Nordkoreanische Flüchtlinge in Europa. Auf der Suche nach dem guten Leben

Eben  habe ich bei „London Korean Links“ einer britischen Seite, die sich mit Korea-Themen befasst, zwei interessante Artikel gelesen, die sich mit der Lebenswirklichkeit nordkoreanischer Flüchtlinge befassen und dabei auch auf das Schicksal von Nordkoreanern eingehen, deren Odyssee in Südkorea noch nicht zuende war, sondern die sich von dort aus, oder direkt aus China auf den Weg nach Europa gemacht haben.

Einreiseweg entscheidend

Nach ihrem „Einreiseweg“ nach Europa unterteilen sich diese Flüchtlinge grob in zwei Gruppen. Die Erste kam nach der Flucht aus Nordkorea unmittelbar nach Europa und reiste auf dem Weg nicht in Südkorea ein. Die Mitglieder der zweiten Gruppe taten eben dies, was beispielsweise in Großbritannien einen entscheidenden Einfluss auf ihren Status als Asylsuchende hat. Denn nordkoreanische Staatsbürger haben nach südkoreanischem Recht auch Anspruch auf die südkoreanische Staatsbürgerschaft und erlangen diese auch formal, wenn sie nach Südkorea kommen. Da Südkorea aber ein sicheres Land ist und sie damit als Wirtschaftsflüchtlinge gesehen werden, haben die Nordkoreaner die dort waren keinen Anspruch mehr auf Asyl. Die britischen Behörden vermuten, dass ein großer Teil der im Land lebenden nordkoreanischen Flüchtlinge (bei knapp 400 Menschen wurde dem Asylantrag stattgegeben, da sie wohl nicht über Südkorea nach Großbritannien kamen) zu dieser Gruppe gehören. Folgerichtig wurde in Seoul angefragt, ob Südkorea 500 Flüchtlinge mit südkoreanischer Staatsbürgerschaft wieder zurücknähmen. Jedoch stehen diesen Personen scheinbar keine Unterstützungen des südkoreanischen Staates mehr zu, da sie in einem anderen Land um Asyl gebeten haben.

Integration von Flüchtlingen noch immer ein Problem

Die prekäre Situation in der die Flüchtlinge aus Nordkorea stecken, verdeutlicht gut, wie schwierig es ist, sie in ihrer neuen Heimat zu integrieren. Es ist wohl davon auszugehen, dass diejenigen, die vorher in Südkorea gelebt haben das Land nicht verlassen haben um anderswo Asyl zu suchen, weil es ihnen dort so unglaublich gut geht. Es wird immer wieder Berichtet, dass die Flüchtlinge trotz den Ergriffenen Maßnahmen zu ihrer Integration, in Südkorea vor vielfältige Schwierigkeiten gestellt sind. Es gelingt nicht so einfach, sich an die völlig anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse anzupassen, es bestehen sprachliche Barrieren, die die Unterschiede hervorheben und oft zu Diskriminierungen führen und nicht zuletzt haben die Menschen auch noch das zu verarbeiten, was sie in Nordkorea erlebt haben. Die gegenseitige Überwachung die dort die Regel ist bewirkt, dass es ihnen oft schwer fällt Vertrauen zu anderen Menschen zu fassen, so dass sie sich abkapseln und noch schwerer Fuß fassen können. Diese Situation führt dazu, dass nordkoreanische Flüchtlinge gegenüber den „gewöhnlichen“ Südkoreanern im Durchschnitt einen niedrigeren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Status innehaben. Ich muss sagen ich kann nicht wirklich einschätzen, inwiefern die Maßnahmen der südkoreanischen Regierung zur Integration der Flüchtlinge ausreichend und passend sind und ich möchte mir da auch kein Urteil erlauben. Allerdings verdeutlicht die Tatsache, dass ein nicht geringer Teil der Flüchtlinge das Land wieder verlässt um anderswo mehr Erfolg zu haben (in einem der beiden Artikel steht sogar, dass 200 Flüchtlinge (immerhin ein Prozent) wieder nach Nordkorea zurück gegangen sind, obwohl ihnen vermutlich die drohenden Strafen bekannt waren), dass die Maßnahmen nicht immer erfolgreich sind. Was würde erst passieren, wenn Seoul vor die Aufgabe gestellt wäre, tausende oder zehntausende Flüchtlinge binnen kurzer Zeit zu integrieren?

