Eröffnet AP ein Büro in Pjöngjang? Neue PR-Strategie des Kim Regimes

In der vergangenen Woche besuchte Thomas Curley, der Geschäftsführer der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), Pjöngjang. Berichten von Xinhua und Itar Tass (via Yonhap) ging es unter anderem um eine engere Kooperation zwischen AP und Nordkorea im Pressebereich. Nach Itar Tass habe Curley um Erlaubnis gebeten, in Pjöngjang ein AP Büro eröffnen zu dürfen. Bisher haben nur die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua und die russische Itar Tass dauerhafte Präsenzen in Nordkorea. Allerdings hat AP Television News (APTN), die Videoabteilung von AP schon seit 2006 ein festes Büro in Pjöngjang (mich wundert nur etwas, dass man auf der Homepage von APTN keine Informationen über die dort vorhandenen Ressourcen finden kann). Ob es tatsächlich zu einer Vereinbarung gekommen ist, ist bisher noch nicht bekannt, allerdings ließ Thomas Curley gegenüber Xinhua verlauten, er sei extrem zufrieden mit dem Besuch, der sehr ertragreich gewesen sei.

Ich finde es übrigens toll, dass es die KCNA-Schnipsel bei Youtube jetzt oft unkommentiert gibt. Da kann man öfter mal verstehen, was die Leute so sagen.

Würde AP tatsächlich ein permanentes Büro in Pjöngjang eröffnen, wäre dies sicherlich ein neuerliches Zeichen einer vorsichtigen Öffnung. Die Nachrichtenagenturen die bisher dort ansässig sind, kommen aus Staaten, zu denen Kims Regime traditionell ein größeres Vertrauen hat und sind unter staatlicher Kontrolle, so dass Pjöngjang eine wohlwollende Berichterstattung erwarten kann. Mit AP würde eine westliche Agentur dauerhaft Einblicke in das Land bekommen, der man nicht nachsagen kann, sie müsse irgendwelche politischen Rücksichten nehmen. Scheinbar war das Regime mit der Arbeit von APTN im Land zufrieden und vermutlich können auch andere Anzeichen einer vorsichtigen Öffnung, die sich in der letzten Zeit feststellen ließen, in diesem Zusammenhang verstanden werden. So reisten Ende des vergangen Jahres zusammen mit Bill Richardson, auch Wolf Blitzer, ein prominenter Nachrichtensprecher von CNN und eine Journalistin der New York Times. Schon anlässlich der Partiekonferenz im September 2010 hatten die Internationalen Medien ungewöhnlich umfangreiche Möglichkeiten zur Berichterstattung erhalten. Scheinbar hat sich das Regime entschieden, eine offensivere und auch etwas transparentere „Öffentlichkeitsarbeit“ zu betreiben.

Auch Entwicklungen in anderen Medienbereichen deuten in diese Richtung. So hat die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA in den letzten Monaten ihr Angebot deutlich erweitert. Es werden nun auf einer in Nordkorea gehosteten Website Videos und Fotos zu den Berichten mitgeliefert und die Quantität der Nachrichten hat seit dem Start der eigenen Seite deutlich zugenommen. Außerdem lässt sich in den Nachrichten deutlicher als zuvor eine Rezeption internationaler Medien feststellen. Auch das Parteiorgan Rodong Sinmun ist seit jüngstem im Netz zu finden und damit weltweit zugänglich.

Dieses Vorgehen könnte darauf hindeuten, dass man seine Medienstrategie partiell verändern möchte. Die Kommunikation nach außen soll verstärkt und damit verbessert werden. Zeichen dafür, dass auch die Kommunikation mit der und Information der Bevölkerung verändert werden soll gibt es allerdings nicht. Das würde mich auch wundern, denn für das Regime dürfte es vorerst weiterhin überlebenswichtig sein, das Volk in möglichst großem Unwissen zu halten. Ob dies allerdings auf Dauer möglich sein wird, wenn man die Tür zur Transparenz erst einmal einen Spalt weit öffnet, dass wird zu beobachten bleiben.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s