Ich glaub‘s nicht, solange ich‘s nicht selbst gesehen habe: EU will Team nach Nordkorea schicken

Nachdem das US-Team zur Bewertung der Nahrungsmittelsituation in Nordkorea langsam abschließt, scheint auch die Europäische Union einige Beamte nach Nordkorea schicken zu wollen. Nach Berichten von Yonhap und Xinhua sollen unmittelbar im Anschluss an die US-Mission (Robert King ist zwar schon wieder in den USA, aber ein Teil seiner Truppe scheint noch in Nordkorea zu sein) Mitarbeiter der Abteilung für Humanitäre Hilfen der EU Kommission (ECHO) mit demselben Ziel wie King nach Nordkorea reisen. Von der EU habe ich bisher kein Statement dazu gefunden, die Aussagen berufen sich auf anonyme Aussagen aus Kreise der südkoreanischen Regierung. Die USA wollen danach mit ihrer abschließenden Entscheidung über Hilfen abwarten, bis die EU-Mission abgeschlossen ist.

Vielleicht schicken nach Abschluss der ECHO-Mission ja dann nochmal alle EU-Mitgliedsstaaten nacheinander Teams nach Nordkorea und die USA und die EU, sowie die Mitgliedsstaaten warten dann erstmal ab, was die jeweiligen Missionen ergeben. Vielleicht entscheidet man sich ja dann irgendwann doch mal, dass die Leute die unter Hunger leiden nicht unbedingt die richtigen Adressaten für derartige Methoden sind, den Unmut mit der Politik des nordkoreanischen Regimes zum Ausdruck zu bringen. Aber vielleicht ist zumindest der Teil der Geschichte, dass die USA die Ergebnisse der EU Mission für ihren Beschluss abwarten wollen, ein Gerücht, denn das würde die USA meiner Meinung nach endgültig lächerlich machen. Dass die EU gleichzeitig nicht  in der Lage zu sein scheint zu handeln, ohne das es grünes Licht von den USA gibt, wirft ebenfalls ein bezeichnendes Licht auf die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Union.

Nichtsdestotrotz sieht es so aus, als würde die Staatengemeinschaft langsam in Bewegung kommen. Ob das am Ende dann zu Hilfen führen wird und wann das passiert, das wird sich wohl in absehbarer Zeit rausstellen. Hoffentlich lassen sich die Entscheidungsträger dabei nicht von „Analysen“ beeindrucken wie sie hier nachzulesen sind. Das Ganze liest sich wie ein Argumentationsleitfaden für Freunde des gepflegten Aushungerns.

2 Antworten

  1. Die Frage, der hier nachgegangen werden sollte ist nicht, ob es Leute in Nordkorea gibt, die unter Hunger leiden (das ist nun ja hinreichend bekannt und wird wohl von niemandem bestritten), sondern ob es eine VERSCHLECHTERUNG der Nahrungsmittelversorgung mit der Gefahr einer AKUTEN Hungersnot, wie von der nordkoreanischen Regierung behauptet, gibt.

    Das jedoch ist nicht wirklich zweifelsfrei erwiesen und bevor man Reis schickt um die Lagerhäuser für 2012 mehr als randvoll werden zu lassen, sollte man in der Tat sich genauer umsehen und umhören.

    Die EU hat dazu sicher bessere Möglichkeiten als Robert King auf seiner Kurzreise. Schließlich gibt es eine Menge EU Hilfsorganisationen vor Ort und die Leute die dort arbeiten und im Land herumkommen, haben sicher eine Meinung zum Thema, die man in persönlichen Gesprächen besser ausloten kann und durch das Lesen von Berichten.

    • Ich wollte mich auch nicht unbedingt beklagen, dass die EU nicht springt, wenn Pjöngjang pfeift. Es ist schon sinnvoll, das eigene Know-how zu nutzen um zu einer möglichst realistischen Bewertung zu kommen.
      Zwei Punkte sind mir allerdings unverständlich:
      1. Warum schicken die USA einen Erkundungstrupp um dann abzuwarten, was die EU gür Ergebnisse liefert. Wo besteht der Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen? Da komme ich auf jeden Fall auf die Idee, dass man Pjöngjang noch etwas schmoren lassen will und nach Gründen für weiteres Zögern sucht.
      2. Warum nutzt die EU ihr Know-how erst jetzt? Der Hilferuf von WFP, FAO und Unicef (nicht nur der nordkoreanischen Regierung) ist schon zwei Monate alt. Der einzige stichhaltige Grund weshalb die EU erst (und genau) jetzt reagiert, kann nur sein, dass sie erst jetzt grünes Licht bekam (oder sich nicht traute zu agieren, bis das Vorbild jenseits des Atlantik vorangeht. Beides finde ich beschämend). Naja und wo bleibt dann all das Geschwätz vonwegen „humanitäre Hilfe hat nichts mit politischen Erwägungen zu tun“? Also, dass die Ampel bisher aus „humanitären Erwägungen“ auf rot stand, muss mir erst mal einer erklären…

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