aber trotzdem interessant, eine kleinen Vorstellung von Koguryo zu bekommen. Den zweiten Schnipsel hat die UNESCO verlinkt und ich habe ihm daher eine gewisse „Solidität“ eingeräumt.

      • Das traurige an der modernen Geschichte Ostasiens ist:
        Gleichzeitig aber unabhängig von den nordkoreanischen Koguryo-Gräbern wurden auch die chinesischen Koguryo-Gräber ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen
        (siehe: http://www.unescoworldheritagesites.com/koguryo-kingdom_china.htm )

        Warum eine geteilte Aufnahme, obwohl es sich um das gleiche Volk handelt? Die Chinesen und Koreaner (NK und SK agierten hier gemeinsam!) gerieten sich darüber in die Haare, ob die Koguryo ein chinesisches oder koreanisches Volk waren! Hätte man eine(n) Koguryo dazu befragen können, hätte er (sie) wohl beides verneint.
        Vor ein paar Jahren (während der Sunshine-Politik Kim Dae-Jungs) wurde in Südkorea eine eigene Oper („Oh Koguryo“) komponiert, dort einstudiert und mit südkoreanischen Künstlern und einem enormen finanziellen Aufwand in Pyongyang dann aufgeführt.
        Pikantes Detail am Rande: Das sowohl im südkoraenischen als auch nordkoreanischen youtube-Film gezeigt Grab „Anak III“ (im südkor. Beitrag als „Anack“ geschrieben) – es ist das berühmtetste aller Koguryo-Gräber mit Wandmalereien – zeigt in den bildlichen Darstellungen und beschreibt mit der (chinesischen) Grabinschrift als den dort Bestatteten nicht einen Koguryo-Würdenträger, sondern einen chinesischen Flüchtling, der aus dem benachbarten damaligen Yen-Reich nach Koguryo floh. Das wird in den süd- und nordkoreanischen Geschichtsbüchern meist übersehen, von der nordkoreanischen Propaganda als üble Falschinformation abgestempelt.

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