Kim Jong Un: Was stimmt nur nicht mit dem Jungen?

Nach der Parteikonferenz, in deren Rahmen Kim Jong Un, der designierte Nachfolger Kim Jong Ils an der Spitze des Regimes in Nordkorea, ins Licht der Öffentlichkeit trat, habe ich ja schonmal auf dieses Foto aufmerksam gemacht. Es ist mir ins Auge gesprungen, weil es Kim Jong Il eben nicht nur als den Diktator zeigt und seinen Sohn nicht nur als denjenigen, der den Job übernimmt, sondern weil darüber hinaus auch eine ganz normale Szene zu sehen ist (oder  zu sehen sein könnte), die es so ähnlich rund um die Welt zigfach zu Fotografieren gäbe. Es ein Vater zu sehen, der einen nachdenklichen, vielleicht sogar besorgten Blick auf seinen Sohn wirft. Und es ist ein Sohn zu sehen, der versucht seiner Rolle gerecht zu werden, Haltung zu bewahren und das zu tun, was von ihm erwartet wird. Dieses Bild hat mich darüber nachdenken lassen, dass die Kims neben ihrem Dasein als Diktatoren (bzw. Nachfolger) und Spitzenleuten eines Menschenverachtenden Regimes eben auch noch Menschen sind.

Über die eigene Zukunft entscheiden

Ich will jetzt keine menschelnde Geschichte über die Familie Kim etc. schreiben, aber was ich durchaus interessant zu überlegen finde ist die Frage, warum Kim Jong Un nun in der Position ist, in der er eben ist. Für die meisten Menschen gibt es von Zeit zu Zeit Entscheidungen zu treffen, die für das weitere Leben von großer Tragweite sind. Irgendwann wenn man so alt wie Kim Jong Un ist muss man sich überlegen, was man mit seinem Leben so anfangen will und das Ergebnis dieser Überlegungen hat große Bedeutung für die eigene Zukunft. Dabei spielen ganzschön viele Faktoren eine Rolle, die von den Ausgangsvoraussetzungen (ist der Vater zufällig Diktator), über die Ausbildung (in der Schweiz?) und die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten (irre oder böses Masterbrain?) und Chancen bis zu persönlichen Vorlieben (riesige Basketballsammelkartensammlung?) aber auch Familiären und persönlichen Bindungen (alle Freunde sind in Pjöngjang und der Vater wünscht es sich so…) reichen. Aufgrund diesen Mischmaschs aus verschiedenen Faktoren versucht man dann eine Richtungsentscheidung zu treffen, die das alles gut unter einen Hut bringt und einem selbst eine Zukunft verspricht, die den eigenen Anforderungen in größtmöglichem Maße entspricht. Tja und genau da stellt sich mir dann die Frage: Wie kommt Kim Jong Un dazu, dort neben seinem Vater auf der Tribüne zu sitzen?

Schwierige Perspektiven

Die Zukunft die er damit wählt, führt in eine (wahrscheinlich unmittelbare, zumindest aber zukünftige) latente Lebensgefahr. Ein Faktor, der mich relativ schnell zu einer anderen Entscheidung führen würde. Außerdem übernimmt er eine Aufgabe, die vielleicht einfach nicht zu bewältigen ist (So als würde ich mich entscheiden, eine bankrotte Firma zu übernehmen, bei der ich persönlich hafte). Bewältigt er seine Aufgabe nicht, steigt die Gefahr für sein Leben, zumindest aber ist eine lange Zeit im Gefängnis nicht unwahrscheinlich. Außerdem tritt er einen Job an, den man nicht so einfach hinschmeißen kann. Wenn er einmal angefangen hat, hat er gute Chancen, bis zu seinem Lebensende Schweinefarmen, E-Werke und Fabriken zu besichtigen und keine wirklich Rücksicht auf seine Gesundheit nehmen zu können. Bis jetzt sieht das alles ja so aus, als wäre der Weg den der junge Kim eingeschlagen hat einer, den niemand der noch bei Trost ist, wählen würde. Aber es muss doch auch etwas geben, das dafür spricht, sonst müsste man mit der BILD argumentieren und den jungen Mann für irre erklären.

Was dafür spricht

Vermutlich wird man reich bei der Sache, das könnte ein Argument sein. Allerdings ist sein ältester Bruder vermutlich auch reich und sein Job ist allem Anschein nach weniger gefährlich und weniger unangenehm als der Jong Uns. Ohne Zweifel wird man auch berühmt, aber es ist ein recht zweischneidiger Ruhm (s.o.). Wenn man Visionen hat, kann man versuchen diese in die Tat umzusetzen, allerdings ist das alles mit Einschränkungen verbunden, die dem jungen Kim bekannt sein müssen. Das waren zwar jetzt alles „dafür“ Argumente, aber immer verbunden mit diesem „aber“, dass ihre Wirkung doch erheblich einschränkt.

Vielleicht ist er nicht Herr seines Handelns?

Es gibt noch zwei mögliche „dafür“ Argumente, die Kim Jong Uns besonderer Situation geschuldet sind. Es kann natürlich sein, dass er sich einfach nicht vorstellen kann etwas anderes zu tun. Das Regime Nordkoreas hat weitreichende Fähigkeiten bei der Indoktrination eines gesamten Volkes und wenn diese geballte Kompetenz auf eine Person gerichtet ist, dürfte es der schwer fallen, sich einen offenen Horizont zu bewahren. Eigentlich wäre das eine sehr gute Erklärung, allerdings würde sich dann die Frage stellen, inwiefern der junge Kim noch in der Lage wäre, das Regime zu führen. Ein Führer der an die eigene Propaganda glaubt, ist wohl nicht die Lösung für die Misere in der Nordkorea steckt. Es brauch eine realistische Weltsicht um so einen am Boden liegenden Staat erfolgreich zu führen und das Ende des Regimes zumindest aufzuschieben. Bei Kim Jong Il ist davon auszugehen. Würden sich die Eliten einen Steuermann (auch wenn nur als Fassade) ins Boot holen, der glaubt die Erde sei eine Scheibe? Schwierig.

Es könnte aber auch sein, dass man dem jungen Kim keine andere Wahl gelassen hat. Wenn die Perspektiven noch schlechter sind, wenn er den Job nicht macht, dann wäre das die Beste der schlechten Lösungen. Aber mal im Ernst. Will man jemanden zum Staatschef, bei dem man in ständiger Sorge sein muss, dass er zum Feind überläuft? Wohl eher nicht. Es könnte natürlich auch eine Mischung aus den beiden letzten Argumenten sein, bei der der junge Kim als Marionette im goldenen Käfig fungiert. die die Legitimation des Regimes aufrecht erhalten soll. Aber jetzt mal ernsthaft, schon sein Vater kommt bei weitem nicht an die Sympathiewerte seines Großvaters ran und bei ihm wird das noch schwieriger werden. Damit würde man sich doch eher einen Klotz ans Bein binden.

Vision und Staatsaison? Keine Ahnung!

Wie ihr seht, bin ich ziemlich ratlos was die Causa Kim Jong Un angeht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, warum er sich für so einen aussichtslosen Job entschieden hat. Am besten gefällt mir noch eine Mischung aus „Vision für die Zukunft“ und „Staatsraison“ vielleicht befördert durch ein Quäntchen Indoktrination. Aber wie gesagt: Es ist und bleibt schwierig zu verstehen für mich.

Eine Antwort

  1. Am Rande des Themas möchte ich euch noch diesen netten kleinen Film empfehlen:

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