Hyundai Asan soll Tourmonopol am Kumgangsan verlieren — Aber die Tür bleibt einen Spalt offen

Das Regime in Pjöngjang scheint nicht mehr zu erwarten, dass die touristische Kooperation am Kumgangasan mit dem südkoreanischen Unternehmen Hyundai Asan so bald wieder aufgenommen wird. Gestern veröffentlichte KCNA ein Statement des Korea Asia-Pacific Peace Committee (KAPPC), nach dem Hyundai Asan sein Monopol auf Touren zum Kumgangsan verlieren soll. Nach Ansicht des KAPPC sei die nordkoreanische Seite aufgrund des Vertragswerks über die  Touren und auf Basis internationalen Rechts, hierzu berechtigt. Ich kenne das Vertragswerk nicht und werde auch nicht vollkommen schlau aus dem Inhalt des Statements, aber klar ist, dass Pjöngjang die Tür für Hyundai Asan weiterhin offen halten möchte, aber das Gebiet im Zweifel auch ohne das Unternehmen touristisch nutzen will.

In this regard it informed the Hyundai side of its stand that it may terminate the validity of the provision of the agreement on tour of Mt. Kumgang signed with the Hyundai side which calls for granting it monopoly over the tour, the DPRK may take charge of the tour through the areas of the north side and entrust an overseas businessman with the tour and the Hyundai group may continue conducting the tour through the areas of the south side and formally handed an official document related to it to the side.

Ob das Gerede vom Gelände  der nördlichen Seite, dass der Norden nun übernehmen möchte und der südlichen Seite, die weiterhin Hyundai vorbehalten soll streng geographisch gemeint ist, oder sich möglicherweise auf die Gebäude bezieht, die von Hyundai errichtet wurden, wird hier meiner Meinung nach nicht wirklich klar (vielleicht in der koreanischen Version der Nachricht, aber die kann ich ja nicht lesen).

In dem Statement wird weiterhin die südkoreanische Regierung bezichtigt, dass nicht Sicherheitsbedenken der Grund für das lange Ruhen der Touren seien, sondern die generelle politische Linie. Ganz falsch ist das vermutlich auch nicht. Zwar war die Erschießung einer südkoreanischen Touristin ein nachvollziehbarer Grund, die Touren auf Eis zu legen und natürlich ist es Aufgabe der südkoreanischen Regierung, ihre Bürger auf solchen Touren zu schützen. Aber wenn man nicht bereit ist, mit dem Norden über die Sicherheitsbedenken zu sprechen, ist auch ziemlich klar, dass die nie ausgeräumt werden können.

Was ich außerdem noch interessant finde ist die Nennung eines unbekannten „overseas businessman“ der Interesse an der Ausrichtung von Touren in den nördlichen Gebieten haben soll. Da kann man natürlich nur raten, aber immerhin hat Koryo Tours im letzten Jahr schon einmal eine Reise zum Kumgangsan im Programm gehabt. Zwar scheint Nicholas Bonner, der Chef des Unternehmens, in Peking zu wohnen, aber ursprünglich ist er Brite und damit schon irgendwie ein „overseas businessman“. Aber vielleicht ist es auch ganz wer anderes.

Unabhängig davon ist das Ganze natürlich nicht gerade gut für Hyundai Asan. Ich habe mich ja schon öfter mal mit dem Unternehmen befasst, dass Teil des Hyundai Firmenkonglomerats ist (anders als Hyundai-Motors) und zurzeit eigentlich etwas perspektivlos dasteht. Es wurde schließlich gegründet, um Kooperationsprojekte mit Nordkorea durchzuführen und die stehen gerade nicht besonders hoch im Kurs. Dementsprechend schreibt Hyundai Asan seit Jahren Millionenverluste und hat mittlerweile begonnen, sich neue Tätigkeitsfelder zu suchen (etwas worin man in Nordkorea Erfahrungen sammeln konnte: Entwicklungshilfeprojekte). Das ist vermutlich auch vernünftig so, denn zumindest solange Lee Myung-bak im Blauen Haus sitzt (das soll keine einseitige Anklage sein, aber die Positionen Lees und Pjöngjangs liegen nunmal so weit auseinander, dass es unwahrscheinlich ist, dass man sich irgendwo treffen kann), sind Kooperationen nach wie vor unwahrscheinlich. Das Statement zeigt aber auch, dass Pjöngjang weiß, was es an Hyundai Asan hat und dass man sich da nicht alles verbauen möchte, indem man Hyundai Asan als Punchingball benutzt. Gewisse Gebiete bleiben dem Konzern vorbehalten und wenn sich die politische Situation nochmal ändert, scheint man in Pjöngjang zu hoffen, mit Hyundai an alte Kooperationen anknüpfen zu können:

Trust and cooperation between the DPRK and the Hyundai Group will go on in the future, too, and the DPRK remains unchanged in its stand to realize the desire of the south Koreans to tour Mt. Kumgang.

Aus Sicht des Regimes in Pjöngjang schließlich wäre es irgendwie ja auch dumm, dieses touristische Pfund was man da nunmal hat, auf unbestimmte Zeit brachliegen zu lassen. Scheinbar ist man ja daran interessiert mehr Touristen ins Land zu bekommen. Und da muss man halt auch was bieten.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s