Kim Jong Il in China — Nächste Station Shenyang

Mittlerweile ist klar, es ist Kim Jong Il, der China bereist und zur Zeit auf dem Weg nach Shenyang zu sein scheint. Es gibt jetzt auch erste Fotos die das bestätigen. Nicht wirklich klar, wenn auch unwahrscheinlich, ist, ob er von seinem Sohn Kim Jong Un begleitet wird. Anonymen Aussagen aus Südkorea zufolge steht er nicht auf der offiziellen Teilnehmerliste (wobei ich es interessant finde, dass die südkoreanischen Behörden so schnell an diese Liste gekommen sind). Heute hat Kim unter anderem eine Fabrik des zweitgrößten Autoherstellers Chinas, der FAW Group, an deren Hauptstandort Changchun besichtigt, bevor er seine Reise fortsetzte.

Bisher ist es wohl noch nicht mit hochrangigen Vertretern der chinesischen Regierung gekommen und einer fällt schonmal aus, denn Wen Jiabao wird am Wochenende in Japan an einem Japanisch-Südkoreanisch-Chinesischem Gipfeltreffen teilnehmen. Da wird man wohl ohnehin über Nordkorea sprechen. Ob die Terminauswahl von Kim Jong Ils Besuch auch im Hinblick auf diesen Gipfel getroffen wurde, ist nicht klar, allerdings ist die Koinzidenz schon bemerkenswert. Vielleicht hat Kim Jong Il ja etwas Neues zu bieten und will das wirksam platzieren?

Nicht besonders überraschend ist es, dass KCNA bisher nicht über Kim Jong Ils Reise berichtet. Ein bisschen erstaunlich finde ich es allerdings, dass die Global Times, eine englischsprachige Tageszeitung aus China, schon heute über die Reise berichtet. Zwar stützt man sich dabei hauptsächlich auf die Berichte anderer Medien, scheint aber auch eigene Informationen eingezogen zu haben. Dabei wird auch Bezug genommen auf zwei große nordkoreanisch-chinesische Gemeinschaftsprojekte (In Rason und das Inselprojekt im Tumen), in denen Ende Mai groß angelegte Baumaßnahmen starten werden, zu deren Eröffnung auch hochrangige chinesische Politiker und eventuell Kim Jong Il oder Kim Jong Un erwartet werden. Außerdem veröffentlichte die Global Times im Zusammenhang mit dem Besuch auch noch einen  Kommentar, in dem der Wert der chinesischen Mediationsbemühungen auf der Koreanischen Halbinsel und die Bedeutung hochrangiger Besuche für diese hervorgehoben wird. Gleichzeitig wird implizit Kritik an Südkorea und den USA für ihre harte Haltung geübt, die Nordkorea dazu zwängen, einen permanenten Schlingerkurs zwischen militärischer Rüstung und wirtschaftlicher Entwicklung zu fahren (also quasi die nordkoreanische Sicht der Dinge).Mehr gibt es vorerst nicht zu Kims Trip, aber ich werde die Augen offen halten.

2 Antworten

  1. Etwas eigenartig ist das ganze schon, auf der Webpage der offiziellen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua gibt es bisher nur eine Meldung, daß südkoreanische Medien über den Besuch Kims berichten. Das ist so als ob ich meinen Nachbarn frage, ob ich zu Hause Besuch habe.

    Gleichzeitig fällt auf, daß Kim Yong Un bei Staatsempfängen etc. in letzter Zeit nicht dabei war, auch bei den Rundreisen seines Vaters innerhalb Koreas ist er nicht dabei.
    Das deutet darauf hin, daß eine Machtübergabe nicht so schnell geplant ist. Er wäre wohl wirklich noch etwas jung dafür.

    • Die chinesischen Medien sind bei sowas immer sehr vorsichtig und man traut sich wohl nicht offen über die Reise zu berichten, ohne dass die von oben offiziell bestätigt wurde.
      Wie der Nachfolgeprozess Kim Jong Uns abläuft ist natürlich schwer zu sagen. Allerdings muss man immer auch bedenken, dass alle Mutmaßungen über diesen Prozess von westlichen Beobachtern kamen und auf der Basis von ungefähr null belegten Fakten getroffen wurden. Von daher kann man da nur ganz wenig sagen (man weiß ja auch einfach nicht, was der kleine Kim hinter den Kulissen tut und wen er wann ohne Kammeras trifft).

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