Besseres Leben in Großbritannien?

Allerdings führt auch die Flucht nach Europa nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Situation der Flüchtlinge. In Großbritannien beispielsweise werden die Flüchtlinge in der Provinz verteilt, wo ohnehin wenig Landsleute leben. Das oft tief verankerte Misstrauen den Mitmenschen gegenüber führt daher auch hier zur Isolation. Auch die Tatsache, dass sie an ihren neuen Wohnorten noch deutlicher als Fremde zu identifizieren sind, dürfte die Integration nicht erleichtern. Weiterhin plant die britische Regierung im Rahmen ihrer Sparmaßnahmen auch an den Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen zu sparen, was vermutlich vor allem diejenigen trifft, die ohnehin die größten Schwierigkeiten haben, in ihrem neuen Land heimisch zu werden.

Und Deutschland? Rechtliche Kniffe…

Achja, vielleicht fragt ihr euch, wie es mit nordkoreanischen Flüchtlingen in Deutschland aussieht. Zwar spricht ein Bericht der International Crisis Group aus dem Jahr 2006 (der sehr lesenswert ist und detailliert auf die gesamte Flüchtlingsproblematik eingeht, aber leider halt nicht mehr neu) davon, dass damals 300 Asylsuchende aus Nordkorea in Deutschland lebten. Allerdings erging im selben Jahr ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofes Baden-Württemberg, in dem Asylanträgen von Nordkoreaner sehr enge Grenzen gesetzt wurden. Eigentlich kommen, soweit ich das juristische Geschreibe verstehe, maximal Soldaten und Offiziere und Funktionäre der Arbeiterpartei für einen erfolgreichen Asylantrag in Frage. Alle anderen sind durch das südkoreanische Gesetz Staatsbürger des Landes und können daher nach Südkorea abgeschoben werden, auch wenn sie zuvor nicht dort waren und keinen südkoreanischen Pass besitzen, denn es ist ja davon auszugehen, dass sie dort aufgenommen werden. Die oben genannten Ausnahmen wurden getroffen, weil diese Personen auch in Südkorea Verfolgung durch nordkoreanische Agenten fürchten müssen. Damit dürfte sich die Zahl der nordkoreanischen Flüchtlinge in Deutschland wohl auch in Zukunft stark im Rahmen halten.

2 Antworten

  1. Wobei sich „londonkoreanlinks“ vor noch nicht gar so langer Zeit nicht so sicher war, ob die nordkoreanischsn Asylsuchenden in Großbrtannien tatsächlich Nordkoreaner sind, oder doch eher Chinesen (mit oder ohne koreanischem Migrationshintergrund)…
    als Chinesem droht einem in GB die rasche Abschiebung, also Nordkoreaner kann man auf ein langandauerndes Verfahren hoffen, …

    http://londonkoreanlinks.net/2008/08/03/north-koreans-in-britain/

  2. Danke für diesen höchst informativen Beitrag.Das sogar ein Teil der Flüchtlinge wieder in den Norden zurückkehrt haut mich jetzt vom Stuhl.
    Sicherlich, die Gründe dafür dürften bei jedem individuell sein, ich stelle mir jetzt vor allem Sehnsucht nach der zurückgelassenen Familie und den Lieben daheim vor.
    Aber wer weiss, vllt. gibt es ja hinter der von unseren Medien generierten Fassade aus Hunger, Gewaltexzessen und Unterdrückung wirklich etwas in Kims Märchenland was wir in unseren Gesellschaften nicht mehr haben oder noch nie gehabt haben.

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