Amnesty International trommelt gegen Nordkoreas Straflager

Amnesty International macht heute auf einen der grausamsten Aspekte des Kim Regimes aufmerksam. Die Gefangenenlager für politische Häftlinge, in  denen bis zu 200.000 Menschen darben. Das Thema ist ein sehr komplexes, denn einerseits gibt es keine Informationen über die Lager, außer durch ehemalige Gefangene oder Wärter, die aus Nordkorea geflohen sind (und deren Zahl ist sehr niedrig) und andererseits sind diese Lager nur ein Aspekt des recht umfassenden und verworrenen Strafsystems Nordkoreas. Neben den Lagern für politische Gefangene existieren auch „normale“ Gefängnisse und Lager für gefasste und repatriierte Flüchtlinge aus China.

In den Lagern, in denen politische Gefangene festgehalten werden, ist die Sippenhaft oft die Regel und es existieren Berichte von Menschen, die in solchen Lagern geboren sind und nie etwas anderes erlebt haben. Todesfälle aufgrund von Hunger und Erschöpfung, sowie öffentliche Exekutionen sind an der Regel und oft Teil der Berichte von Augenzeugen (vor allem während der großen Hungersnot Ende der 1990er Jahre starben offenbar große Teile der Population dieser Lager). Die gefangenen Personen werden häufig als Zwangsarbeiter ausgebeutet und sind Misshandlungen und Folter ausgesetzt.

Um es kurz zu sagen. In den Gefangenenlagern Nordkoreas scheint sich seit Jahrzehnten eines der größten Menschheitsverbrechen der Gegenwart abzuspielen und es ist gut, wenn Amnesty darauf aufmerksam macht.

Nicht so gut finde ich allerdings die Art in der Amnesty das tut, denn außer einem gewissen Trommeleffekt enthält der Bericht kaum Substanz. Da ist die Rede von einer Vergrößerung der Lager, die man anhand von Veränderungen an Satellitenbildern festgestellt habe, allerdings bietet Amnesty nur aktuelle Bilder zur Ansicht und keine Referenzexemplare. Außerdem ist auf den Bildern wohl nur für sehr gut ausgebildete Spezialisten irgendetwas zu erkennen. Dann wirft man die Zahl 200.000 Gefangenen in den Raum, die alles andere als neu ist. Die konnte man beispielsweise schon 2003 bei David Hawk nachlesen. Die O-Töne von entkommenen machen das Grauen zwar anschaulich, haben ansonsten aber keinen Neuigkeitswert. Wie ich schonmal bei anderer Gelegenheit geäußert habe, würde ich mir wünschen, dass Amnesty, wenn es ernsthafte Themen angeht, auch ernsthaft recherchiert und nicht nur Leerformeln in die Welt schreit. Denn auf Dauer kann so etwas der Glaubwürdigkeit der Organisation nur schaden. Lobenswert und wichtig ist es aber trotzdem, dass Amnesty sein Standing nutzt, um solche Themen immer wieder auf die öffentliche Agenda zu setzen.

Wenn man sich aber ernsthaft mit den Hintergründen zu den Lagern beschäftigen möchte, dann würde ich empfehlen an anderem Ort weiterzulesen. Als Standardwerk in diesem Bereich kann man wohl David Hawks „The Hidden Gulag“ beschreiben. Anhand von Satellitenauswertungen und der Befragung von Augenzeugen enthüllt er einen Teil des nordkoreanischen Lagersystems und gibt darüber hinaus umfassende Hintergrundinformationen zum administrativen Aufbau etc. des nordkoreanischen Strafsystems. Auch One Free Korea befasst sich eingehend mit den Gefangenenlagern und hat ebenfalls recht umfangreiche Arbeit bei der Auswertung von Satellitenbildern geleistet. Auch dort kann man einige interessante und aktuelle Informationen finden.

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