Warum man nicht alles glauben sollte, was über Nordkorea in der Zeitung steht…

Nur ganz kurz möchte ich euch auf einen sehr interessanten und lesenswerten Artikel in der Korea Times aufmerksam machen. Dort beschäftigt sich Lee Chang-sup mit der Informationslage zu Nordkorea und nimmt die Quellen, aus denen Informationen über die Vorgänge im Land gewonnen werden, kritisch in den Blick. Die Aussage, dass sich über die Hälfte der Berichte, die in den letzten Jahren über Vorgänge in Nordkorea veröffentlicht wurden, als falsch herausstellten, verwundert nicht sehr, ist aber, was das Ausmaß der Falschmeldungen angeht, durchaus bemerkenswert. Nimmt man dann noch die Tatsache hinzu, dass wir als Deutschsprachler einer zweiten Medienbarriere unterliegen, die dadurch entsteht, dass die Zeitungsredaktionen entscheiden welche Nachrichten sie ins Deutsche übersetzt übernehmen, kann man wohl davon ausgehen, dass die Menge falscher Meldungen bei uns noch etwas höher ist.

Warum? Sensationen und Skurrilität lassen sich ja schon grundsätzlich besser verkaufen, als sachliche nüchterne Informationen. Aber Nordkorea ist darüber hinaus noch ein Sonderfall. Das Bild (wenn überhaupt), dass den meisten Menschen hier vorschwebt, wenn sie „Nordkorea“ hören, ist ein überaus skurriles, abwegiges, irgendwie krankes. Und an diesem (selbstgeschaffenen) Bild vom irren Schurkenstaat orientieren sich unsere Medien. Denn wer will schon was über einen Personalwechsel im Amt des Premierministers lesen, wenn man gleichzeitig „Infos“ über die Fernsehgewohnheiten Kim Jong Uns, über Mord und Totschlag in der Führerfamilie oder die Filmsammlung Kim Jong Ils bekommen kann. Das Bild vom „irren Schurkenstaat“ ist ein Selbstläufer geworden. Das heißt nicht, dass all das, was an Seltsamem und Erschreckendem aus dem Land berichtet wird, letztendlich falsch ist. Aber diese Sensationsnachrichten haben vermutlich schon eine höhere Fehlerquote als die langweiligen aber dafür gesicherten Informationen (Achja, Open Doors hat wieder den „Weltverfolgungsindex“ veröffentlicht. Zumindest was Nordkorea angeht, beruht der wohl wieder mal auf einer Ansammlung von Spekulationen und Gerüchten (mal ganz abgesehen davon, dass auch die Indexierung vollkommen Intransparent ist). Das hält aber kaum ein großes Medium davon ab, auf dieser „Quelle“ aufbauend, (mehr oder weniger reißerische) Artikel zu veröffentlichen. An alle die mich jetzt gerade in die Schublade „Unmensch“ packen wollen: Die Menschenrechtverstöße und die Unterdrückung von Religionen in Nordkorea sind zweifellos schreckliche Verbrechen. Aber wer kann den glauben, dass man etwas bessern würde, indem man verzerrte bis falsche Bilder in die Welt hinausposaunt? Ich jedenfalls nicht). Und damit bin ich auch wieder bei dem Artikel von Herrn Lee. Der schließt nämlich mit der sehr wahren und wichtigen Erkenntnis, die sich jeder Entscheidungsträger, nicht nur in Südkorea hinter die Ohren schreiben sollte:

When the truth of news is difficult to confirm, it is difficult for policymakers to make a decision on North Korea. Whether accurate or inaccurate, news on North Korea has an impact on South Koreans and policymakers. Making a judgment on assumptions, not on facts, is quite risky and dangerous. Leaders need to be careful in commenting on North Korea as their impact is quite widespread. Talking about North Korea based on unconfirmed news is all the more dangerous.

Falsche Informationen beeinflussen nicht nur die Meinung von uns Ottonormalverbrauchern sondern auch die von Entscheidern. Und wer seine Entscheidungen oder Aussagen auf der Basis falscher Informationen trifft, der muss schon viel Glück haben, um keine schlechten Entscheidungen zu treffen und damit schlechte Politik und ihre Konsequenzen verantworten zu müssen. Das gilt zwar überall, aber bei Themen wie Nordkorea gibt es ein sehr großes Angebot falscher Informationen. Jedenfalls freue ich mich sehr, dass ein südkoreanisches Medium mal selbstkritisch reflektiert und das Problem offen anspricht.

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