UPDATE: Ausbruch der Maul- und Klauenseuche offiziell bestätigt – Gefahr einer Hungerkrise steigt

Update (18.02.2011): Die World Organization of Animal Health wurde von den Behörden in Nordkorea am 8. Februar über die genauen Ausmaße des Ausbruchs informiert. Aus der Auflistung auf der Homepage der Organisation geht hervor, wo die Seuche überall aufgetreten ist und wie viele Tiere welcher Art befallen wurden. Außerdem ist dort nachzulesen, welche Gegenmaßnahmen ergriffen wurden. Nach den Angaben, die aus dem Bericht hervorgehen, sind vor allem Schweine der Seuche zum Opfer gefallen. Von den befallenen Kühen und Ziegen starben nur wenige. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, in denen das Keulen (töten) befallener Bestände als präventive Maßnahme Standard ist, scheinen die Behörden in Nordkorea nicht zu diesem Mittel zu greifen. Nur zwei Bestände im Ryokpo district und im Taechon county könnten Ausnahmen zu bilden, weil hier alle befallenen Tiere gestorben sind. Außerdem zeigt der Bericht, dass die Fälle regional relativ weit verbreitet sind und es eine Ballung um Pjöngjang gibt. Als Gegenmaßnahmen hätten die Behörden einen lokal entwickelten Impfstoff zum Einsatz gebracht, was jedoch nicht zum Erfolg geführt habe.

Die regionale Verbreitung zeigt, dass es den Behörden bisher scheinbar nicht gelungen ist, die Ausbreitung effektiv einzudämmen. Nicht besonders hilfreich dürfte dabei sein, dass man versucht die erkrankten Tiere zu erhalten. Was der Hintergrund dafür ist dürfte wohl klar sein. Man will die begrenzten Ressourcen im Land nicht weiter ausdünnen. Ob sich dies jedoch nicht als Fehler erweisen wird, muss sich noch zeigen.

Ursprünglicher Beitrag (14.02.2011): Die schlechten Nachrichten für Nordkoreas Agrarsektor reißen nicht ab. In der vergangenen Woche gaben die Behörden offiziell den Ausbruch der Maul und Klauenseuche bekannt. Bisher seien über 10.000 Ochsen, sowie Rinder und Schweine von der tödlichen und hoch ansteckenden Krankheit befallen. Davon seien bereits einige tausend verendet. Damit bestätigen sich die inoffiziellen Berichte aus dem Januar, dass die  Krankheit in Nordkorea grassiere. Die Behörden hätten am vergangenen Mittwoch die Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen über den Ausbruch der Krankheit informiert und stünden nun im Kontakt mit der FAO um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Anders als Südkorea, das im vergangenen Jahr über ein Drittel seines Schweinebestandes aufgrund der Seuche eingebüßt hatte, war das Damoklesschwert bisher an Nordkorea vorübergegangen. Allerdings kann das Regime in Pjöngjang massive Verluste im Tierbestand anders als der Süden auch nicht so einfach ausgleichen, während die Tragweite großer Verluste für die nordkoreanische Landwirtschaft weitaus schwer wöge. Anders als in Südkorea ist im Norden ein großer Teil des Ackerbaus nicht (mehr) mechanisiert, dass heißt dass beispielsweise zum Pflügen Ochsen als Zugtiere benötigt werden. Verendete ein bedeutender Teil von Nordkoreas Ochsen durch die Krankheit, würde dies anders als in Südkorea nicht nur eine weitere Verknappung von Fleisch bewirken, sondern mittelfristig auch die Produktion von Grundnahrungsmittel wie Reis und Getreide einschränken. Damit würde sich die ohnehin angespannte Nahrungsmittelsituation weiter verschärfen. Da das Land seinen Grundbedarf auch ohne eine solche Krise und trotz Hilfen aus China nicht zu decken vermag, erhöht sich das Risiko für eine schwere Nahrungsmittelkrise in diesem und dem nächsten Jahr weiter. Damit dürfte auch die zunehmend verzweifelt werdende Suche des Regimes nach Hilfen aus dem Ausland weitergehen.

Eine Antwort

  1. Erst die Überschwemmungen, jetzt Seuchen..

    Das sieht nicht gut aus für 2012

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s