Deutsch-Nordkoreanische Woche. Wulff trifft Botschafter, Parlamentarier besucht Pjöngjang

Ich habe zwar nicht so viel Zeit, aber kurz möchte ich dann doch darauf hinweisen, wenn sich unser Staatsoberhaupt zu den Nordkoreanisch-Deutschen Beziehungen äußert. KCNA berichtet (irgendwo in den heutigen Artikeln mitte bis unten), Christian Wulff habe am 29. April im Rahmen des Abschiedsbesuches (farewell call) Hong Chang-ils, des nordkoreanischen Botschafters in Deutschland (aber wie es schein nicht mehr lange), die positive Entwicklung der Beziehungen beider Länder gelobt. KCNA zitiert ihn mit den Worten:

The development of the relations between Germany and the DPRK is in full line with the wellbeing of the two peoples. I wish the Korean people many successes in their efforts to improve the standard of people’s living and building a thriving nation.

Leider kann ich das nicht aus einer anderen Quelle verifizieren, da weder auf der Seite seines Amts, noch in unserer Presse etwas dazu zu finden war. Naja, ist ja auch nicht so überwichtig, aber böswillig könnte man auch interpretieren, dass öftermal nur das berichtet wird, dass zur Weltsicht unserer Medienvertreter passt. Oder glaubt ihr, dass ein Besuch bei Claudia Roth oder einem Vertreters der Linken in ähnlicher medialer Stille verhallt wäre (obwohl ungleich unwichtiger). Aber naja, der Bundespräsident muss unser Land eben auch gegenüber unangenehmeren Staaten repräsentieren. Gerne hätte ich allerdings gewusst, ob das unverständliche Gerede von den „two peoples“ tatsächlich von Wulff kam, oder ein Übersetzungsfehler ist (ich vermute mal letzteres).

Außerdem habe Wulff die sich ständig verbessernden Beziehungen seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen und den Austausch im Sport- und dem kulturellen Bereich gelobt. Die Stabilität der Koreanischen Halbinsel sei sehr wichtig für den Weltfrieden und Konflikte müssten gemeinsam von Süd- und Nordkorea auf dem Weg von Gesprächen und Verhandlungen entschärft werden.

Naja und weil in Nordkorea heuer wohl deutsch Woche ist, hat sich auch Stefan Müller, der Chef der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe gestern klammheimlich nach Nordkorea geschlichen (habe ich gerade bei KCNA gesehen). Auch das wurde nicht eben an die große Glocke gehängt (eigentlich habe ich da garnichts läuten hören), was nicht extrem verwunderlich ist, denn wie gesagt, passt eben nicht so gut in oftmals gepflegte einfache Weltsichten, wenn ein junger CSUler in so ein böses Land fährt. Nett finde ich allerdings das etwas unkonventionelle Dress des sympathischen jungen Mannes (ich meine beides durchaus ernst). Trainingsjacke auf Anzughose beim Staatsbesuch (kanns mal wieder nicht direkt verlinken, aber wenn Ihr „Stefan Müller“ in der Suchmaske der KCNA-Seite sucht, findet Ihr es)…den Mutigen gehört die Welt! Allerdings scheint Müller bei den Gespräche, die er heute zusammen mit dem deutschen Botschafter mit nordkoreanischen „officials concerned“ führte, nicht unkritisch gegenüber den Nordkoreanern gewesen zu sein. Die Formulierung:

At the talks both sides exchanged views on the matter of further developing the relations between the two groups and issues of mutual concern.

klingt doch sehr nach einer Standardphrase von wegen, „ja wir haben gesprochen und jeder hat das Vorgebracht was ihm wichtig war. Wir wollten Hilfen und er die Einhaltung der Menschenrechte etc., mehr war aber nicht.“ Noch nichtmal haben sie über die Beziehungen zwischen den Ländern, sondern nur die der Parlamentariergruppen gesprochen.

Nichtsdestotrotz ist das in diesem Jahr immerhin schon der dritte Besuch eines oder mehrerer deutscher Parlamentarier in Nordkorea. Das finde ich gut. Denn so werden kleine Netze persönlicher Beziehungen geflochten, die später nochmal wichtig sein können. Außerdem hat man Zugang zu Informationen aus erster Hand, die, wenn auch eine gewisse Analyse notwendig sein dürfte, doch äußerst wertvoll bei Lagebewertungen und damit Strategieentwicklung sein können. Wenn man sich dazu, so wie die USA, auf seine Geheimdienste und die Infohappen die Südkorea und andere (vermutlich selten ohne eigene Interessen) vom Teller fallen lassen, stützen muss, kann dabei ja nichts vernünftiges rauskommen. Wie immer hoffe ich, dass nochmal etwas über Müllers Reise in den deutschen Medien publiziert wird, wenn er dann zuhause ist.

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