Hilfen für Nordkorea: Trauen die USA ihren eigenen Einschätzungen nicht?

Die Debatte über Sinn und Unsinn von Nahrungsmittelhilfen für Nordkorea wird in den USA in den unterschiedlichsten Facetten fortgesetzt. Allerdings wird der Diskurs vor allen Dingen von Akademikern und Aktivisten geführt, während von den Regierungen der USA und Südkoreas kaum etwas zu hören ist. Dort hofft man wohl eher, dass das Thema wieder aus den Medien verschwindet um dann in ruhigerer Atmosphäre entscheiden zu können — oder eben nicht.

Von der südkoreanischen Regierung ist dabei nicht viel zu erwarten. Es ist klar, dass man nicht zu weitreichenden Hilfen zurückkehren wird (hin und wieder eine kleine Lieferung von NGOs zuzulassen sind PR, das wars aber dann), ohne dass es zumindest zu einer Entschuldigung Nordkoreas für den Beschuss von Yopyong und die Versenkung der Cheonan aus Pjöngjang kommt (was vermutlich nicht passieren wird). Innerhalb der US-Regierung dürfte das etwas anders aussehen. Der Hauptgrund für die Zurückhaltung wird wohl sein, dass man auch künftig nicht von der gemeinsamen Linie mit Südkorea abweichen möchte. Allerdings gerät die Regierung des Friedensnobelpreisträgers Obama damit zunehmend aus der moralischen und normativen Ecke unter Beschuss. Denn klar ist: unabhängig von Verantwortlichkeiten und strategischen Überlegungen, haben die USA die Mittel zu helfen und wenn sie das nicht tun, werden sie einen Teil der Verantwortung für die Folgen mittragen müssen.

Die Argumente dafür, sich Hilfen weiterhin kategorisch zu verweigern, sind dabei nicht besonders prall. Das Welternährungsprogramm der UN hat in einem Bericht ein dramatisches Bild der Situation gezeichnet. Aus Südkorea kommen dahingegen immer wieder hinweise, das Regime habe weit mehr Nahrung zur Verfügung als es nach außen hin vorgebe. Wem sollen die Verantwortlichen in den USA in so einer Situation glauben? Vielleicht wäre es nicht schlecht sich einfach mal an die eigenen Einschätzungen von vor einem guten Jahr zu erinnern:

In light of the DPRK’s poor harvest last year and economic distortions caused by the North Korean won’s revaluation, Pyongyang may need external assistance soon.

sagte (ab und zu sollte man doch noch bei Wikileaks vorbeischauen (dieses Tool erleichtert das Ganze übrigens erheblich)) Kurt Campbell, der im State Department für die Region Asien Pazifik zuständig ist, damals gegenüber einem stellvertretenden Außenminister Japans. Campbell sagte im Februar 2010, dass Nordkorea bald Nahrungsmittelhilfe brauchen würde, nicht dass es um Hilfen bitten würde. So wie ich das verstehe, hat er damals einen objektiv zu erwartenden Bedarf beschrieben. Wie sich diese Wahrnehmung im vergangen Jahr geändert haben könnte, weiß ich nicht genau. Nun gut, seitdem ist viel passiert: Die Inflation ist weitergalloppiert, es gab Überschwemmung, einen ungewöhnlich harten Winter und den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche. Allerdings sind das ja alles nicht gerade positive Veränderungen. In diesem Licht sollte es der US-Regierung schwer fallen, der südkoreanischen Argumentation von vollen Kornspeichern in Nordkorea zu folgen, außer sie geht davon aus, dass Campbell damals quatsch geredet hat. Vor diesem Hintergrund ist eine weitere Inaktivität nur sehr schwer zu vertreten. Man sollte dem Regime natürlich nichts in den Rachen werfen, aber würde man nicht einmal Wege ausloten, bliebe Obamas Regierung tatsächlich weit hinter den normativen Ansprüchen an die Führungsnation der freien Welt zurück.

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